Der Atoll IN50 Signature liefert 50 Watt pro Kanal an 8 Ohm und löst den IN50 SE ab, mit einem neu konzipierten Netzteil und modularer Erweiterbarkeit. Dieser in Brécey in der Normandie entwickelte und montierte Stereo-Vollverstärker setzt auf eine Topologie mit diskreten Bauteilen und MOS-FET-Transistoren in Class A/B. Hinter seiner 4 mm starken Frontplatte aus gebürstetem Aluminium verbirgt sich eine Elektronik, die von über 25 Jahren kontinuierlicher Optimierung profitiert, während die optionalen Phono- und DAC-Module es ermöglichen, das Gerät an den tatsächlichen Bedarf jeder Anlage anzupassen.
Ein Chassis, das auf Langlebigkeit und Wärmeableitung ausgelegt ist
Der IN50 Signature übernimmt die vom Topmodell IN300 etablierten Designcodes. Seine leicht gewölbte Frontplatte aus 4 mm starkem, gebürstetem Aluminium ist in naturfarbener oder schwarz eloxierter Ausführung erhältlich. Sieben links ausgerichtete Leuchtdioden zeigen die gewählte Quelle an. In der Mitte reagiert das motorisierte ALPS-Lautstärkepotentiometer sowohl auf manuelle Eingaben als auch auf die optionale Fernbedienung. Zwei Sensortasten auf der rechten Seite ermöglichen die Wahl zwischen den Eingängen. Eine 6,35-mm-Kopfhörerbuchse vervollständigt die Front, zusammen mit einem Infrarotempfänger und der Standby-Taste.
Das Chassis aus 1,5 mm starkem Stahlblech folgt einem funktionalen Design: Deckel und Seitenteile sind mit zahlreichen kleinen Öffnungen in konzentrischen Mustern perforiert. Diese Perforationen sind nicht bloß eine ästhetische Entscheidung. Sie organisieren einen natürlichen Luftstrom, der die von den Endstufen erzeugte Wärme abführt, deren Class-A/B-Bias eine konstante Wärmeentwicklung verursacht. Die lamellenförmigen Aluminiumkühlkörper sind für jeden MOS-FET-Transistor einzeln befestigt und vom Hauptchassis entkoppelt, um jegliche Intermodulationseffekte zu vermeiden.
Auf der Rückseite nimmt die Anschlusssektion die gesamte Breite der Rückwand ein. Fünf RCA-Eingänge nehmen analoge Quellen auf: Aux (wird durch eine Phono- oder DAC-Karte ersetzt, falls installiert), CD, Tuner, DVD sowie ein Kassettendeck mit Aufnahmeschleife. Ein sechster Eingang, mit By-Pass bezeichnet, verwandelt das Gerät in eine reine Endstufe, indem er den Vorverstärker überbrückt. Zwei Vorverstärker-RCA-Ausgänge ermöglichen den Anschluss einer externen Endstufe oder eines aktiven Subwoofers. Zwei Paar Lautsprecherklemmen nehmen Lautsprecherkabel auf, während ein 12-V-Triggerausgang das gleichzeitige Einschalten weiterer Geräte steuert. Die IEC-Netzbuchse erlaubt den Austausch des Netzkabels.
Audiophile Topologie ohne Kompromisse beim Netzteil
Ein Blick ins Innere des IN50 Signature offenbart einen dual-monoähnlichen Aufbau, mit Ausnahme des Netztransformators. Dieser toroidale Diemen-Efiter-Transformator mit 170 VA belegt die linke Chassisseite und ist durch die Kühlkörper von den Audiostufen getrennt. Seine toroidale Bauform schirmt das Magnetfeld ab und reduziert elektromagnetische Störungen, die die Leiterplatte beeinflussen könnten. Die Leistung von 170 VA mag bescheiden erscheinen, wurde aber exakt so dimensioniert, dass die Endstufen sicher versorgt werden und die zusätzlichen Anforderungen des motorisierten Potentiometers sowie eventuell installierter Optionskarten kompensiert werden.
