Ein Smartphone, einen portablen DAC oder einen Computer mit einem Hi-Fi-Verstärker zu verbinden, setzt voraus, einen Mini-Klinken-Ausgang in einen Stereo-Cinch-Eingang umzuwandeln. Das Big Sur von AudioQuest übernimmt diese Aufgabe mit fünf Metern Kabel – eine Länge, die für Installationen ausreicht, bei denen sich die Quelle in angemessenem Abstand zur Verstärkeranlage befindet. Dieses Modell bildet das obere Ende der Bridges-&-Falls-Serie, direkt unterhalb der Silber-Technologie-Kabel der kalifornischen Marke.
PSC+-Kupfer und massive Leiter
Das Big Sur verwendet Kupfer, das nach dem Perfect Surface Copper+ (PSC+)-Verfahren behandelt wird – eine weiterentwickelte Variante des PSC, das beim Golden Gate zum Einsatz kommt. AudioQuest setzt ein proprietäres Oberflächenverfahren ein, das darauf abzielt, Mikro-Rauhigkeiten des Metalls zu reduzieren. Diese Unregelmäßigkeiten können, selbst wenn sie unsichtbar sind, den Elektronenfluss stören und Artefakte im Audiosignal erzeugen.
Die Leiter sind massiv ausgeführt, nicht mehrdrähtig. Dieser Unterschied ist entscheidend: In einem Kabel mit mehreren Litzen kann jeder Draht sowohl elektrisch als auch magnetisch mit seinen Nachbarn interagieren. Diese Wechselwirkungen erzeugen Verzerrungsphänomene, die ein Massivleiter konstruktionsbedingt vermeidet. Das Big Sur nutzt diesen Grundsatz konsequent über die gesamte Länge von fünf Metern.
Eine Geometrie, die für das unsymmetrische Signal entwickelt wurde
Die meisten Cinch-Kabel für den Massenmarkt verwenden einen einzigen Leiter für Masse und Schirmung. Das Big Sur trennt diese beiden Funktionen dank seiner „asymmetrisch doppeltsymmetrischen“ Geometrie. Der Schirm fängt Funk- und elektromagnetische Störungen auf, während ein eigener Leiter die Rückführung des Signals zur Masse übernimmt. Diese Trennung verringert die Verunreinigung des Signals durch eingefangene Störgeräusche.
Die Impedanz auf der Masseseite ist bewusst niedriger gehalten als auf dem Signalweg. AudioQuest behauptet, dass diese Konfiguration die wahrgenommene Dynamik verbessert, insbesondere bei schnellen Transienten und Passagen mit starkem Kontrast.
Isolierung mit geschäumtem Polyethylen
Das Isoliermaterial, das die Leiter umgibt, spielt eine oft unterschätzte Rolle. Jeder feste Werkstoff, der mit dem Kupfer in Kontakt steht, nimmt einen Teil der elektrischen Energie auf, speichert sie und gibt sie dann mit einer leichten zeitlichen Verzögerung wieder ab. Dieses Phänomen verwischt Mikrodetaillierung und kann zu einem Eindruck von klanglicher „Unschärfe“ führen.
Das Big Sur verwendet geschäumtes Polyethylen (Foamed-PE), ein Material, dessen Struktur Luftblasen enthält. Luft absorbiert nahezu keine Energie, und Polyethylen weist ein Verzerrungsprofil auf, das von Kabelentwicklern als gutartig angesehen wird. Diese Kombination begrenzt die Speicher- und Rückgabe-Effekte von Energie, die bei dichteren Isolatoren stärker ausgeprägt sind.
Anschlüsse aus violettem, vergoldetem Kupfer
Die Mini-Klinken- und Cinch-Stecker des Big Sur werden aus „Purple Copper“ gefertigt, einem hochreinen Kupfer, das AudioQuest seinen höherwertigen Modellen vorbehält. Dieses Metall ersetzt Nickel oder Standard-OFHC, wie sie bei günstigeren Kabeln verwendet werden. Die Stecker werden anschließend vergoldet, um sie vor Oxidation zu schützen und dauerhaft einen stabilen elektrischen Kontakt sicherzustellen.
Die Verbindung zwischen Leiter und Stecker erfolgt über eine Kaltverschweißung (cold-weld). Dieses Verfahren übt hohen mechanischen und elektrischen Druck aus, um die Metalle ohne Verwendung eines zusätzlichen Lötmittels zu verbinden. Das Fehlen einer klassischen Lötstelle (Zinn-Blei oder Silber) eliminiert eine Übergangszone, deren elektrische Eigenschaften sich von denen des Kupfers unterscheiden.
Noise-Dissipation-System
In Wohnumgebungen wimmelt es nur so von Störquellen: WLAN-Router, Telefone, Dimmer, Haushaltsgeräte. Das Big Sur integriert ein NDS (Noise-Dissipation System), das aus Metallschichten und mit Kohlenstoff angereicherten synthetischen Materialien besteht.
Diese mehrschichtige Abschirmung absorbiert und reflektiert Hochfrequenzstörungen, bevor sie die Masseebene des Audioequipments erreichen. Ohne diesen Schutz können eingefangene Störungen die Masse-Referenz modulieren und ein hörbares Grundrauschen einführen – besonders störend bei Quellen mit niedrigem Pegel wie den Kopfhörerausgängen von Smartphones.
Gemeinsamer Mantel für beide Kanäle
Wie alle Kabel der Bridges-&-Falls-Serie fasst das Big Sur den linken und rechten Kanal in einem gemeinsamen, braun-schwarz geflochtenen Mantel zusammen. Diese Konstruktion macht das Kabel dünn und flexibel, sodass es sich leicht hinter einem Möbelstück oder entlang einer Fußleiste verlegen lässt. Der Nachteil dieser Konfiguration: Die Cinch-Stecker liegen nahe beieinander, mit einem Abstand von etwa 7 cm.
Wenn die L- und R-Eingänge Ihres Verstärkers mehr als 8 cm auseinanderliegen, ist die Installation weiterhin möglich, doch das Kabel steht leicht unter Zug. Für Geräte mit sehr weit auseinanderliegenden Anschlüssen empfiehlt AudioQuest seine Serien mit getrennten Manteln (Rivers oder Elements).
Typische Einsatzbereiche
Das Format Mini-Klinke auf Cinch eignet sich für zahlreiche Situationen. Einen portablen DAC wie den FiiO M11 mit einem Sugden-Verstärker verbinden, den Kopfhörerausgang eines MacBook an aktive Lautsprecher anschließen oder einen portablen Audioplayer mit einem Desktop-Kopfhörerverstärker verbinden – in all diesen Anwendungen spielt das Big Sur seine Stärken voll aus.
Das Kabel funktioniert bei Bedarf auch in umgekehrter Richtung (Cinch auf Mini-Klinke), doch AudioQuest gibt durch Pfeile auf dem Kabelmantel eine optimale Flussrichtung an. Diese Orientierung entspricht der Ausrichtung der Abschirmung, die so ausgelegt ist, dass Störungen zur Quelle hin abgeleitet werden.