Der NAD C558 ist ein manuell betriebener Plattenspieler mit Riemenantrieb, der im NAD-Sortiment zwischen dem C556 und dem C588 positioniert ist. Entwickelt in Zusammenarbeit mit Pro-Ject, das auch die Fertigung in der Tschechischen Republik übernimmt, vereint er von NAD ausgewählte Komponenten mit dem Know-how von Pro-Ject. Ziel dieser Kooperation ist es, eine gleichbleibend hohe Fertigungsqualität zu gewährleisten und gleichzeitig die akustische Expertise von NAD einzubringen.
Mechanischer Aufbau: Das Streben nach perfekter Steifigkeit
Die Basis des NAD C558 besteht aus einem massiven MDF-Sockel, der per CNC-Fräse bearbeitet wird, um höchste Maßgenauigkeit zu garantieren. Diese Materialwahl, die teurer ist als die in dieser Preisklasse sonst üblichen Spanplatten, bietet eine hohe Dichte und Trägheit und stellt damit die erste Barriere gegen unerwünschte Vibrationen dar. Speziell abgestimmte Gummifüße ergänzen dieses Isolationssystem und sorgen für eine effektive Entkopplung zwischen Plattenspieler und Untergrund.
Der 10 Millimeter starke Plattenteller aus Glas bildet das Herzstück der Konstruktion. Dieses Material wurde aufgrund seiner inerten Eigenschaften und seiner Widerstandsfähigkeit gegen Resonanzen gewählt und sorgt für einen bemerkenswert stabilen Lauf. Eine Filzmatte dämpft verbleibende Mikrovibrationen und bietet eine sanfte Auflagefläche für die Schallplatten. Das Zusammenspiel von Teller und Lager bildet ein stimmiges System, bei dem jedes Element zur konstanten Drehzahl beiträgt.
Der Synchronmotor mit Wechselstromversorgung profitiert von einer isolierten Stromversorgung, die den Netzstrom zunächst in reinen Gleichstrom umwandelt und anschließend in perfekt stabilen Wechselstrom zurückverwandelt. Diese doppelte Umwandlung, die sonst nur bei deutlich teureren Plattenspielern zu finden ist, ermöglicht eine außergewöhnlich präzise Rotation mit weniger als 0,50 % Abweichung bei 33 Umdrehungen pro Minute. Der präzise gefertigte Gummiriemen sorgt für eine geräuscharme Kraftübertragung und filtert gleichzeitig verbleibende mechanische Vibrationen.
Tonarm: Millimetergenaue Präzision und Vielseitigkeit
Der gerade 9-Zoll-Tonarm (230 mm) aus Aluminium ist eine technisch kluge Wahl in dieser Preisklasse. Mit einer effektiven Masse von 9,5 Gramm bietet er eine breite Kompatibilität mit verschiedenen Tonabnehmern am Markt. Die Konstruktion setzt auf Steifigkeit und Resonanzkontrolle statt auf extreme Leichtbauweise, was sich in einer besonders kontrollierten Basswiedergabe niederschlägt.
Die Einstellmöglichkeiten gehen weit über das in dieser Klasse Übliche hinaus. Der Azimut, ein entscheidender Parameter, um sicherzustellen, dass der Diamant exakt senkrecht zur Rille steht, lässt sich präzise justieren. Die magnetische Antiskating-Einrichtung, kalibriert in Gramm, gleicht die seitlichen Kräfte aus, die beim Abtasten auf den Diamanten wirken. Das Gegengewicht, mit einem Gummiring gegen unbeabsichtigtes Verrutschen gesichert, ermöglicht eine feine Einstellung der Auflagekraft zwischen 0 und 30 Millinewton.
Der manuelle Tonarmlift, der über einen seitlichen Hebel bedient wird, sorgt für ein kontrolliertes und präzises Absenken des Diamanten in die Einlaufrille. Diese scheinbar einfache Funktion zeugt von besonderer Sorgfalt im Hinblick auf die Alltagsergonomie. Die Tonarmlagerung verfügt über eine sichere Armablage, die das Rohr im Ruhezustand fest fixiert.
