Yamaha MusicCast: Multiroom ganz einfach
26. August 2015

Inhalt
Seine Vinyls in der Küche hören, während der Plattenspieler im Wohnzimmer läuft. Yamaha ist der einzige Hersteller, der diese Funktion in einem Multiroom-System anbietet. Ein aufschlussreiches Detail für den Ansatz des japanischen Herstellers: MusicCast versucht nicht, ein geschlossenes Ökosystem aus vernetzten Lautsprechern zu schaffen, sondern die gesamte Audio- und Videopalette des Unternehmens zu verbinden.
Ein Ökosystem statt nur eines Systems
Während Sonos Lautsprecher verkauft, die miteinander kommunizieren, integriert Yamaha MusicCast in Produkte, die auch unabhängig existieren: Hi-Fi-Verstärker, AV-Receiver, Soundbars, kabellose Lautsprecher und sogar Digitalpianos. Der unterschiedliche Ansatz hat wichtige praktische Konsequenzen.
Ein Yamaha-AV-Receiver RX-V6A zum Beispiel verwaltet zunächst ein 7.2-Kanal-System mit Dolby Atmos und HDMI 2.1. MusicCast kommt als Bonus hinzu: Der Ton des Fernsehers oder Blu-ray-Players, der an diesen Verstärker angeschlossen ist, kann in jeden anderen Raum mit einem kompatiblen Gerät gestreamt werden. Umgekehrt funktioniert es genauso: Der Plattenspieler, der an einen Hi-Fi-Verstärker im Arbeitszimmer angeschlossen ist, kann die Soundbar im Wohnzimmer speisen.
Diese Architektur erzeugt ein von Natur aus heterogenes System. Man kann mit einem einzigen Verstärker beginnen, zwei Jahre später einen Kompaktlautsprecher im Bad ergänzen und anschließend eine Soundbar im Schlafzimmer hinzufügen. Jedes Element bleibt eigenständig voll funktionsfähig.
Der Wi-Fi-Plattenspieler: ein Unterscheidungsmerkmal
Der MusicCast Vinyl 500 (rund 650 €) lohnt einen genaueren Blick. Es handelt sich um einen riemengetriebenen Plattenspieler mit integriertem Phono-Vorverstärker, vormontiertem MM-Tonabnehmer und schwarzem Klavierlack-Finish. Bis hierhin nichts Überraschendes. Auffälliger ist hingegen ein integrierter Wi-Fi-Sender, der es ermöglicht, den Klang der Schallplatten ohne Verkabelung an jedes MusicCast-Gerät im Haus zu senden.
Die Aufstellung des Plattenspielers wird frei. Er muss nicht mehr direkt neben dem Verstärker stehen: Er kann auf einem Regal am anderen Ende des Raums oder sogar in einem anderen Zimmer thronen. Das Audiosignal läuft über das Heimnetzwerk zu den MusicCast-Lautsprechern oder -Verstärkern. Der Vinyl 500 kann auch Streams empfangen (Spotify, Deezer, Tidal, Qobuz via AirPlay 2) und sie weiterverteilen, wodurch er zu einem vielseitigen Hub für alle wird, die bereits einen klassischen Verstärker ohne Netzwerkfunktionen besitzen.
Kein direkter Konkurrent bietet diese Integration von Vinyl und Multiroom. Für Plattenliebhaber, die aus dem Paradigma „ein Plattenspieler = ein Raum“ ausbrechen wollen, ist das ein starkes Argument.
Die App und die Streaming-Dienste
Die App MusicCast Controller (iOS und Android) bündelt die Steuerung aller Geräte. Die Oberfläche ist funktional: Man weist Räumen Fotos zu, gruppiert oder entkoppelt Hörzonen und passt die Lautstärken einzeln oder global an. Die Bedienlogik bleibt hinter Sonos zurück, dessen App zehn Jahre Feinschliff erfahren hat, doch die Stabilität ist überzeugend.
Die integrierten Streaming-Dienste variieren je nach Region und Gerät. Die umfassendste Liste beinhaltet:
- Spotify (via Spotify Connect, kostenlose und kostenpflichtige Konten)
- Deezer
- Tidal
- Qobuz
- Amazon Music und Amazon Music HD
- Pandora und SiriusXM (Nordamerika)
- Apple Music (via AirPlay 2)
- Internetradios (vTuner)
Der Zugriff auf Dateien, die auf einem NAS oder DLNA/UPnP-Server gespeichert sind, funktioniert problemlos. Die Unterstützung für hochauflösende Dateien reicht bis zu 24 Bit/192 kHz in FLAC, WAV und AIFF sowie bis zu DSD 5,6 MHz auf einigen Geräten (hochwertige Hi-Fi- und AV-Verstärker).
Eine Einschränkung ist zu beachten: Die gruppierte Wiedergabe auf mehreren MusicCast-Geräten wird auf 48 kHz heruntergerechnet. Um die volle Auflösung zu genießen, muss man auf einem einzelnen Gerät hören. Auch lückenlose Wiedergabe (Gapless Playback) wird nicht nativ unterstützt, was Liebhaber klassischer Musik oder Konzeptalben stören dürfte.
Die kabellosen Lautsprecher
Die Palette an dedizierten Lautsprechern bleibt im Vergleich zu Sonos überschaubar: zwei Hauptmodelle, die MusicCast 20 (rund 200 €) und die MusicCast 50 (rund 400 €), plus ein kabelloser Subwoofer, der MusicCast Sub 100.
