Der PH100 von Atoll Electronique ist ein kompakter externer Phonovorverstärker. Er tritt die Nachfolge des Modells P200-SE an und verwendet eine Dual-Mono-Stromversorgung mit zwei separaten Transformatoren. Die Schaltung ist vollständig diskret aufgebaut, ohne Koppelkondensatoren. Er ist kompatibel mit MM-Tonabnehmern (Moving Magnet) und MC-Tonabnehmern (Moving Coil).
Aufbau und Architektur
Der PH100 überrascht zunächst durch seine großzügigen Abmessungen für einen Phonovorverstärker: 320 x 210 x 63 mm bei 2 kg. Diese ungewöhnliche Größe ist kein Design-Gag, sondern resultiert direkt aus konsequenten technischen Entscheidungen. Das in der Bretagne gefertigte Stahlgehäuse beherbergt zwei lineare 3,2-VA-Transformatoren – einen pro Kanal – und realisiert damit bereits in der Stromversorgung eine echte Dual-Mono-Architektur.
Die 4 mm starke Frontplatte aus gebürstetem Aluminium, gefertigt in Lothringen, übertrifft deutlich die üblichen Standards in dieser Preisklasse. Eine einzelne grüne LED, mittig im Atoll-Logo platziert, zeigt die Inbetriebnahme an. Diese optische Schlichtheit steht im Kontrast zur inneren Komplexität: vier separate Spannungsregler, eine gesamte Siebkapazität von 11 280 μF und ein abgeschirmtes Metallabteil, das die Stromversorgung von den Audiostufen trennt.
Die RIAA-Schaltung setzt ausschließlich auf diskrete Bauteile – acht in Klasse A betriebene Transistoren – ganz ohne integrierte Schaltkreise oder Operationsverstärker. Dieser puristische Ansatz, typisch für Atoll, verzichtet im Signalweg vollständig auf Kondensatoren und bewahrt so die Integrität der musikalischen Information.
Technische Vielseitigkeit und RIAA-Präzision
Die Anpassungsfähigkeit des PH100 zählt zu seinen größten Stärken. Zwei Blöcke mit DIP-Mikroschaltern auf der Rückseite erlauben eine kanalweise, unabhängige Konfiguration. Der Eingangs-Widerstand lässt sich zwischen 47 kΩ und 100 kΩ umschalten, während die Eingangskapazität entweder 100 pF oder keine zusätzliche Kapazität bietet.
Die verfügbaren Verstärkungen decken alle Anforderungen ab: 40 dB für MM-Tonabnehmer, 47 dB für MC-Tonabnehmer mit hoher Ausgangsspannung und 60 dB für MC-Tonabnehmer mit niedriger Ausgangsspannung. Dieser große Bereich gewährleistet eine Kompatibilität mit nahezu allen am Markt erhältlichen Tonabnehmern – von Rega Elys bis hin zu den anspruchsvollsten Ortofon MC-Systemen.
Die RIAA-Entzerrung überzeugt mit einer bemerkenswerten Genauigkeit von ±0,1 dB im Bereich von 20 Hz bis 20 kHz. Das Signal-Rausch-Verhältnis von 80 dB bei 1 kHz und die Kanaltrennung von besser als -85 dB zeugen von einer sorgfältigen Konstruktion, bei der jedes Detail zählt. Die gesamte harmonische Verzerrung bleibt mit 0,05 % auf einem hervorragenden Niveau für diese Gerätekategorie.
Entwicklung gegenüber dem P200-SE: spürbare Fortschritte
Der Schritt vom P200-SE zum PH100 markiert einen deutlichen Qualitätssprung. Während der P200-SE auf ein externes Netzteil in einem separaten Gehäuse setzte, integriert der PH100 alles in ein einziges, größeres Chassis. Diese Weiterentwicklung erlaubt den Einsatz von zwei separaten Transformatoren statt nur eines wie bisher.
Anwender des P200-SE berichten übereinstimmend von einer erweiterten Bandbreite, insbesondere im Bassbereich. Die Dynamik gewinnt über den gesamten Frequenzbereich an Homogenität, mit besserer Durchzeichnung der Transienten. Auch der Betriebsgeräuschpegel sinkt, dank verbesserter Abschirmung und optimierter Masseführung.
Die Verstärkungswerte unterscheiden sich leicht: Der P200-SE bot 46 dB und 52 dB für MC-Tonabnehmer, der PH100 hingegen 47 dB und 60 dB. Diese Erhöhung der maximalen Verstärkung verbessert die Kompatibilität mit MC-Systemen mit sehr niedriger Ausgangsspannung und erweitert den Einsatzbereich nochmals deutlich.
Inbetriebnahme und Optimierung
Die Installation des PH100 ist verblüffend unkompliziert. Die Anschlüsse beschränken sich auf einen Cinch-Eingang und -Ausgang sowie eine IEC-Netzbuchse. Separate Masseanschlüsse für jeden Kanal minimieren das Risiko von Masseschleifen – ein häufiges Problem bei der Analogwiedergabe.
Die Einstellungen werden bei ausgeschaltetem Gerät über die auf der Rückseite zugänglichen Mikroschalter vorgenommen. Die mitgelieferte Dokumentation erläutert die Schalterstellungen für jeden Tonabnehmertyp klar und verständlich. Eine Mindest-Einspielzeit von fünf Stunden wird empfohlen, um die optimalen Leistungswerte zu erreichen.
Einige Anwender berichten von deutlichen Verbesserungen durch den Einsatz von Zubehör: audiophile Netzkabel, entkoppelnde Gerätefüße vom Typ SSC Netpoint. Diese Optimierungen sind optional, zeigen aber das Entwicklungspotenzial des PH100.
Die Kompatibilität erstreckt sich auf das gesamte Atoll-Sortiment – von den Einstiegs-Vollverstärkern IN30 bis hin zu Referenzmodellen wie dem IN400. Der PH100 fügt sich ebenso gut in Anlagen anderer Marken ein, wobei seine tonale Neutralität die Kombination mit unterschiedlichsten Komponenten erleichtert.