Stream Box E und Wireless Box E: Pro-Ject setzt auf kabelloses Multiroom
7. Mai 2026

Pro-Ject baut sein Streaming-Katalog weiter aus. Der österreichische Hersteller, der in der kollektiven Vorstellung lange auf das Segment der Plattenspieler beschränkt war, hat am 28. April zwei neue kompakte Geräte angekündigt, die sich eine gemeinsame Softwareplattform (WiiM OS) teilen, aber auf zwei klar unterschiedliche Anwendungsfälle zugeschnitten sind. Die Stream Box E übernimmt die erwartete Rolle eines Streamer-DACs zum Anschluss an einen vorhandenen Verstärker. Die Wireless Box E hingegen bietet etwas Ungewöhnlicheres: ein kleines verstärktes Modul, das direkt an der Rückseite eines passiven Lautsprechers befestigt wird und das Lautsprecherkabel aus der Gleichung entfernt.
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Die Stream Box E, ein unspektakulärer, aber gut positionierter Streamer-DAC
Die Stream Box E ist das konventionellere der beiden Geräte. Bei den Anschlüssen findet man einen analogen Stereo-RCA-Ausgang, einen optischen digitalen S/PDIF-Ausgang (Toslink), einen analogen RCA-Eingang zum Anschluss einer Line-Quelle (typischerweise eines Plattenspielers über einen Phono-Vorverstärker) sowie eine 5 V / 1 A DC-Stromversorgung. Das Gerät greift im nativen Modus auf die wichtigsten Dienste zu: Spotify Connect, Tidal Connect, Qobuz Connect und Amazon Music, letzteres in die hauseigene App Pro-Ject Home integriert.
Bei den Messwerten nennt Pro-Ject ein Signal-Rausch-Verhältnis von über 102 dB am Line-Ausgang, harmonische Verzerrungen unter 0,009 % und eine Kanaltrennung von über 106 dB bei 10 kHz, bei einem Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz bei -1,5 dB. Der nominale Ausgangspegel beträgt 3 Vrms. Das sind ordentliche Werte für ein Gerät in dieser Preisklasse. Der verwendete DAC-Chip wird hingegen nicht spezifiziert.
Das Wi-Fi ist Dualband (802.11 a/b/g/n/ac, 2,4 und 5 GHz) und Bluetooth 5.0 unterstützt ausschließlich die Codecs SBC und AAC. Kein aptX HD, kein LDAC. Eine seltsame Auslassung für eine Marke, die bereits eine BT Box E HD mit aptX HD im Katalog führt.
Das Metallgehäuse mit Aluminiumfront wird besonders hervorgehoben: Pro-Ject gibt an, dass die elektromagnetische Abschirmung es ermöglicht, das Gerät direkt neben einem Verstärker zu platzieren oder sogar darauf zu stapeln, ohne die Audioleistung zu beeinträchtigen. Ein konkretes Argument für eine saubere Integration in eine bestehende Anlage.
Drei Anwendungsfälle werden hervorgehoben: Streaming zu einer bereits mit integriertem Verstärker ausgestatteten Anlage hinzufügen, als digitaler Vorverstärker in Kombination mit einer Endstufe und einem Paar passiver Lautsprecher dienen oder direkt ein Paar aktive Lautsprecher speisen. Die integrierte Lautstärkeregelung ermöglicht tatsächlich dieses letzte Szenario.
Der analoge RCA-Eingang verdient besondere Beachtung. Pro-Ject nennt das „True Wireless Sending“: Das Signal eines Plattenspielers oder jedes anderen Line-Geräts, das an die Stream Box E angeschlossen ist, kann an andere kompatible Geräte im Netzwerk gesendet werden (Uni Box S3, Wireless Box E, andere Pro-Ject Streamer der neuen Generation) sowie an WiiM-Produkte. Einen Plattenspieler im Wohnzimmer an die Stream Box E anschließen und die LP in der Küche hören, ohne irgendetwas neu zu verkabeln – das ist ein Argument, das diese Reihe von rein digitalen Lösungen wie Sonos unterscheidet. Die Stream Box E ist ab sofort für 179 € erhältlich, in schwarzer oder silberner Ausführung.
Die Wireless Box E, oder das (fast) Ende des Lautsprecherkabels
Das ist das Produkt, das Aufmerksamkeit erregt. Statt einen weiteren vernetzten Verstärker anzubieten, der im Rack gestapelt wird, kehrt Pro-Ject die Logik um: Jede Wireless Box E ist ein verstärktes Mono-Modul, das direkt über 4-mm-Bananenstecker an die Anschlüsse eines passiven Lautsprechers angeschlossen wird. Ein Stereopaar erfordert also zwei Exemplare, eines pro Lautsprecher, also 458 € für ein komplettes System (das Modul wird mit 229 € pro Stück angekündigt, in Schwarz oder Silber, mit geplanter Verfügbarkeit Ende Mai 2026).