Die MusicCast 20 ist ein kompakter Zylinder mit 15 cm Durchmesser, ausgestattet mit einer Kalotten-Hochtonsektion, einem 9-cm-Tieftöner und zwei Passivmembranen. Der Klang ist im Mittelton- und Bassbereich ausgewogen, im Hochton weniger überzeugend, wo es etwas an Erweiterung fehlt. Sie kann einzeln, als Stereo-Paar oder als kabelloser Rear-Surround-Lautsprecher mit einem kompatiblen AV-Receiver genutzt werden (MusicCast Surround-Funktion).
Die MusicCast 50 setzt auf ein horizontales Soundbar-Format mit zwei Hochtönern, zwei Tieftönern und zwei Passivmembranen. Die Wiedergabe ist großzügiger und für mittelgroße Räume geeignet.
Diese Lautsprecher wollen nicht direkt mit Sonos Era 100 oder Bose im Hinblick auf Design oder maximale Kompaktheit konkurrieren. Sie sind vielmehr als Ergänzung zu einem System gedacht, dessen Herzstück ein Yamaha-Verstärker oder eine Yamaha-Soundbar ist.
Kabelloses Heimkino: die Funktion MusicCast Surround
Die Idee ist verlockend: ein Paar MusicCast 20 als kabellose hintere Surround-Lautsprecher zu verwenden und so das Verlegen von Kabeln quer durchs Wohnzimmer zu vermeiden. Kompatible Yamaha-AV-Receiver (RX-V- und Aventage-Reihen) stellen eine direkte Verbindung zu den Lautsprechern her, um die Audiosignale der rückwärtigen Kanäle zu übertragen.
In der Praxis erfordert diese Funktion einige Vorsichtsmaßnahmen. Die Funkverbindung zwischen Verstärker und Lautsprechern ist vom heimischen Wi-Fi-Netz getrennt. Die Antennen des Verstärkers müssen senkrecht und frei positioniert sein, und Störungen durch andere Geräte können zu kurzen Aussetzern führen. In einer Umgebung ohne größere Hindernisse und mit guter Aufstellung ist das Ergebnis transparent. In komplexeren Konfigurationen (dicke Wände, viele Wi-Fi-Geräte) berichten Nutzer von gelegentlichen Dropouts.
MusicCast versus Sonos: zwei unterschiedliche Ansätze
MusicCast und Sonos zu vergleichen, bedeutet, eine Sortimentserweiterung mit einem dedizierten Ökosystem zu vergleichen.
Vorteile von MusicCast:
- Integration mit vorhandener Audio-/Video-Hardware (Verstärker, Soundbars, Plattenspieler)
- Unterstützung von Hi-Res-Audio bis 24/192 und DSD
- Verteilung physischer Quellen (Vinyl, CD, TV) in alle Räume
- In der Regel niedrigere Preise bei vergleichbarer Konfiguration
- Kabelgebundener Ethernet-Anschluss an allen Geräten
Vorteile von Sonos:
- Ausgereiftere App und universelle Suche in allen Diensten
- Überlegene Wi-Fi-Zuverlässigkeit in schwierigen Umgebungen
- Größere Vielfalt an Lautsprechern (tragbar, Outdoor, Soundbar mit integriertem Sub)
- Größere Nutzercommunity, mehr Integrationen von Drittanbietern
- Native Gapless-Wiedergabe
Für jemanden, der bei null anfängt und ein einfach zu installierendes Multiroom-System möchte, bleibt Sonos der Maßstab. Für jemanden, der bereits einen Yamaha-Verstärker besitzt oder ein ernsthaftes Heimkinosystem plant, fügt MusicCast Multiroom ohne nennenswerte Zusatzkosten hinzu.
Die Yamaha-AV- und Hi-Fi-Verstärker integrieren MusicCast ohne sichtbaren Aufpreis: Der RX-V6A für 700 € bietet Multiroom zusätzlich zu seinen Basisfunktionen. Dadurch wird das Ökosystem für alle attraktiv, die ohnehin den Kauf eines Verstärkers planen.
Die Grenzen, die man kennen sollte
Einige Punkte verdienen Aufmerksamkeit, bevor man sich festlegt:
- Keine Gapless-Wiedergabe: Zwischen den Titeln gibt es eine kurze Unterbrechung.
- Getrennte Suche: Anders als bei Sonos bietet die App keine einheitliche Suche über alle Streaming-Dienste hinweg.
- Downsampling bei gruppierter Wiedergabe: Hi-Res-Audio wird auf 48 kHz konvertiert, wenn mehrere Geräte gleichzeitig spielen.
- Abhängigkeit vom lokalen Netzwerk: MusicCast nutzt das heimische Wi-Fi, was mit manchen Mesh-Routern oder komplexen Netzwerkkonfigurationen Probleme bereiten kann.
- Kein integrierter Sprachassistent: MusicCast-Lautsprecher funktionieren mit Alexa und Google Assistant, jedoch nur über externe Geräte (Echo, Google Home).
Für wen eignet sich MusicCast?
Seine größte Stärke entfaltet das System bei Nutzern, die nach und nach eine stimmige Audioumgebung rund um einen Yamaha-Verstärker aufbauen möchten, ohne sich vollständig auf eine „alles kabellos“-Logik festlegen zu müssen. Die Möglichkeit, den Klang eines Plattenspielers oder CD-Players im ganzen Haus zu verteilen oder ein bestehendes Heimkino mit kabellosen Rears zu ergänzen, adressiert Bedürfnisse, die Sonos nicht abdeckt.
Für eine reine Multiroom-Installation mit autonomen Lautsprechern bieten die Konkurrenzsysteme (Sonos, Bluesound, Heos) oft ein flüssigeres Software-Erlebnis. MusicCast spielt seine Stärken aus, wenn man die Hardware-Integration konsequent nutzt.




