Astell&Kern Clarus
Übersicht
Drei Wandlerfamilien in einem In-Ear-Gehäuse zusammenzubringen, wobei jede auf den Teil des Spektrums beschränkt ist, den sie am besten wiedergibt: Das ist die Logik der für den Clarus gewählten Tribryd-Konfiguration, dem vierten High-End-Modell der A&ultima-Serie von Astell&Kern. Ein dynamischer Treiber für den Bass, sieben Sonion-Balanced-Armature-Treiber für den Mittelton- und Hochtonbereich, ein MEMS-Hochtöner aus Silizium für den Superhochton, alles koordiniert durch eine Sechs-Wege-Frequenzweiche.
Jede Frequenz erhält ihren Wandler
Die Tribryd-Logik verteilt die Arbeit, anstatt sie auf einem einzigen Schallwandler zu bündeln. Der proprietäre dynamische 9-mm-Treiber übernimmt den Bass, vom tiefsten Bereich bis etwa 500 Hz, unterstützt von zwei Sonion-Armaturen für Oberbass und untere Mitten. Drei weitere Sonion-Armaturen decken den Mitteltonbereich von 500 Hz bis 7 kHz ab, wo Stimmen und der Körper der Instrumente liegen. Oberhalb von 7 kHz teilen sich zwei zusätzliche Armaturen und der MEMS-Hochtöner den Hochtonbereich.
Mehr Wandler garantieren an sich nichts: Je mehr es sind, desto anspruchsvoller wird ihre Abstimmung. Dies ist die Aufgabe der proprietären Sechs-Wege-Frequenzweiche, die jeder Gruppe ihren Frequenzbereich zuweist und die Überlappungen verwaltet, um Phasenkohärenz und tonale Kontinuität zu bewahren. Die Abstimmung zielt auf Neutralität: kein aufgeblähter Bass und kein nach vorn gezogener Hochton, sondern eine Wiedergabe, die der Aufnahme treu bleiben soll. Der Modellname, vom lateinischen „clarus“, macht die Richtung deutlich – oder vielmehr deren Abwesenheit.
Der MEMS-Hochtöner aus Silizium
Der eigentliche interessante Punkt des Clarus liegt im Hochtonbereich. Der MEMS-Hochtöner (mikroelektromechanisches System) basiert auf einer mikrostrukturierten Membran in einem Siliziumchip, gefertigt mit Verfahren aus der Halbleiterindustrie. Daraus ergeben sich zwei praktische Folgen: eine von Exemplar zu Exemplar schwer erreichbare Fertigungskonstanz bei handmontierten Wandlern und eine sehr geringe bewegte Masse, die schnelle Transienten in der obersten Oktave ermöglicht.
Bisher wurde der Superhochton hochwertiger In-Ears oft von elektrostatischen Wandlern übernommen, die zwar effektiv sind, aber viel Spannung benötigen und auf eine spezielle Versorgung angewiesen sind. Der MEMS wird wie der Rest der Kette angesteuert, ohne besondere Stufe. Im Clarus arbeitet er nicht allein: Zwei Sonion-Armaturen begleiten ihn im oberen Frequenzbereich, um den Hochton sauber an den Mittelton anzubinden.
Ein Gehäuse aus gefrästem Aluminium
Das Gehäuse wird aus Aluminium 6061-T6 gefertigt, einer Luftfahrtlegierung, die wegen ihrer Steifigkeit und mechanischen Stabilität gewählt und anschließend silbern eloxiert wurde. Die Front übernimmt das kantige Design von Astell&Kern, mit einer facettierten Oberfläche, die das Licht einfängt. Diese Wahl dient nicht nur dem Stil: Ein steifes Gehäuse begrenzt parasitäre Resonanzen, die die Arbeit der Wandler beeinträchtigen könnten. Die Kabelverbindung erfolgt über den 2-Pin-Standard mit 0,78 mm, der einen Austausch ermöglicht.
