Laurent
Ausgezeichnete Tonabnehmerzelle, ein echter Mehrwert im Vergleich zur Blue.
Kommentar vom 10. Juni 2025 — Erfahrung vom 12. Dezember 2024
Die Tonabnehmer Ortofon 2MR Black ist ein Moving-Magnet-(MM)-Modell für Plattenspieler mit geringer Einbauhöhe. Sie misst 15 mm in der Höhe, gegenüber 18 mm bei der 2M Standardversion. Ausgestattet ist sie mit einem nackten Shibata-Diamanten auf einem Aluminium-Nadelträger und nutzt einen Vier-Spulen-Motor mit Split-Pole-Pins, eine von Ortofon entwickelte Technologie.
Die Serie 2MR entstand aus einer einfachen, aber entscheidenden Beobachtung: Viele Plattenspieler, insbesondere die des britischen Herstellers Rega, sind mit Tonarmen ausgestattet, deren Höhe fest vorgegeben ist und die keinen vertikalen Abgleich erlauben. Diese Konstruktionsweise ist zwar verbreitet und wird wegen ihrer mechanischen Einfachheit geschätzt, erschwert jedoch die Montage von Tonabnehmern, deren Bauhöhe 15 oder 16 Millimeter überschreitet. Für eine originalgetreue Wiedergabe muss das Gehäuse des Tonabnehmers jedoch streng parallel zur Plattenoberfläche liegen, wenn der Diamant mit der empfohlenen Auflagekraft durch die Rillen gleitet.
Mit ihrer Bauhöhe von 15 Millimetern (gemessen von der Diamantspitze bis zur oberen Gehäusekante) macht die 2MR Black Distanzscheiben überflüssig – jene zusätzlichen Spacer, die zwar nützlich sein können, aber die Präzision bei der Einstellung von Überhang und Zenitwinkel beeinträchtigen können. Das im Vergleich zur 2M Black standard um 3 Millimeter flachere Gehäuse ermöglicht einen optimalen vertikalen Abtastwinkel (VTA), ohne den Tonarm zu modifizieren oder Zubehör hinzuzufügen. Diese Reduktion der Bauhöhe geht mit einer deutlichen Gewichtsersparnis einher: Der Tonabnehmer wiegt nur 6 Gramm, gegenüber 7,2 Gramm bei der Standardversion. Das begünstigt eine optimale Resonanzfrequenz mit den mittelschweren effektiven Massen typischer Rega-Tonarme.
Die Montage gelingt dank nur zweier Schrauben verblüffend einfach, schnell und sicher. Diese Installationsfreundlichkeit geht nicht zulasten der Präzision: Die Justage bleibt so kritisch wie bei jedem High-End-Tonabnehmer – besonders bei einem so ambitionierten Schliff wie dem Shibata.
Im Zentrum der außergewöhnlichen Performance der 2MR Black steht ihr nackter Shibata-Diamant – ein anspruchsvoller Schliff, der ursprünglich in den 1970er-Jahren für die Wiedergabe quadrophonischer Schallplatten entwickelt wurde. Dieser technische Ursprung erklärt seine Fähigkeit, Frequenzen weit über den hörbaren Bereich hinaus abzubilden – eine Eigenschaft, die heute in der High-Fidelity-Wiedergabe moderner Pressungen und audiophiler Reissues voll zur Geltung kommt.
Der Shibata-Schliff zeichnet sich durch seine komplexe, hochpolierte Form aus und bietet eine deutlich vergrößerte Kontaktfläche zu den Rillenflanken. Im Unterschied zu einem herkömmlichen elliptischen Schliff mit zwei Krümmungsradien nutzt der Shibata eine elaborierte Geometrie mit Radien von 6 und 50 Mikrometern (r/R 6/50 μm). Diese Konfiguration ermöglicht eine beispiellose Präzision beim Folgen der Rillenmodulationen, insbesondere in den Hochfrequenzen, wo die feinsten Informationen gespeichert sind.
Die „nackte“ Konstruktion des Diamanten ist ein weiterer großer Vorteil. Statt eines kleinen Diamantfragments, das auf einen Metallstift geklebt ist, handelt es sich um ein einteiliges Diamantelement, das direkt am Nadelträger montiert ist. Dieser Ansatz ist kostenintensiver, technisch jedoch überlegen: Er reduziert die bewegte Masse deutlich und verbessert die Übertragung der Vibrationen von der Rille bis zum Generator. Das Ergebnis sind ein schnelleres Impulsverhalten, geringere Verzerrungen und eine außergewöhnliche Abtastfähigkeit von 80 Mikrometern bei 315 Hz.
