Audio Technica AT-OC9XEB
Übersicht
Siebenunddreißig Jahre nach der Einführung des ursprünglichen OC9 entwickelt sich die MC-Tonabnehmerserie von Audio Technica kontinuierlich weiter. Diese vierte Generation, die 2019 auf der High End in München vorgestellt wurde, überträgt das japanische Know-how in fünf Modelle mit unterschiedlichen Diamantschliffen. Das AT-OC9XEB bildet den Einstieg, mit einem geklebten elliptischen Diamanten, der den Zugang zu den Qualitäten eines MC-Systems zu einem für diese Technologie besonders attraktiven Preis ermöglicht.
Eine Doppelspulen-Architektur nach dem Vorbild der Spitzenmodelle
Der Generator des AT-OC9XEB übernimmt die Doppel-Moving-Coil-Struktur, die allen OC9X-Modellen gemeinsam ist. Zwei unabhängige zylindrische Spulen, je eine pro Kanal, übernehmen die Signalwandlung. Ihre V-förmige, invertierte Anordnung reduziert den Druck auf den Diamanten und begrenzt dadurch Verzerrungen bei der Wiedergabe. Das für diese Spulen verwendete Kabel ist PCOCC-Kupfer (Pure Copper by Ohno Continuous Casting), ein kontinuierliches Gießverfahren, das von Professor Atsumi Ohno entwickelt wurde und die kristallinen Korngrenzen in Signalflussrichtung eliminiert. Audio Technica gehörte in den 1980er-Jahren zu den ersten Herstellern, die diese Technologie für ihre Audiokabel einsetzten, und integrierte sie anschließend in seine Tonabnehmer.
Der Magnetkreis kombiniert einen Neodym-Magneten mit einem Joch aus reinem Eisen. Diese Kombination erzeugt ein dichtes Magnetfeld im Luftspalt, in dem sich die Spulen bewegen. Die Spitzenmodelle der Serie (XML, XSH, XSL) verwenden ein Joch aus Permendur, einer Eisen-Kobalt-Legierung mit höherer magnetischer Permeabilität, wodurch ihre Ausgangsspannung auf 0,4 mV steigt. Das AT-OC9XEB liefert mit seinem Eisenjoch 0,32 mV – ein Wert, der weiterhin im normalen Arbeitsbereich von MC-Phonovorverstärkern liegt.
Der elliptische Diamant: ein ausgewogener Kompromiss
Der geklebte elliptische Diamant des AT-OC9XEB weist einen Krümmungsradius von 0,3 × 0,7 mil (rund 8 × 18 µm) auf. Diese Geometrie bietet eine größere Kontaktfläche mit der Rille als ein sphärischer Diamant und ermöglicht so eine bessere Wiedergabe der Hochfrequenzanteile, die in die Rillenflanken geschnitten sind. Die geklebte Ausführung (bonded) bedeutet, dass der Diamant auf einem Metallstift befestigt ist, der seinerseits in den Nadelträger eingesetzt wird – im Gegensatz zu nackten (nude) Diamanten, bei denen die Spitze direkt aus einem Diamantkristall geschliffen wird.
Der hohle Aluminium-Cantilever überträgt die Vibrationen auf die Spulen. Dieses Material ist kostengünstiger als Bor, das bei den drei High-End-Modellen der Serie zum Einsatz kommt, bietet aber dennoch ein gutes Verhältnis von Steifigkeit zu Masse. Die Nadel/Cantilever-Einheit ist vom Nutzer nicht austauschbar – ein Merkmal, das allen MC-Systemen gemein ist. Audio Technica bietet ein Austauschprogramm an, bei dem der Tonabnehmer in den japanischen Werkstätten des Herstellers neu aufgebaut wird, sobald der Diamant verschlissen ist.