Ortofon OM10 Tonabnehmer: Die Wahl der Musikalität
NAD hat sich strategisch dafür entschieden, den C558 mit einem Ortofon OM10 Tonabnehmer auszustatten – ein bewährtes Modell mit beweglichem Magnet, das für seinen ausgewogenen musikalischen Charakter bekannt ist. Dieser dänische Tonabnehmer, werkseitig montiert und voreingestellt, bietet einen erweiterten Frequenzgang von 20 Hz bis 22 kHz mit einer geringen Abweichung von ±2 dB. Sein elliptisch geschliffener Diamant mit 20 Mikrometern folgt präzise den Rillenmodulationen und minimiert gleichzeitig den Plattenverschleiß.
Die Ausgangsspannung von 4 Millivolt bei 1000 Hz gewährleistet eine optimale Kompatibilität mit den meisten Phono-Vorverstärkern am Markt. Die empfohlene Auflagekraft von 1,25 Gramm (12,5 Millinewton) stellt einen idealen Kompromiss zwischen Spurtreue und Plattenschonung dar. Die Konstruktion des Tonabnehmers mit einer Kanaltrennung von über 22 dB sorgt für ein stabiles und klar definiertes Stereobild.
Die Moving-Magnet-Architektur des OM10 ermöglicht einen einfachen Diamantwechsel ohne Ausbau des Tonabnehmers – ein nicht zu unterschätzender praktischer Vorteil. Zudem eröffnet die Kompatibilität mit den höherwertigen OM-Nadeln (OM20, OM30, OM40) interessante Aufrüstmöglichkeiten ohne Wechsel des Tonabnehmers.
Ergonomie und Bedienung: Beherrschte Einfachheit
Der Wechsel zwischen 33 und 45 Umdrehungen erfolgt manuell durch Umlegen des Riemens. Dazu muss der Glasteller abgehoben und der Riemen auf eine andere Stufe der Motorriemenscheibe gelegt werden. Dieser Vorgang mag anachronistisch erscheinen, garantiert aber eine mechanische Einfachheit, die langfristige Zuverlässigkeit verspricht. NAD liefert hierfür ein spezielles Kunststoffwerkzeug mit, das die Handhabung erleichtert.
Die staubdichte Abdeckung aus resonanzarmem Perspex verdient besondere Erwähnung. Ihre gegenbalancierten Scharniere ermöglichen eine stabile Positionierung in nahezu jeder Öffnungsstellung – ein seltenes Merkmal in dieser Preisklasse. Das gewählte, schwerere Material trägt zur akustischen Gesamtisolation des Plattenspielers bei.
Der Netzschalter ist unter dem Chassis als robuster Kippschalter angebracht. Diese Position mag zunächst überraschen, verhindert aber unbeabsichtigtes Einschalten und bewahrt die klaren Linien des Plattenspielers. Das mitgelieferte RCA-Signalkabel mit integriertem Massekabel zeugt von der Liebe zum praktischen Detail bei der Installation.
Klangliche Performance: Ausgewogenheit und Musikalität
Die klangliche Signatur des C558 zeichnet sich durch eine bemerkenswerte tonale Ausgewogenheit aus, bei der kein Frequenzbereich dominiert. Der Bass überzeugt durch kontrollierte Fülle und physische Präsenz, ohne schwerfällig oder nachzuschwingen. Bassläufe bleiben auch in komplexen Passagen klar artikuliert, was auf die exzellente Kontrolle des Teller-Tonarm-Tonabnehmer-Systems hinweist.
Der Mitteltonbereich, entscheidend für Stimmen und akustische Instrumente, besticht durch angenehme Neutralität. Klangfarben behalten ihren eigenen Charakter ohne zusätzliche Färbung, sodass sich verschiedene Instrumententexturen klar unterscheiden lassen. Stimmen wirken natürlich, weder hervorgehoben noch zurückgesetzt, und bleiben auch bei geringer Lautstärke verständlich.
Die Höhen liefern das nötige Maß an Detail, ohne jemals harsch oder aggressiv zu wirken. Die Obertöne von Becken, das Glitzern von Saiten oder das Atemgeräusch von Blasinstrumenten werden feinfühlig wiedergegeben. Diese natürliche Sanftheit des OM10 passt perfekt zum Gesamtcharakter des Plattenspielers.
Die vom C558 erzeugte Klangbühne überrascht durch ihre Weite und räumliche Kohärenz. Die verschiedenen Ebenen staffeln sich klar und bieten eine überzeugende dreidimensionale Wahrnehmung. Die Ortung der Instrumente bleibt stabil und präzise, sodass ein glaubwürdiges Stereobild entsteht, das die Erwartungen in dieser Preisklasse übertrifft.