Die Lebensdauer des Shibata-Diamanten kann bei sachgemäßer Pflege bis zu 1000 Stunden betragen, wenngleich seine komplexe Form potenziell empfindlicher auf fehlerhafte Einstellungen oder Staub in den Rillen reagiert. Eine systematische Plattenreinigung vor dem Abspielen und eine präzise Justage des Tonabnehmers sind daher essenziell, um seine außergewöhnlichen Qualitäten zu bewahren.
Das Motorsystem der 2MR Black integriert mehrere technische Innovationen, die Ortofon im Laufe seiner jahrzehntelangen Expertise entwickelt und patentiert hat. Im Zentrum steht das Vier-Spulen-System (Quad Coils) in Kombination mit Split-Pole-Pins – eine Ortofon-Erfindung aus den 1980er-Jahren, die seither stetig verfeinert wurde.
Die Split-Pole-Pins sind ein bedeutender Fortschritt im Design von Moving-Magnet-Tonabnehmern. Diese Technologie reduziert die durch Wirbelströme verursachten Verluste in den Hochfrequenzen erheblich – ein physikalisches Phänomen, das normalerweise die Frequenzantwort von MM-Systemen limitiert. Durch die Teilung der Magnetpole und die Verwendung versilberten Kupferdrahts für die Spulen erzielt Ortofon eine lineare Frequenzgangantwort von 20 Hz bis 20 kHz (+2/−0 dB) und erreicht damit ein Niveau, das mit deutlich teureren Moving-Coil-Systemen konkurriert.
Das Vier-Spulen-System verbessert die Kanalbalance und die Stereotrennung signifikant. Mit 26 dB Kanaltrennung bei 1 kHz und 15 dB bei 15 kHz erzeugt die 2MR Black eine präzise, stabile Stereoabbildung, in der sich jedes Instrument im Raum bemerkenswert exakt orten lässt. Die Kanalgleichheit mit einer Abweichung von maximal 1 dB garantiert eine symmetrische, kohärente Musikwiedergabe.
Die Ausgangsspannung von 5 mV ist für einen modernen Tonabnehmer großzügig bemessen und gewährleistet eine optimale Kompatibilität mit der großen Mehrheit der Phono-Vorverstärker für MM am Markt. Der hohe Output begünstigt zudem ein vorteilhaftes Signal-Rausch-Verhältnis und erhält feinste Mikrodetails sowie Raumanteile der Aufnahmen.
Die 2MR Black ist – wie die gesamte 2M-Serie – das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen den Ortofon-Ingenieuren und dem dänischen Industriedesigner Møller Jensen. Der Entwurf ist von den Facetten eines Diamanten inspiriert und schlägt so eine poetische visuelle Brücke zur eigentlichen Funktion des Tonabnehmers. Kantige Linien und das matte Schwarz verleihen ihm eine zurückhaltende Eleganz, die sich nahtlos in die klare Gestaltung moderner Plattenspieler einfügt.
Das Gehäuse wird aus Lexan DMX Piano Black gefertigt, einem Hightech-Polycarbonat mit außergewöhnlicher Steifigkeit bei gleichzeitig minimalen unerwünschten Resonanzen. Diese Materialwahl ist kein Zufall: Die Steifigkeit des Gehäuses spielt eine entscheidende Rolle für die unverfälschte Übertragung der vom Diamanten erfassten Vibrationen, während die innere Dämpfung ungewollte Klangverfärbungen verhindert.
Jeder Tonabnehmer wird in Ortofons Werkstätten in Nakskov, Dänemark, von Hand montiert – dort, wo das Unternehmen seit Jahrzehnten seinen Hauptsitz und seine Produktion unterhält. Die lokale Fertigung ermöglicht eine strenge Qualitätskontrolle in jeder Phase, vom Motoraufbau bis zur finalen Diamantmontage. Die dänischen Techniker, Erben eines Know-hows seit 1918, widmen jedem Detail größte Aufmerksamkeit – der Unterschied zwischen einem guten und einem herausragenden Tonabnehmer.
Einer der größten Vorteile der 2MR-Serie ist ihre vollständige Kompatibilität mit allen Ersatznadeln der 2M-Reihe. Das bietet Nutzern bemerkenswerte Flexibilität und ermöglicht schrittweise Upgrades je nach Bedarf und Budget.
Die 2MR Black akzeptiert selbstverständlich die Standard-Ersatznadel 2M Black, aber auch die Nadeln 2M Bronze und 2M Black LVB 250. Letztere stellt ein besonders interessantes Upgrade dar: mit Bor-Nadelträger und einer Aufhängung mit Kohlenstoffnanoröhren – Technologien, die sonst extrem hochwertigen MC-Systemen vorbehalten sind. Der Wechsel zur LVB-250-Nadel transformiert den Tonabnehmer förmlich: mit höherer Transparenz, explosiverer Dynamik und nochmals gesteigerter Auflösung.