Die angegebene Verstärkung liefert 25 W an 8 Ohm oder 50 W an 4 Ohm (bei 1 % THD), was für Regallautsprecher in einem eher kleinen Raum ausreicht. Das Signal-Rausch-Verhältnis liegt bei 96 dB (100 dB A-bewertet) an 4 Ohm, die Verzerrung bei weniger als 0,12 % bei 5 W an 4 Ohm und die Kanaltrennung bei -67 dB bei 10 kHz. Bescheidene, aber mit dem kompakten Format und dem Preis stimmige Werte. Die Verstärkerklasse wird nicht angegeben. Jede Einheit empfängt das Audio über Dualband-Wi-Fi und nutzt dasselbe WiiM OS wie ihr größerer Bruder, erneut mit Bluetooth 5.0, beschränkt auf die Codecs SBC und AAC.
Pro-Ject hat das Modul zunächst für die eigenen Lautsprecher abgestimmt, deren rückseitige Anordnung eine direkte Befestigung erlaubt. Für andere Marken übernimmt ein 30 cm langes Connect it LS-E Flex-Verlängerungskabel, das für 29,90 € pro Paar verkauft wird, wenn die Geometrie der Rückwand einen direkten Anschluss nicht zulässt.
Es bleibt ein Detail, das das „kabellose“ Versprechen etwas relativiert: Jede Wireless Box E benötigt ihr eigenes 22 V / 1 A-Netzteil. Das Lautsprecherkabel entfällt, aber das Problem verlagert sich auf eine Steckdose in der Nähe jedes Lautsprechers. Ein klarer Vorteil bei Installationen, bei denen die Steckdose leichter zugänglich ist als die Verlegung eines Lautsprecherkabels, deutlich weniger in Räumen, in denen die Steckdose weit von den Hörpositionen entfernt ist. Der Standby-Verbrauch bleibt mit weniger als 0,5 W gering.
Pro-Ject True Wireless Receiving: die Gesamtlogik
Beide Geräte basieren auf derselben Softwarearchitektur, die über die App Pro-Ject Home gesteuert wird, und diese gemeinsame Plattform verleiht der Reihe ihre Kohärenz. Die Wireless Box E kann den Audiostream direkt von der Stream Box E, der im vergangenen Sommer eingeführten Uni Box S3 und vom Wi-Fi-Plattenspieler T2 W, der Vinyl kabellos überträgt, empfangen. Sie ist außerdem mit WiiM-Geräten selbst kompatibel, was den Integrationsumfang über den reinen Pro-Ject-Katalog hinaus erweitert.
Das überzeugendste Nutzungsszenario kombiniert die beiden Neuheiten. Eine Stream Box E zentralisiert die Quellen (Streaming und analoger Eingang für den Plattenspieler), und mehrere Paare Wireless Box E treiben passive Lautsprecher in verschiedenen Räumen an. So entsteht ein Multiroom-System, das Vinyl im ganzen Haus wiedergeben kann, ohne in eine Sonos-Infrastruktur investieren zu müssen. Der Einstiegspreis für ein komplettes Stereo-System ohne Lautsprecherkabel liegt bei rund 640 € (eine Stream Box E für 179 € plus ein Paar Wireless Box E für 458 €), ohne Lautsprecher und ohne Verlängerungskabel. Das ist spürbar weniger als ein Paar vernetzter Aktivlautsprecher einer vergleichbaren Marke, allerdings mit einer Abhängigkeit vom WiiM/Pro-Ject-Ökosystem, die man akzeptieren muss.
Der Haken: kein AirPlay 2, kein Roon Ready
Pro-Ject unterstützt bei diesen beiden Geräten weder AirPlay 2 noch die Zertifizierung Roon Ready. Das ist eine folgenreiche Entscheidung. Apple Music verfügt auf der WiiM-Plattform über keinen nativen „Connect“-Modus, und ohne AirPlay 2 ist es unmöglich, die Apple-Music-Bibliothek in Lossless vom iPhone auf diese Geräte wiederzugeben. Roon-Abonnenten hingegen müssen weiterziehen.
Auch der DAC-Chip der Stream Box E ist nicht näher dokumentiert. In dieser Preisklasse ist die Auslassung nachvollziehbar, sie erschwert aber den direkten Vergleich mit einem WiiM Pro Plus beispielsweise, der seine Spezifikationen offenlegt.
Für Abonnenten von Tidal, Qobuz oder Spotify stellt all das kein Problem dar: Die Connect-Modi funktionieren reibungslos. Apple-Nutzer hingegen müssen sich bei Sonos oder einem anderen AirPlay-2-kompatiblen Hersteller umsehen.




