NAD C658: vernetzter BluOS-Vorverstärker
Drei Geräte in einem einzigen Gehäuse: Der C658 vereint einen hochauflösenden Netzwerkspieler, einen ESS Sabre 32-Bit-D/A-Wandler und einen vollwertigen Stereo-Vorverstärker. NAD ergänzt das Ganze um die Raumkorrektur Dirac Live – ein Novum in der Classic-Serie der kanadischen Marke. Das Gerät ist dank MDC-Steckplätzen zukunftssicher aufgebaut: So lassen sich im Laufe der Zeit neue Funktionen hinzufügen, ohne das Gerät austauschen zu müssen.
Ein ESS-Sabre-DAC als Herzstück
Die Digital-Analog-Wandlung basiert auf einem ESS Sabre 32-Bit-Chip, der Dateien bis 192 kHz/32 Bit verarbeiten kann. Dieser Wandler bietet einen Dynamikumfang von 118 dB und einen Klirrfaktor von weniger als 0,005 %, Werte, die den C658 in seiner Preisklasse zu einer Referenz machen. Das MQA-Decoding wird nativ über das BluOS-Ökosystem unterstützt und ermöglicht den Zugriff auf „Studio Master“-Aufnahmen von Tidal und anderen Streamingdiensten.
Die Lautstärkeregelung erfolgt vollständig im Digitalbereich – mit einer Technologie, die von der NAD-Masters-Serie übernommen wurde. Dieser Ansatz garantiert einen sehr kurzen, unveränderten analogen Signalweg bei jeder gewählten Lautstärke und minimiert so den Auflösungsverlust bei niedrigen Pegeln.
Dirac Live: integrierte Raumkorrektur
Der C658 integriert Dirac Live, ein Korrektursystem, das sowohl den Frequenzgang des Raums als auch das Impulsverhalten der Lautsprecher analysiert. Für die Kalibrierung ist ein Messmikrofon (miniDSP UMIK-1 oder gleichwertig, nicht im Lieferumfang) und die Dirac-Software auf einem Computer erforderlich. Nach Abschluss der Messungen wendet der C658 Korrekturfilter an, die Raummoden abschwächen und das Einschwingverhalten der Lautsprecher optimieren.
Die enthaltene Lizenz entspricht der „Light“-Version von Dirac Live, die auf Frequenzen unterhalb von 500 Hz beschränkt ist. Wer den gesamten hörbaren Frequenzbereich korrigieren möchte, muss die Lizenz „Full Frequency“ separat erwerben. Dieser Unterschied sollte beim Kauf berücksichtigt werden, da die klanglichen Abweichungen zwischen beiden Versionen bei bestimmten Systemen deutlich hörbar sind.
BluOS und Zugang zu Streamingdiensten
Der integrierte Netzwerkspieler nutzt BluOS, die von Lenbrook (Muttergesellschaft von NAD und Bluesound) entwickelte Plattform. Diese Oberfläche bietet Zugang zu rund einem Dutzend Streamingdiensten, darunter Tidal, Qobuz, Spotify, Deezer, Amazon Music und Internetradios. Die zugehörige App für iOS, Android, Windows und macOS dient sowohl als Fernbedienung als auch als Browser für Musiksammlungen.
BluOS unterstützt zudem Dateien, die auf einem NAS oder DLNA-Server gespeichert sind, mit umfassender Kompatibilität zu gängigen Formaten (FLAC, WAV, AIFF, MP3, AAC, OGG, ALAC) sowie Hi-Res-Formaten (DSD, MQA). Darüber hinaus ist die Plattform Roon Ready-zertifiziert, sodass sich der C658 nahtlos in ein vorhandenes Roon-Ökosystem integrieren lässt.
Der C658 kann außerdem als Einspeisepunkt für ein BluOS-Multiroom-System dienen. Er streamt dann zu anderen kompatiblen Geräten (Bluesound Node, Pulse usw.) und kann dabei bis zu 64 Hörzonen unabhängig verwalten.