Ein Gehäuse, das auf Ruhe ausgelegt ist
Das Gehäuse des AT-OC9XEB wird aus einem Aluminiumblock gefräst. Dieses Material trägt zur Dämpfung unerwünschter Vibrationen bei, die vom Tonarm zum Generator zurückgelangen könnten. Das Gesamtgewicht von 7,6 g und die dynamische Compliance von 9 × 10⁻⁶ cm/dyne bei 100 Hz prädestinieren diesen Tonabnehmer für Tonarme mit niedriger bis mittlerer effektiver Masse – die am weitesten verbreiteten Konfigurationen moderner Plattenspieler.
Audio Technica hat Gewindeeinsätze in das Gehäuse integriert. Die Befestigung erfolgt somit von oben mit zwei M2,6-Schrauben, die direkt in das Gehäuse geschraubt werden, ganz ohne Muttern. Diese Konstruktion vereinfacht das Justieren und verkürzt die Montagezeit, macht den Tonabnehmer jedoch inkompatibel mit Headshells, die von unten verschraubt werden, wie sie bei bestimmten älteren Plattenspielern von Thorens oder Lenco zu finden sind.
Einstellungen und Verstärkung
Die empfohlene Auflagekraft liegt zwischen 1,8 und 2,2 g, mit einem Optimum bei 2,0 g. Der vertikale Abtastwinkel (VTA) ist auf 20° festgelegt. Bei der Montage sollte die Tonarmhöhe so eingestellt werden, dass die Unterseite des Headshells parallel zur Plattenoberfläche verläuft. Die minimale Abschlussimpedanz beträgt 100 Ohm – ein Standardwert, den nahezu alle MC-Phonovorverstärker am Markt erfüllen. Der Innenwiderstand von 12 Ohm und die Induktivität von 25 µH stellen für die Verstärkerstufe keine besonderen Anforderungen dar.
Das mitgelieferte Montageset umfasst einen antimagnetischen Schraubendreher, eine Reinigungsbürste, zwei Unterlegscheiben und vier Paare Schrauben in unterschiedlichen Längen (5, 8, 10 und 12 mm), um sich an verschiedene Headshell-Typen anzupassen. Eine Kunststoff-Schutzkappe schützt den Diamanten bei der Handhabung.
Klangcharakter und Alltagstauglichkeit
Die Wiedergabe des AT-OC9XEB steht ganz in der Tradition der OC9-Tonabnehmer: Transparenz, Detailreichtum, weit geöffneter Frequenzgang. Der Hochtonbereich zeichnet sich durch seine Auflösung und seine Erweiterung bis 30 kHz aus. Der Gesamtcharakter tendiert eher zur analytischen Darstellung als zu einer romantisch gefärbten Wiedergabe, ohne dabei ins Kühle oder Sterile abzugleiten. Die Kanaltrennung von 25 dB bei 1 kHz sorgt für eine klar definierte Stereoabbildung mit präziser Lokalisierung der Schallquellen.
Die für ein MC-System relativ hohe Compliance erleichtert das Abtasten komplexer Modulationen und schont die Schallplatten. Im Gegenzug ist die Kombination mit Tonarmen hoher Masse nicht zu empfehlen, um eine zu tief liegende Arm/Tonabnehmer-Resonanz im Frequenzspektrum zu vermeiden.