Das Effect-Audio-Kabel und die Ohrpassstücke
Das mitgelieferte Kabel ist kein generisches Zubehör. Astell&Kern ließ es von Effect Audio entwickeln, einem taiwanischen Spezialisten für In-Ear-Kabel, auf Basis seines Ares S Lite: vier Leiter aus reinem UP-OCC-Kupfer mit 24-AWG-Querschnitt in Litz-Konfiguration, abgeschlossen mit 2-Pin-Steckern mit 0,78 mm.
Der Kontakt zum Ohr erfolgt über AK × AZLA SednaEarfit SE2000 Ohrpassstücke, geliefert in sechs Größen von SS bis L, aus medizinischem Silikon. Bei einem In-Ear ist das Ohrpassstück kein Detail: Es sorgt für die Abdichtung des Gehörgangs, von der Basswiedergabe und Isolation gegenüber Außengeräuschen direkt abhängen. Sechs Größen bieten ausreichend Spielraum, um den richtigen Sitz zu finden. Das Set wird in einem Saffiano-Lederetui aufbewahrt, ergänzt durch eine Tasche und eine Kabelhalterung.
Den Clarus anschließen und betreiben
Auf dem Papier begnügt sich der Clarus mit wenig: 9,7 Ohm Impedanz und 103,9 dB Empfindlichkeit bei 1 kHz machen ihn zu einer leicht anzutreibenden Last, die ein Musikplayer oder ein kleiner mobiler Wandler mühelos versorgt. Die niedrige Impedanz hat eine Kehrseite: Sie macht den Hörer empfindlich gegenüber der Ausgangsimpedanz der Quelle und ihrem Grundrauschen, sodass ein hörbares Rauschen schnell auf einen minderwertigen Kopfhörerausgang hinweist. Eine Quelle mit niedriger Ausgangsimpedanz und geringem Rauschpegel bietet dem Clarus bessere Bedingungen.
Es ist kein Zufall, dass Astell&Kern ihn auf seinen eigenen Referenzsystemen abgestimmt und mit dem Musikplayer SP4000T eingerichtet hat. Der Clarus bleibt im strengen Sinne ein kabelgebundener In-Ear: keine drahtlose Verbindung, kein Mikrofon und keine Bedienelemente, ein Paar Schallwandler, das auf ein sauberes analoges Signal wartet. Er setzt die mit Zero1 und Zero2, dann Luna eröffnete A&ultima-Serie fort und erhöht die Zahl der Wandler gegenüber seinen Vorgängern weiter.
Technische Daten
Allgemeine Übersicht
- Typ: Premium In-Ear-Monitore (IEM)
- Architektur: Tribrid mit 9 Treibern
- Akustiksysteme: 3 koordinierte Akustiksysteme
- Filterung: proprietäres 6-Wege-Crossover-Netzwerk
Audioleistung
- Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz
- Empfindlichkeit: 103,9 dB SPL bei 1 kHz
- Impedanz: 9,7 Ω bei 1 kHz
Treiberarchitektur
- Gesamtzusammensetzung: 1 dynamischer 9-mm-Treiber, 7 Sonion Balanced Armatures, 1 Silizium-MEMS-Hochtöner
- Bass (20 Hz bis 500 Hz)
- 1 proprietärer dynamischer 9-mm-Treiber
- 2 Sonion Balanced Armatures
- Mitten (500 Hz bis 7 kHz)
- 3 Sonion Balanced Armatures
- Höhen (7 kHz bis 20 kHz)
- 1 Silizium-MEMS-Hochtöner
- 2 Sonion Balanced Armatures
- Crossover: proprietäres 6-Wege-Netzwerk
Gehäuse und Verarbeitung
- Gehäuse: CNC-gefrästes Aluminium 6061-T6
- Oberfläche: silber eloxiertes Aluminium
- Faceplate: CNC-gefrästes Aluminium 6061-T6, silber eloxierte Multifacetten-Oberfläche
- Hörerstecker: 0,78 mm 2-Pin
Kabel
- Modell: AK × Effect Audio Ares S Lite, maßgefertigt
- Leiter: UP-OCC Litz Reinkupfer
- Konfiguration: 4 Leiter, 24 AWG, Doppelgeometrie
- Anschlüsse: 0,78 mm 2-Pin
Ohrstöpsel
- Modell: AK × AZLA SednaEarfit SE2000
- Verfügbare Größen: SS, S, MS, M, ML, L
- Material: KCC medizinisches Silikon
- Außendurchmesser: je nach Größe
- Höhe: 8,8 mm
- Kanülendurchmesser: 7,0 mm
- Innendurchmesser (Bohrung): 3,0 mm
Mitgeliefertes Zubehör
- CLARUS Hörer links und rechts
- Maßgefertigtes Kabel AK × Effect Audio Ares S Lite
- AK × AZLA SednaEarfit SE2000 Ohrstöpsel-Set in 6 Größen
- Saffiano-Ledertasche
- IEM-Beutel
- Kabelhalter
Häufig gestellte Fragen
Kann der Clarus kabellos betrieben werden?