Zwei Siebelkos von Nippon Chemi-con mit jeweils 6 800 µF bei 63 V sind in unmittelbarer Nähe zu den Endstufen platziert. Zusammen mit den übrigen Kondensatoren der Schaltung ergibt sich eine Gesamtkapazität von 17 874 µF, die eine Energiereserve bildet, welche Pegelspitzen mühelos abfedert. Diese Gesamtkapazität erklärt, warum der Verstärker seine Basskontrolle selbst an anspruchsvollen Lautsprechern beibehält.
Die Hauptplatine aus Glasfaser-Epoxidharz mit Nickel/Gold-Finish nimmt fast die gesamte Chassisfläche ein. Sie folgt einer diskreten Bauteilkonfiguration: Es kommen keine Operationsverstärker zum Einsatz. Die Eingangs- und Treiberstufen nutzen Bipolartransistoren, während die Ausgangsstufen auf komplementäre MOS-FET-Transistorpaare (International Rectifier IRFP9140N und IRFP140N) setzen, die in Push-Pull-Anordnung und Class A/B betrieben werden. Atoll paart diese Transistoren von Hand, um eine perfekte Symmetrie zwischen beiden Kanälen sicherzustellen und Kreuzverzerrungen zu minimieren.
Vishay-Koppelkondensatoren in MKP-Technologie (metallisierter Polypropylenfilm) begleiten den Signalweg. Diese für ihre Neutralität und Schnelligkeit bekannten Bauteile erhalten die Integrität der musikalischen Transienten. Eine sternförmige Masseführung mit nur einem zentralen Massepunkt verhindert unerwünschte Masseschleifen. Die Quellenwahl erfolgt über Relais, wodurch mechanische Schalter vermieden werden, die zu Verschleiß und Mikrounterbrechungen neigen.
MOS-FET-Ausgangsstufen ohne Memory-Effekt, die spontan reagieren
MOS-FET-Transistoren bilden das Herzstück der Klangphilosophie von Atoll. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bipolartransistoren besitzen MOS-FETs einen hohen Eingangswiderstand und eine bemerkenswerte Linearität über ihren gesamten Arbeitsbereich. Vor allem liefern sie den Strom augenblicklich, ohne die Verzögerung, die für bipolare Übergänge typisch ist. Diese Reaktionsschnelligkeit führt zu einer unmittelbaren Wiedergabe von Einschwingvorgängen, was sich insbesondere bei perkussiven Instrumenten und komplexen Orchesterpassagen bemerkbar macht.
Die Bias-Einstellung in Class A/B stellt einen durchdachten Kompromiss zwischen Wirkungsgrad und Klangqualität dar. In den ersten Watt arbeitet der Verstärker in reinem Class A, in dem jeder Transistor ständig leitet. Jenseits dieser Schwelle schaltet der Verstärker in Class B, wo sich die Transistoren bei der Verstärkung der positiven und negativen Halbwellen abwechseln. Dieser Übergang erfolgt durch eine präzise Einstellung des Ruhestroms ohne wahrnehmbare Diskontinuität. Bei dieser Signature-Generation hat Atoll die Gegenkopplung reduziert und bevorzugt eine intrinsische Linearität der Schaltung anstelle einer übermäßigen Korrektur durch Rückkopplungsschleifen.
Die angegebene Leistung von 50 Watt pro Kanal an 8 Ohm und 70 Watt an 4 Ohm zeigt nur einen Teil der Fähigkeiten des Geräts. Die Impulsleistung von 90 Watt belegt seine Fähigkeit, kurze Pegelspitzen ohne Kompression zu liefern. Die Anstiegszeit von 2,5 Mikrosekunden bestätigt seine Reaktionsfähigkeit gegenüber transienten Signalen. Der Frequenzgang von 5 Hz bis 100 kHz übersteigt den hörbaren Bereich deutlich, während das Signal-Rausch-Verhältnis von 100 dBA für einen sehr ruhigen Hintergrund sorgt. Die harmonische Verzerrung von 0,05 % bei 10 Watt zeugt von der Linearität der Schaltung.
Modulare Erweiterbarkeit, die sich an vorhandene Quellen anpasst
Der IN50 Signature setzt auf ein in dieser Preisklasse seltenes Modularitätskonzept. In seiner Grundkonfiguration arbeitet er als reiner analoger Vollverstärker, der ausschließlich Line-Quellen akzeptiert. Doch zwei Steckplätze auf der Rückseite ermöglichen die Installation optionaler Karten, die seine Fähigkeiten erweitern, ohne den Hauptschaltkreis zu verändern.
