Auszeichnungen
Pro-Ject Phono Box S3 B : symmetrischer und diskreter Phono-Vorverstärker
Bis vor Kurzem waren symmetrische Verbindungen (balanced) der RS-Serie vorbehalten, der Spitze des Pro-Ject-Katalogs. Mit dem Phono Box S3 B bringt der österreichische Hersteller diese Technologie in seine S3-Serie, übernimmt dabei ein neues, größeres Gehäuse, Bedienelemente an der Front und eine vollständig diskrete Verstärkungsstufe. Das Ergebnis ist ein kompakter MM/MC-Phono-Vorverstärker, hergestellt in der Slowakei, der eine in dieser Preisklasse ungewöhnliche Funktionsvielfalt vereint.
Ein neu konzipiertes Gehäuse aus Stahl und Aluminium
Die Phono Box S3 B übernimmt ein größeres Gehäuse als die Phono Box S3, von der sie abgeleitet ist. Dieses neue Chassis kombiniert eine Stahlstruktur mit Aluminiumplatten und vollständig aus Aluminium gefertigten Tasten. Stahl sorgt für mechanische Steifigkeit, Aluminium für elektromagnetische Abschirmung. Das Ganze wiegt 930 g (ohne externes Netzteil) bei kompakten Abmessungen von 206 × 55 × 153 mm (164 mm einschließlich Anschlüssen). Es werden zwei Ausführungen angeboten: Schwarz oder Silber.
Die Stromversorgung bleibt extern (18 V / 500 mA DC), ein Ansatz, der es ermöglicht, den Transformator vom Audioschaltkreis entfernt zu halten. Der Stromverbrauch im Betrieb beträgt 170 mA bei 18 V und sinkt im Standby auf unter 0,5 W. Nutzer, die noch weiter gehen möchten, können das Pro-Ject Power Box S3 Phono in Betracht ziehen, ein gefiltertes lineares Netzteil, das mit diesem Vorverstärker kompatibel ist.
Das „B“ steht für symmetrisch
Das „B“ im Namen bedeutet „balanced“ (symmetrisch). Das ist die sichtbarste Neuerung im Vergleich zur ursprünglichen Phono Box S3. Der symmetrische Eingang nutzt einen 5-poligen Mini-XLR-Anschluss (ein kompaktes Format, das man bei Pro-Ject-Plattenspielern der B-Serie wie dem X1 B oder dem X2 B findet). Die symmetrischen Ausgänge hingegen erfolgen über ein Paar standardmäßiger XLR-Anschlüsse in voller Größe.
Das Prinzip einer symmetrischen Verbindung beruht auf der Übertragung von zwei identischen Signalen mit entgegengesetzter Phase (ein „heißes“ Signal und ein „kaltes“ Signal). Die Empfangsstufe kann dann die während des Kabelwegs aufgenommene Störung herausrechnen, da diese beide Leiter auf die gleiche Weise beeinflusst. Im Tonstudio ist diese Technik der Standard für Mikrofone und Langstreckenverbindungen.
Eine technische Präzisierung verdient es, erwähnt zu werden: Moving-Coil-Tonabnehmer (MC) sind konstruktionsbedingt symmetrische Wandler, da ihre Spulen die Masseleiter jedes Kanals trennen. Moving-Magnet-Tonabnehmer (MM) hingegen teilen sich eine gemeinsame Masse zwischen den Kanälen, was eine vollständige Nutzung der symmetrischen Verbindung verhindert. Um den Mini-XLR-Eingang voll auszunutzen, muss daher ein MC-Tonabnehmer verwendet werden.
Der unsymmetrische RCA-Eingang bleibt verfügbar, und die Phono Box S3 B unterstützt an diesem Eingang sowohl MM- als auch MC-Tonabnehmer. Es handelt sich um einen Vorverstärker, der mit dem System mitwachsen kann: mit RCA und einem MM-Tonabnehmer beginnen und dann bei einem Upgrade auf symmetrisch mit einem MC-Tonabnehmer wechseln, ohne den Phono-Vorverstärker austauschen zu müssen.
Diskrete Verstärkungsstufe und Dual-Mono-Aufbau
Die Verstärkungsstufe der Phono Box S3 B ist aus Einzelbauteilen aufgebaut (Widerstände, Kondensatoren, Transistoren), ohne integrierte Schaltungen oder Operationsverstärker. Dieses sogenannte „diskrete“ Design ist in der Umsetzung teurer und erfordert eine längere Entwicklungszeit als eine Schaltung auf Basis von Operationsverstärkern, bietet dem Entwickler aber eine feinere Kontrolle über das Verhalten der Schaltung.