Nein. Es handelt sich um einen kabelgebundenen In-Ear-Kopfhörer ohne Bluetooth, Mikrofon und Bedienelemente. Er benötigt eine Quelle mit Kopfhörerausgang: einen digitalen Audioplayer oder einen mobilen DAC, der an ein Smartphone oder einen Computer angeschlossen ist. Da der 2-Pin-Anschluss Standard ist, bleibt ein handelsübliches drahtloses Adaptionsmodul technisch möglich – allerdings auf Kosten der Qualität, die das Bluetooth-Format mit sich bringt.
Worin unterscheidet sich ein MEMS-Wandler von einem elektrostatischen Hochtöner?
Beide verfolgen dasselbe Ziel: schnelle, weitreichende Höhen, jedoch auf unterschiedlichen Wegen. Die Elektrostatische spannt eine ultradünne Folie zwischen zwei Elektroden und benötigt eine hohe Spannung, die häufig von einem separaten Gehäuse bereitgestellt wird. MEMS ätzt seine Membran in Silizium und wird direkt angesteuert, ohne eigene Stromversorgung, mit einer für mikroelektronische Bauteile typischen Fertigungskonstanz.
Kann das Originalkabel ersetzt werden?
Ja. Der 2-Pin-Anschluss mit 0,78 mm gehört zu den am weitesten verbreiteten Standards bei hochwertigen In-Ears. Das mitgelieferte Effect Audio-Kabel kann daher durch ein anderes Modell ersetzt werden, beispielsweise um den quellenseitigen Anschluss (3,5-mm-Klinke, symmetrischer 4,4-mm-Anschluss) je nach verwendetem Player zu wechseln.
Wofür dienen die sechs Aufsatzgrößen?
Der Sitz des Aufsatzes im Gehörgang bestimmt die Abdichtung und damit sowohl die wahrgenommene Bassmenge als auch die Schalldämmung. Ein zu kleiner Aufsatz lässt Bass entweichen, wodurch die Höhen dominant wirken; ein zu großer wird unbequem. Die sechs Größen der AZLA SE2000, von SS bis L, ermöglichen eine Anpassung dieses Kontakts an die individuelle Anatomie.
Braucht man dafür einen teuren tragbaren Player?
Die hohe Empfindlichkeit und der niedrige Impedanzwert des Clarus ermöglichen es, ihn an nahezu jedem Kopfhörerausgang laut zu betreiben. Die Qualität der Quelle macht sich auf andere Weise bemerkbar: in der Stille zwischen den Tönen, der Sauberkeit des Basses und der Stabilität der Klangbühne. Eine Elektronik mit geringem Rauschen und niedrigem Ausgangsimpedanzwert kommt dem Hörer besser zugute als eine rauschende Quelle – unabhängig von der verfügbaren Leistung.
Ist der Clarus für Bühnenmonitoring geeignet?
Seine In-Ear-Bauform, sein abnehmbares Kabel und seine passive Isolation entsprechen dem, was man von einem Bühnenmonitor erwartet. Seine Abstimmung tendiert jedoch eher zum Referenzhören als zum Monitoring: Er gibt die Aufnahme unverfälscht wieder, ohne die Mittenanhebung, die manche Musiker benötigen, um sich in einem dichten Mix zu hören.
- Öko-Beitrag im Verkaufspreis enthalten.