Die erste Option betrifft die Wiedergabe von Vinyl-Schallplatten. Zwei Phonokarten sind erhältlich: die P50, die für MM-Tonabnehmer (Moving Magnet) ausgelegt ist, und die P100, die sowohl MM- als auch MC-Systeme (Moving Coil) unterstützt. Letztere bietet drei wählbare Gain-Stufen (40, 42 oder 56 dB), um sich an verschiedene am Markt verfügbare Tonabnehmer anzupassen. Eine Eingangskapazität von 100 pF lässt sich gemäß den Empfehlungen des Tonabnehmerherstellers zu- oder abschalten. Diese Karten ersetzen den Aux-Eingang und können zusammen mit einer Digitalkarte betrieben werden.
Die Digitalkarten tragen dem Siegeszug der Streaming-Quellen Rechnung. Es gibt zwei Versionen. Die Signature-Karte (identisch mit der in den IN200 und IN300 verwendeten) integriert einen AKM-AK4490-Wandler, eine XMOS-USB-Schnittstelle, die PCM bis 384 kHz und DSD128 unterstützt, einen Bluetooth-Empfänger, zwei koaxiale Eingänge und zwei optische Eingänge in 24 Bit/192 kHz. Eine vereinfachte und preisgünstigere Version setzt einen Burr Brown PCM1744-Wandler ein und bietet lediglich vier koaxiale und optische Eingänge in 24 Bit/192 kHz. Diese SPDIF-Karte genügt, um einen Netzwerkspieler, eine Spielekonsole oder einen Fernseher anzuschließen.
Für die Installation einer Karte sind keine Lötarbeiten erforderlich. Der Nutzer entfernt den Deckel, trennt das Flachbandkabel, das den Aux-Eingang mit der Hauptplatine verbindet, steckt die Karte in ihren Steckverbinder und schließt das Gehäuse wieder. Die interne Software erkennt die Präsenz der Karte automatisch und passt das Signalrouting an. Unter macOS und Linux ist für die USB-Verbindung kein Treiber nötig. Windows erfordert einen Treiber, der auf der Atoll-Website verfügbar ist.
Sinnvolle Kombination mit Kompaktlautsprechern und erschwinglichen Standlautsprechern
Die Leistung von 50 Watt an 8 Ohm positioniert den IN50 Signature ideal für Lautsprecher mit einem Wirkungsgrad zwischen 86 und 90 dB. Er harmoniert besonders gut mit Regallautsprechern mit 15- bis 20-cm-Tiefmitteltönern sowie mit mittelgroßen Standlautsprechern, die mit zwei 13- bis 16-cm-Tiefmitteltönern bestückt sind. Dank seines großzügig dimensionierten Netzteils kontrolliert er auch 4-Ohm-Lasten souverän und liefert dann 70 Watt pro Kanal.
Lautsprecher mit Seidenkalotte im Hochton und Polypropylen- oder Zellulosemembranen im Mittel-/Tieftonbereich passen klanglich sehr gut zum Charakter des Verstärkers. Seine Wiedergabe setzt eher auf Fluss und tonale Ausgewogenheit als auf Effekthascherei. Die Bässe reichen tief hinab und bleiben dabei straff, ohne Aufdickung oder Nachschwingen. Der Mitteltonbereich offenbart eine reiche Klangfarbendifferenzierung und Transparenz, die Mixdetails hörbar macht, die üblicherweise verborgen bleiben. Der Hochton bleibt offen und klar, ohne je ins Aggressive zu kippen, selbst bei dichten Orchesterpassagen.
In Räumen von 20 bis 40 m² bewahrt der IN50 Signature eine Autorität und Präsenz, die seine nominelle Leistungsangabe übertreffen. Seine Fähigkeit, sehr kurzfristig hohe Ströme zu liefern, kompensiert das Fehlen extrem hoher Dauerleistungen. Übergänge zwischen intimen Passagen und Fortissimo-Stellen erfolgen ohne hörbare Kompression. Die Bühnenabbildung dehnt sich in Breite und Tiefe aus und erzeugt ein dreidimensionales Klangbild, in dem sich jedes Instrument präzise im Stereopanorama verorten lässt.