Michell Engineering Cusis M
Übersicht
Die Cusis M ist das Ergebnis von fünf Jahren Entwicklungsarbeit bei Michell Engineering, dem britischen Hersteller, der seit über fünfzig Jahren für seine Plattenspieler bekannt ist. Dieser Moving-Coil-Tonabnehmer kombiniert einen ultrapräzisen MicroLine-Schliff, einen Bor-Cantilever und ein mit Kohlenstoff angereichertes Acrylgehäuse, um eine besonders detailreiche Abtastung der Rille zu liefern. Mit einer Ausgangsspannung von 0,25 mV und einem Frequenzgang von 15 Hz bis 45 kHz richtet er sich an Musikliebhaber mit einem MC-Phonovorverstärker, der sein Auflösungsvermögen ausschöpfen kann.
Eine ausgefeilte Konstruktion im Dienst der Neutralität
Das Gehäuse der Cusis M zeichnet sich durch sein Verbundmaterial aus: Acryl, angereichert mit Kohlenstoffpartikeln. Diese seit Jahren von Michell in Plattentellern verwendete Materialrezeptur bietet bemerkenswerte Dämpfungseigenschaften. Im Gegensatz zu den Modellen Cusis E und S, die Acetal (Polyoxymethylen) verwenden, absorbiert und dissipiert dieses Material unerwünschte Vibrationen, während es eine hohe strukturelle Steifigkeit beibehält. Das groß dimensionierte Aluminiumchassis dient als stabile Basis für die Montage des Generators und schafft eine mechanische Plattform, die die empfindlichen Elemente von unerwünschten Resonanzen isoliert.
Der Magnetkreis basiert auf einem Samarium-Kobalt-Magneten in Kombination mit reinem Eisen. Diese Kombination erzeugt ein besonders stabiles Magnetfeld – eine wesentliche Voraussetzung für die präzise Umwandlung mechanischer Bewegungen in elektrische Signale. Die Spulen bestehen aus reinem Kupferdraht mit 30 Mikrometern Durchmesser, der präzise auf einen leichten Anker gewickelt ist. Die Windungszahl wurde speziell für das MicroLine-Profil der Nadel optimiert, um bei minimaler bewegter Masse eine Ausgangsspannung von 0,25 mV zu erzielen.
Der Tonabnehmer integriert einen speziell entwickelten Dämpfer, der die optimale Federung des beweglichen Systems sicherstellt. Dieses Bauteil stützt den Cantilever und ermöglicht gleichzeitig schnelle, kontrollierte Bewegungen in alle Richtungen. Mit einer Compliance von 8 × 10⁻⁶ cm/dyne eignet sich der Tonabnehmer für Tonarme mittlerer bis hoher Masse und bietet eine breite Kompatibilität mit unterschiedlichen Plattenspielern.
Die MicroLine-Nadel: chirurgische Präzision in der Rille
Die MicroLine-Abtastnadel ist das herausragende Merkmal dieses High-End-Modells. Anders als die elliptischen oder Shibata-Schliffe der Modelle Cusis E und S bildet das MicroLine-Profil die Form des Schneidstichels nach, der bei der Gravur der Masterplatten verwendet wird. Diese komplexe, rechnergestützt entwickelte Geometrie maximiert die Kontaktfläche mit den Rillenflanken – in der Branche mit rund 115 µm² angegeben.
Diese vergrößerte Kontaktfläche bietet mehrere messbare technische Vorteile. Der Druck auf das Vinyl verteilt sich über eine größere Fläche, wodurch der Plattenverschleiß trotz einer Auflagekraft von 2 Gramm reduziert wird. Die Abtastfähigkeit erreicht 70 Mikrometer, sodass stark modulierte Passagen ohne Kontaktverlust gemeistert werden. Die Verzerrungen bleiben minimal, selbst in den inneren Rillenbereichen, wo die geringere lineare Geschwindigkeit weniger ausgefeilte Nadeln üblicherweise an ihre Grenzen bringt.
Das MicroLine-Profil brilliert insbesondere bei der Wiedergabe hoher Frequenzen. Der Frequenzgang reicht bis 45 kHz und liegt damit weit über dem hörbaren Spektrum, was eine lineare Phase im nutzbaren Band gewährleistet. Diese Erweiterung ermöglicht die Erfassung subtiler Obertöne und schneller Transienten, die akustischen Instrumenten ihren natürlichen Klang verleihen. Eine Kanaltrennung von 28 dB sorgt für ein stabiles, präzises Stereobild bei einem Kanalgleichgewicht von unter 1 dB.
Der Bor-Cantilever: optimale Steifigkeit bei geringem Gewicht
Der Cantilever aus Bor ist eine bewusste technische Wahl, um die Übertragung der Vibrationen zu maximieren. Dieses kristalline Material mit einer Härte von 9,5 auf der Mohs-Skala vereint außergewöhnliche Steifigkeit mit geringer Masse. Diese physikalischen Eigenschaften verschieben die Eigenresonanzfrequenz des Cantilevers weit über den Audiobereich hinaus und eliminieren Verfärbungen, die bei weniger steifen Materialien auftreten.
Die Schallausbreitungsgeschwindigkeit in Bor übertrifft die in Aluminium deutlich und gewährleistet eine unmittelbare Übertragung der Nadelbewegungen zum Generator. Diese Reaktionsschnelle führt zu einer besseren Definition von Anschlägen und Ausklängen, besonders hörbar bei perkussiven Instrumenten und Pizzicati von Saiten. Bor ist zudem widerstandsfähiger gegen Materialermüdung als Metalllegierungen und behält seine Eigenschaften über die gesamte Lebensdauer des Tonabnehmers hinweg bei.