Für Anwender, die unterschiedliche Klangsignaturen erkunden möchten, erstreckt sich die Kompatibilität sogar auf Nadeln der OM- und Super OM-Serien von Ortofon – auch wenn die Kombination optisch ungewohnt wirken mag. Diese Vielseitigkeit erlaubt es, den Tonabnehmer an verschiedene Musikstile oder Aufnahmen anzupassen: vom intimen Jazz mit feinster Nuancenabbildung bis hin zu sinfonischen Orchesterwerken mit grenzenloser Dynamik.
Zu beachten ist, dass zwar alle Nadeln der 2M-Serie physisch kompatibel sind, die optimalen Leistungen jedoch in den vom Hersteller vorgesehenen Kombinationen erzielt werden. Die Bronze- und Black-Nadeln sind darauf ausgelegt, den verbesserten Motor der Bronze- und Black-Gehäuse auszuschöpfen – mit versilbertem Kupferspulendraht und optimierter Konstruktion.
Auch wenn Distanzscheiben es ermöglichen, einen Standardtonabnehmer anzupassen, bringen sie Kompromisse mit sich. Zusätzliches Material zwischen Headshell und Tonabnehmer kann unerwünschte Resonanzen erzeugen und die präzise Justage erschweren. Die 2MR Black eliminiert solche Zwischenlagen und bietet eine direktere mechanische Verbindung – für eine reinere Signalübertragung. Zudem optimiert das reduzierte Gewicht von 6 Gramm die Compliance in Kombination mit Rega-Tonarmen und kann so das Abtastverhalten verbessern und Verzerrungen reduzieren.
Ja, alle Nadeln der 2M-Serie sind vollständig mit den 2MR-Gehäusen kompatibel. Diese vollständige Austauschbarkeit erlaubt es, 2M Black, Bronze oder sogar Black LVB 250 an Ihrem 2MR-Tonabnehmer zu verwenden. Der einzige Unterschied zwischen 2M und 2MR liegt in der Gehäusehöhe; Motor und elektrische Eigenschaften sind identisch.
Die 2MR Bronze nutzt einen Fine-Line-Schliff und bietet bereits exzellente Auflösung. Die 2MR Black mit Shibata-Schliff geht in der Detailgewinnung noch weiter. Der Shibata brilliert besonders bei der Wiedergabe von Hochfrequenzen und Obertönen, schafft mehr Präsenz und Luft um Instrumente und legt subtile Texturen sowie Mikrodynamik besser offen – für ein immersiveres, emotional packenderes Hörerlebnis.
Im Gegensatz zu manchen Tonabnehmern, die bestimmte Genres bevorzugen, zeichnet sich die 2MR Black durch Neutralität und Vielseitigkeit aus. Ihre Fähigkeit, das gesamte Frequenzspektrum originalgetreu wiederzugeben, macht sie gleichermaßen überzeugend beim Streichquartett wie beim Progressive-Rock-Album. Der Shibata-Schliff glänzt bei komplexen Produktionen, in denen Instrumententrennung und Klangfarbenklarheit essenziell sind, veredelt aber ebenso intime Aufnahmen durch die Offenlegung feinster Interpretationsnuancen.
Die 2MR Black funktioniert mit jedem MM-Phono-Vorverstärker mit 47 kΩ Eingangsimpedanz und einer Lastkapazität zwischen 150 und 300 pF. Ihre großzügige Ausgangsspannung von 5 mV sorgt für ausreichenden Pegel bei den meisten Vorstufen. Ein hochwertiger Phonovorverstärker hilft jedoch, das außergewöhnliche Auflösungsvermögen dieses Tonabnehmers voll auszuschöpfen.
Paradoxerweise verteilt der Shibata-Diamant dank seiner größeren Kontaktfläche den Druck besser auf die Rillenflanken und kann den Verschleiß gegenüber einem minderwertigen elliptischen Schliff sogar reduzieren. Entscheidend ist die korrekte Justage: eine passende Auflagekraft (1,5 g) und perfektes Alignment sind essenziell. Ein schlecht eingestellter Shibata kann tatsächlich mehr Schaden anrichten – daher ist eine sorgfältige Installation besonders wichtig.
Laurent
Ausgezeichnete Tonabnehmerzelle, ein echter Mehrwert im Vergleich zur Blue.
Kommentar vom 10. Juni 2025 — Erfahrung vom 12. Dezember 2024