Der Aufbau ist Dual Mono: Jeder Kanal verfügt über seine eigene Verstärkungsstufe. In Kombination mit der symmetrischen Struktur verdoppelt diese Topologie die Anzahl der benötigten Verstärkersektionen (zwei Signale pro Kanal, zwei Kanäle). Die Verstärkungsstufe verarbeitet die +- und −-Signale unabhängig voneinander und kombiniert sie dann erneut, bevor sie an die halbpasse RIAA-Entzerrungsstufe weitergegeben werden. Für die XLR-Ausgänge regeneriert eine Symmetrierstufe ein symmetrisches Ausgangssignal mit einem zusätzlichen Gain von 6 dB. Die RCA-Ausgänge, ihrer Natur nach unsymmetrisch, erhalten das Signal direkt von der RIAA-Stufe.
Die veröffentlichten Messwerte bestätigen sehr niedrige Verzerrungswerte: unter 0,001 % THD bei 1 kHz für die MM-Konfiguration und unter 0,005 % bei MC. Der Signal-Rausch-Abstand erreicht 103 dBV (110 dBV A-bewertet) bei MM mit 40 dB Gain und 85 dBV (90 dBV A-bewertet) bei MC mit 60 dB Gain. Die Genauigkeit der RIAA-Kurve wird mit ± 0,3 dB zwischen 20 Hz und 20 kHz angegeben.
Einstellungen an der Front: ein seltener Komfort auf diesem Niveau
Bei den meisten Phono-Vorverstärkern dieser Kategorie erfolgen die Einstellungen für Impedanz, Kapazität und Gain über DIP-Mikroschalter, die unter dem Gehäuse oder auf der Platine angebracht sind. Man muss das Gerät umdrehen, manchmal öffnen, und winzige Schalter blind bedienen. Die Phono Box S3 B bricht mit dieser Gewohnheit, indem sie alle Einstellungen auf die Frontplatte verlegt, wo sie über einfache Drehknöpfe zugänglich sind.
Die Lastoptionen sind umfangreich. Die Eingangsimpedanz lässt sich auf fünf Werte einstellen: 10, 50, 100, 1 000 und 47 000 Ohm. Die Eingangskapazität bietet vier Werte: 50, 150, 300 und 400 pF. Das Gain ist in vier Stufen einstellbar: 40, 45, 60 und 65 dB (zuzüglich 6 dB über die XLR-Ausgänge). Die niedrigen Werte (10 Ohm bei der Impedanz, 50 pF bei der Kapazität) ermöglichen es, bestimmte schwierige Situationen auszugleichen, etwa den Einsatz von Phonokabeln mit hoher Kapazität. Ein Subsonic-Filter bei 20 Hz mit einer Flankensteilheit von 18 dB pro Oktave vervollständigt das Bedienfeld. Dieses Filter dämpft Infraschallfrequenzen, die durch den Verzug von Schallplatten, Tonarmresonanzen oder Pressfehler entstehen, und entlastet den nachgeschalteten Verstärker und die Lautsprecher.
Kompatibilität und Integration
Am Eingang lässt sich die Phono Box S3 B über das Connect it S-Kabel mit 5-poligem Mini-XLR mit Pro-Ject-Plattenspielern der „B“-Serie (X1 B, X2 B, X8 Evolution B unter anderem) verbinden, akzeptiert aber jeden Plattenspieler mit standardmäßigem RCA-Ausgang. Am Ausgang ermöglichen die beiden Anschluss-Paare (RCA und XLR) die Integration in nahezu jedes Hi-Fi-System, egal ob es sich um einen Vollverstärker mit RCA-Eingängen oder um einen Vorverstärker mit symmetrischen Eingängen handelt.
Der Gain-Bereich (40 bis 65 dB, beziehungsweise 71 dB über XLR) deckt den Großteil der am Markt erhältlichen Tonabnehmer ab, von MM mit hohem Ausgangspegel bis hin zu MC mit sehr niedrigem Pegel. Der Ausgangspegel kann an den anderer Quellen im System (CD-Player, Netzwerkplayer) angepasst werden, was Lautstärkesprünge beim Umschalten von einer Quelle zur anderen vermeidet.