Technische Daten
Audioleistung
- Frequenzgang: 20 – 30000 Hz
- Kanaltrennung: 25 dB bei 1 kHz
- Ausgangsspannung: 0,32 mV
- Empfohlene Abschlussimpedanz: ≥ 100 Ω
Abtastsystem
- Diamant: gebondet elliptisch, Abmessungen 0,3 × 0,7 mil
- Präzisere Abtastung als bei einer konischen Nadel
- Besserer Frequenzgang
- Geringere Verzerrung
- Nadelträger: leichtes und reaktionsschnelles Aluminium
- Empfohlene Auflagekraft: 1,8 – 2,2 g, Standardwert 2,0 g
- Abtastwinkel: 20°
- Dynamische Compliance: 9 × 10⁻⁶ cm / dyne bei 100 Hz
Aufbau
- Gehäuse: Aluminium zur Reduzierung von Resonanzen und für eine stabile Wiedergabe
- Spulen: PCOCC-Kupfer für ein sauberes und gleichmäßiges Signal
- Magnetsystem: Neodym-Magnet mit Polschuh aus reinem Eisen
- Erhöhte magnetische Energie
- Höhere Effizienz
- Gewicht: 7,6 g
Montage und Kompatibilität
- Montagetyp: Standard 1/2”
- M2,6-Gewindegehäuse zur direkten Montage an Headshell oder Tonarm mit festem Headshell
- Befestigung mit nur 2 Schrauben
- Keine Mutter erforderlich
Mitgeliefertes Zubehör
- Antimagnetischer Schraubendreher
- Reinigungsbürste
- 2 Unterlegscheiben
- 4 Schraubenpaare: 5 / 8 / 10 / 12 mm
- Kunststoffschutz
Allgemeine Informationen
MM-Tonabnehmer japanischer Fertigung, entwickelt und montiert im Audio-Technica-Werk in Fukui. Dieser Tonabnehmer bietet eine präzise Klangsignatur dank gebondetem elliptischem Diamanten und einer Kanaltrennung von 25 dB, was eine kohärente und ausgewogene räumliche Darstellung gewährleistet. Das optimierte Design kombiniert einen Aluminium-Nadelträger, ein leistungsstarkes Magnetsystem und ein Aluminiumgehäuse für eine originalgetreue und stabile Wiedergabe.
Häufig gestellte Fragen
Welchen Phonovorverstärker sollte man mit dem AT-OC9XEB verwenden?
Ein Phonovorverstärker mit MC-Eingang und einer Verstärkung von mindestens 60 dB ist geeignet. Die Abschlussimpedanz sollte einstellbar sein oder fest bei mindestens 100 Ohm liegen. Übertrager (Step-up-Transformer) stellen eine Alternative zu aktiven Vorstufen dar, sofern ihr Übersetzungsverhältnis auf die Ausgangsspannung von 0,32 mV abgestimmt ist.
Ist der Tonabnehmer mit meinem Tonarm kompatibel?
Das AT-OC9XEB eignet sich für Tonarme mit niedriger bis mittlerer effektiver Masse (etwa 8 bis 15 g). Die Resonanzfrequenz von Arm und System sollte idealerweise zwischen 8 und 12 Hz liegen. Online-Rechner helfen, diese Kompatibilität anhand der technischen Daten Ihres Tonarms zu überprüfen.
Kann der Tonabnehmer von einem unabhängigen Spezialisten retippt werden?
Audio Technica rät von der Inanspruchnahme externer Werkstätten ab und bietet ein eigenes Austauschprogramm an. Dabei wird der verschlissene Tonabnehmer zurückgeschickt und gegen ein überholtes oder neues Exemplar zu einem reduzierten Preis eingetauscht. Die Bedingungen variieren je nach Land; es empfiehlt sich, beim örtlichen Vertriebspartner nachzufragen.
Ist das AT-OC9XEB für 78er-Schallplatten geeignet?
Nein. Der elliptische Schliff und die Auflagekraft dieses Tonabnehmers sind auf 33- und 45-U/min-Mikrorillen ausgelegt. Für die Wiedergabe von 78er-Platten ist ein Diamant mit größerem Krümmungsradius (typischerweise 65 µm oder 3 mil) und höherer Auflagekraft erforderlich.
Gibt es klangliche Unterschiede zum AT-OC9XEN?
Das AT-OC9XEN ist mit einem nackten (nude) elliptischen Diamanten ausgestattet und bietet eine etwas geringere bewegte Masse sowie eine bessere Übertragung von Mikrodetails. Der Unterschied macht sich vor allem in der Feinzeichnung der Höhen und der Sanftheit der Transienten bemerkbar. Der Qualitätssprung fällt jedoch moderat aus im Vergleich zum Wechsel auf die Modelle mit Bor-Cantilever (XML, XSH, XSL).
- Öko-Beitrag im Verkaufspreis enthalten.
- GTIN / EAN : 4961310150440