Bidirektionales Bluetooth und drahtlose Konnektivität
Der aptX HD Bluetooth-Controller arbeitet in beide Richtungen. Im Empfangsbetrieb ermöglicht er das Streaming von Musik von Smartphone, Tablet oder Computer zum C658 in höherer Qualität als Standard-Bluetooth. Im Sendebetrieb kann das Audiosignal an einen kompatiblen Funkkopfhörer übertragen werden – praktisch für nächtliches Hören.
Die Einbindung ins Heimnetzwerk erfolgt über Gigabit-Ethernet oder Dualband-WLAN (802.11a/c/n). NAD empfiehlt die kabelgebundene Verbindung, um bei der Wiedergabe hochauflösender Dateien eine optimale Stabilität sicherzustellen; die drahtlose Verbindung reicht jedoch in den meisten Setups aus.
Eine Anschlussvielfalt zur Zentralisierung aller Quellen
Die Rückseite des C658 beherbergt eine Auswahl an digitalen und analogen Eingängen, mit denen sich alle Quellen einer HiFi-Anlage bündeln lassen. Es stehen zwei koaxiale und zwei optische TOSLINK-Eingänge zur Verfügung, um z. B. einen CD-Player, einen Fernseher oder einen Decoder anzuschließen. Zwei Cinch-Hochpegeleingänge (RCA) ergänzen das Ganze, zusätzlich zu einem Phono-Eingang mit Vorverstärker für MM-Tonabnehmer (Moving Magnet). Vinyl-Liebhaber werden diese Integration schätzen, auch wenn Puristen das Fehlen der Unterstützung für MC-Tonabnehmer (Moving Coil) bemängeln könnten.
Auf der Ausgabeseite bietet der C658 RCA- und XLR-Anschlüsse zum Anschluss einer Endstufe sowie zwei Subwoofer-Ausgänge mit einstellbarer Trennfrequenz. Eine 6,35-mm-Kopfhörerbuchse an der Front ermöglicht den Betrieb kabelgebundener Kopfhörer ohne zusätzliche Geräte.
MDC-Architektur: erweiterbare Möglichkeiten
NAD hat den C658 rund um das eigene Modular Design Construction (MDC) System konzipiert, das zwei Steckplätze für optionale Module bereithält. Das Modul MDC HDM-2 fügt beispielsweise drei HDMI-Eingänge und einen HDMI-Ausgang hinzu, mit Unterstützung von 4K bei 60 Bildern pro Sekunde, HDCP 2.2, ARC und CEC. Diese Erweiterung macht den C658 zu einem audiovisuellen Hub, der die Videosignale einer Wohnzimmereinrichtung (Spielkonsole, TV-Box, Blu-ray-Player) verwaltet und deren Tonspur in Stereo wiedergibt.
Ein weiteres Modul, das MDC USB DSD, ergänzt einen USB-Audio-2-Eingang mit DSD-Unterstützung zum Anschluss eines Computers. NAD aktualisiert das MDC-Modulangebot regelmäßig, was dem C658 eine gewisse Zukunftssicherheit gegenüber technologischen Entwicklungen verleiht.
Hausautomation und Fernsteuerung
Der C658 verfügt über eine RS-232-Schnittstelle sowie 12-V-Trigger-Anschlüsse (Ein- und Ausgang) zur Integration in eine Hausautomationsanlage. Treiber stehen für Systeme von Control4, Crestron, RTI, URC, AMX, Savant, Elan und Lutron zur Verfügung. Der IR-Eingang mit Lernfunktion ermöglicht zudem die Programmierung einer Universalfernbedienung.
Die mitgelieferte Fernbedienung (SR 9) entspricht dem klassischen NAD-Layout, mit einem recht dichten Tastenfeld, das die wichtigsten Funktionen abdeckt. Im Alltag bleibt jedoch die BluOS-App die komfortabelste Steuerungsmöglichkeit.