Dokumentationen
Englisch
Technische Merkmale
Konstruktion
- Vollständig symmetrische und diskrete Verstärkungsstufe
- Dual-Mono-Architektur
- Verstärkersektion aus Einzelkomponenten aufgebaut, ohne integrierte Schaltkreise
- Kompatibel mit MM- und MC-Tonabnehmern
- Halbpassive RIAA-Entzerrung
- Sehr geringes Rauschen und sehr geringe Verzerrung
- Stahl- und Aluminiumgehäuse mit vollständig aus Aluminium gefertigten Tasten, das eine ausgezeichnete Steifigkeit und optimale Abschirmung gegen Störungen gewährleistet
- Aluminiumgehäuse zum Schutz vor Störungen
Symmetrische Konstruktion
- Symmetrischer 5-poliger Mini-XLR-Eingang
- Symmetrische XLR-Ausgänge
- Vollständig symmetrische und diskrete Verstärkungsstufe
- Symmetrierstufe zur Erzeugung eines symmetrischen Signals für die XLR-Ausgänge
- RCA-Ausgänge direkt von der RIAA-Entzerrungsstufe gespeist
Einstellungen und Bedienung
- Einfache Einstellung der Parameter an der Front
- Möglichkeit, zwei Plattenspieler gleichzeitig anzuschließen
- Unabhängige Speicherung der Einstellungen für jeden Eingang
Elektrische Spezifikationen
- Eingangsimpedanz: 10, 50, 100, 1k, 47k Ohm
- Eingangskapazität: 50, 150, 300, 400 pF
- Verstärkung (+ 6 dB über XLR-Ausgang): 40, 45, 60, 65 dB
- Signal-Rausch-Verhältnis MM (40 dB): 103 dBV, 110 dBV A-bewertet
- Signal-Rausch-Verhältnis MC (60 dB): 85 dBV, 90 dBV A-bewertet
- THD bei 1 kHz: < 0,001 % MM, < 0,005 % MC
- THD (20 Hz - 20 kHz): < 0,008 % MM, < 0,01 % MC
- Genauigkeit der RIAA-Entzerrungskurve: < 0,3 dB / 20 Hz - 20 kHz
- Subsonic-Filter: bei 20 Hz mit einer Flankensteilheit von 18 dB / Oktave
Anschlüsse
- Eingänge: 1 x Mini-XLR 5-polig, 1 x Paar RCA-Buchsen
- Line-Ausgang: 1 x Paar RCA, 1 x Paar XLR
Stromversorgung
- DC-Stromversorgung: 18 V / 500 mA
- Leistungsaufnahme: 18 V / 170 mA DC, < 0,5 W im Standby
Abmessungen und Gewicht
- Abmessungen: 206 x 55 x 153 mm (164 mm mit Anschlüssen)
- Gewicht: 930 g ohne Stromversorgung
Häufig gestellte Fragen
Funktioniert die Phono Box S3 B mit einem MM-Tonabnehmer am symmetrischen Eingang (Mini-XLR)?
Technisch ist die Verbindung möglich, aber MM-Tonabnehmer sind aufgrund ihrer internen Verdrahtung (gemeinsame Masse zwischen den Kanälen) keine symmetrischen Wandler. Der Nutzen der symmetrischen Verbindung wird daher nicht vollständig ausgeschöpft. Für den Einsatz mit einem MM-Tonabnehmer ist der RCA-Eingang die logischere Wahl.
Was ist der Unterschied zur Phono Box S3 (ohne „B“)?
Die Phono Box S3 B ergänzt symmetrische Ein- und Ausgänge (Mini-XLR und XLR), ein größeres Gehäuse aus Stahl und Aluminium, eine vollständig symmetrische und diskrete Verstärkungsstufe sowie die Verlegung aller Einstellungen auf die Front. Das ursprüngliche Modell bot nur RCA-Anschlüsse und Einstellungen per Mikroschalter.
Wird das Mini-XLR-Kabel mit dem Vorverstärker geliefert?
Nein. Das Connect it S-Kabel (5-poliger Mini-XLR auf 5-poliger Mini-XLR) wird von Pro-Ject separat verkauft. Für Plattenspieler mit 5-poligem DIN- oder RCA-Anschluss bietet Pro-Ject weitere Kabel in seiner True Balanced Connection-Serie an.
Kann man die Leistung mit einem besseren externen Netzteil verbessern?
Ja. Das Power Box S3 Phono von Pro-Ject ist ein kompatibles gefiltertes lineares Netzteil, das das originale Steckernetzteil ersetzt. Lineare Netzteile von Drittanbietern, die 18 V DC liefern, können ebenfalls verwendet werden, sofern Anschluss und Polarität eingehalten werden.
Ist das Subsonic-Filter standardmäßig aktiviert?
Nein. Das Filter ist beim Einschalten deaktiviert und wird manuell über die „Subsonic“-Taste an der Front aktiviert. Es wird empfohlen, es zu aktivieren, wenn der Plattenspieler einen hörbaren Verzug aufweist, wenn die abgespielten Schallplatten verzogen sind oder wenn das Lautsprechersystem empfindlich auf sehr tiefe Frequenzen reagiert.
Verfügt die Phono Box S3 B über einen Mono-Modus?
Nein. Das Gerät bietet keinen integrierten Mono-Wahlschalter. Um Mono-Schallplatten mit einem Stereo-Tonabnehmer abzuspielen, muss die Mono-Summierung nachgelagert auf Ebene des Vorverstärkers oder des Verstärkers erfolgen, sofern dieser über diese Funktion verfügt.
- Öko-Beitrag im Verkaufspreis enthalten.