Die Montage des Cantilevers im Dämpfer erfolgt mit engen Toleranzen, um eine perfekte Ausrichtung mit dem Generator sicherzustellen. Diese Präzision in der Fertigung, kombiniert mit der geringen bewegten Masse der Spulen, ermöglicht eine schnelle Impulsantwort. Komplexe Transienten, wie explosive Konsonanten oder Crash-Becken, behalten ihren dynamischen Charakter ohne Kompression oder zeitliche Verwischung.
Kompatibilität und praktische Umsetzung
Mit 8,1 Gramm erfordert die Cusis M einen Tonarm, der diese Masse ausbalancieren kann und gleichzeitig die empfohlene Auflagekraft von 2 Gramm beibehält. Tonarme mit effektiver Masse zwischen 10 und 25 Gramm sind ideal, was die Mehrheit der aktuellen Qualitätsmodelle einschließt. Der Innenwiderstand von 3 Ohm und die empfohlene Abschlussimpedanz von 100 Ohm erleichtern die Anpassung an moderne MC-Phonovorverstärker.
Die Ausgangsspannung von 0,25 mV ordnet den Tonabnehmer der Kategorie „Low Output“ zu und erfordert einen Phonovorverstärker mit hohem Gain und niedrigem Grundrauschen. Ein Mindestverstärkungsfaktor von 60 dB wird empfohlen, um einen komfortablen Ausgangspegel zum Verstärker zu erreichen. Sowohl Vorverstärker mit Übertragern (Step-Up-Transformern) als auch solche mit rauscharmen aktiven Schaltungen sind geeignet; die Wahl hängt von den klanglichen Vorlieben des Nutzers ab.
Michell empfiehlt eine Einspielzeit von über 40 Stunden, um die mechanischen Eigenschaften der Aufhängung zu stabilisieren. In dieser Phase nähern sich die elektrischen und mechanischen Parameter schrittweise ihren Nennwerten an. Die Compliance steigt leicht, die Dämpfung optimiert sich und der Frequenzgang verfeinert sich. Ist der Tonabnehmer eingespielt, hält er seine Leistung über mehrere tausend Betriebsstunden unter normalen Bedingungen.
Technische Daten
Aufbau und Konstruktion
- Typ: Moving-Coil-Tonabnehmer (MC)
- Abtastnadel: ultrapräziser MicroLine-Schliff
- Nadelträger: Bor
- Chassis: breites Aluminiumchassis
- Gehäuse: kohlenstoffgefülltes Acryl mit dämpfender Wirkung
- Magnet: Samarium-Kobalt + reines Eisen für optimale magnetische Stabilität
- Dämpfer: ausgelegt für perfekte Rillenverfolgung
- Anti-Resonanz-Design: kohlenstoffgefülltes Acrylgehäuse und Aluminiumchassis für optimale Steifigkeit und Vibrationsabsorption
Audioleistung
- Auflagekraft: 2,0 g
- Frequenzgang: 15 Hz – 45.000 Hz
- Kanaltrennung: 28 dB
- Kanalgleichheit: < 1 dB
- Abtastfähigkeit: 70 µ / 2,0 g
- Compliance: 8 × 10⁻⁶ cm / dyne
Elektrische Eigenschaften
- Ausgangsspannung: 0,25 mV
- Empfohlene Abschlussimpedanz: 100 Ω
- Innenimpedanz: 3 Ω
- Spulenwicklung: 30 μm reines Kupfer, präzisionsgewickelt
- Reduzierte Spulenmasse: für schnelle Ansprache und bessere Linearität
- Optimierung: Windungszahl und interne Struktur an den MicroLine-Schliff angepasst
Allgemeine Informationen
- Gewicht: 8,1 g
- Empfohlene Einspielzeit: > 40 Stunden
Häufig gestellte Fragen
Ist die Cusis M mit allen Phonovorverstärkern kompatibel?
Nein, sie benötigt einen MC-Phonovorverstärker, der mit der niedrigen Ausgangsspannung von 0,25 mV umgehen kann. Ein Gain von mindestens 60 dB wird empfohlen, mit einer einstellbaren Eingangsimpedanz um 100 Ohm. Normale MM-Phonovorverstärker sind ohne zusätzlichen Übertrager nicht geeignet.
Ist die Einspielzeit von 40 Stunden wirklich nötig?
Ja, in diesem Zeitraum stabilisiert sich die Aufhängung, und die Materialien werden allmählich geschmeidiger. Die Leistung verbessert sich spürbar, insbesondere Dynamik und Definition im Bassbereich. Es ist ratsam, endgültige Einstellungen erst nach Abschluss der Einspielzeit vorzunehmen.
Wie unterscheidet sich die Cusis M von den anderen Modellen der Serie?
Optisch fällt das rauchige, kohlenstoffangereicherte Acrylgehäuse sofort ins Auge und unterscheidet sie von den Modellen E und S aus undurchsichtig schwarzem Acetal. Technisch setzt sie auf eine MicroLine-Nadel (gegenüber elliptisch bei der E, Shibata bei der S), einen Bor-Cantilever und eine niedrigere Ausgangsspannung.
Eignet sich der Tonabnehmer für leichte Tonarme?
Mit einer Compliance von 8 × 10⁻⁶ cm/dyne und einer Masse von 8,1 g passt die Cusis M besser zu Tonarmen mittlerer bis hoher Masse. An einem sehr leichten Arm (unter 10 g effektiver Masse) könnte die Resonanzfrequenz in den Audiobereich rücken und Abtastprobleme verursachen.
- Öko-Beitrag im Verkaufspreis enthalten.
