Cyrus Classic AMP
Übersicht
Der Cyrus Classic Amp stellt den Höhepunkt von fast vier Jahrzehnten britischer Expertise in der Entwicklung kompakter HiFi-Verstärker dar. Diese jüngste Iteration eines seit über zehn Jahren im Cyrus-Katalog geführten Modells profitiert von einer kompletten Überarbeitung der internen Schaltungen. Sie übernimmt direkt die technischen Entwicklungen der hochklassigen XR-Serie, behält dabei jedoch das markentypische Halbformat-Gehäuse bei. Mit 91 Watt pro Kanal an 6 Ohm, einer integrierten Phonostufe und einem D/A-Wandler bündelt dieser Verstärker auf 215 mm Breite Funktionen, die üblicherweise auf mehrere separate Geräte verteilt sind.
Konstruktion und Design: die Beständigkeit einer visuellen Signatur
Der Classic Amp führt das druckgegossene Aluminiumgehäuse fort, das Anfang der 1990er-Jahre mit dem Cyrus 3 eingeführt wurde. Diese Bauweise, oft mit der Gehäusetechnik professioneller Kameras verglichen wegen der Verwendung einer Magnesiumlegierung, bietet über die reine Schutzfunktion hinaus mehrere technische Vorteile. Die Struktur fungiert als Wärmesenke für die Ausgangstransistoren und macht voluminöse interne Kühlkörper überflüssig. Die Steifigkeit des Chassis minimiert mechanische Vibrationen, die empfindliche Bauteile beeinträchtigen könnten, während die nicht ferromagnetischen Eigenschaften elektromagnetische Störungen reduzieren.
Die Abmessungen von 75 x 215 x 365 mm mögen in einer HiFi-Welt, in der Geräte üblicherweise eine Standardbreite von 430 mm aufweisen, atypisch erscheinen. Dieses schmale, tiefe Format, von Kennern liebevoll als „Schuhschachtel“ bezeichnet, bringt zwar gewisse Integrationsherausforderungen in klassischen Möbeln mit sich, ermöglicht jedoch, ein komplettes Cyrus-System auf der Hälfte des üblicherweise benötigten Platzes unterzubringen. Das grüne Punktmatrix-Display, obwohl in seinen Abmessungen bescheiden, fügt sich in eine bewusst funktionalistische Ästhetik ein, die die Funktion gegenüber Zierde priorisiert. Die vier Fronttaster und der Drehgeber-Lautstärkeregler bieten eine präzise haptische Bedienung mit einem zufriedenstellenden Klick bei jedem Schritt.
Die matte Schwarzausführung des Gehäuses widersteht dem Zahn der Zeit bemerkenswert gut, wenngleich einige Beobachter anmerken, dass der „Phantom“-Farbton der XR-Serie eine leicht tiefere Schwärze aufweist. Das Gewicht von 6,7 kg mag im Vergleich zu den Schwergewichten der High-Fidelity-Verstärkung moderat wirken, doch die Dichte des Geräts und die Qualität seiner Verarbeitung vermitteln einen beruhigenden Eindruck von Solidität. Dieser minimalistische Ansatz in der physischen Präsentation spiegelt eine Philosophie wider, bei der Ressourcen vorrangig den internen Schaltungen statt kosmetischen Effekten zugutekommen.
Interne Technologien: das technische Erbe der XR-Serie
Die vollständige Neugestaltung des Classic Amp stützt sich auf die Entwicklungen der XR-Serie und überträgt aufwendige technische Lösungen aus einem budgetungebundenen Umfeld in einen zugänglicheren Preisrahmen. Der 304-VA-Ringkerntransformator bildet das Herzstück der Stromversorgung – ein großzügiger Wert für ein Gerät dieser Größe, der sogar die in manchen technischen Unterlagen erwähnten 340 VA übertrifft. Diese Versorgung verfügt über separate Wicklungen für Vorverstärker- und Leistungsendstufen, eine Architektur, die Störeinflüsse zwischen den einzelnen Stufen begrenzt.
Die Ingenieure haben der Schaltungstopologie besondere Aufmerksamkeit gewidmet und sich für ein niederohmiges Design entschieden, das thermische Verluste minimiert. Überdimensionierte Koppelkondensatoren und sorgfältig ausgewählte Puffer-Operationsverstärker tragen dazu bei, die Signalintegrität entlang der gesamten Verstärkungskette zu bewahren. Die Eingangswahl erfolgt über Relais statt über Halbleiterschalter – eine kostspieligere Lösung, die jedoch eine minimale Signalbeeinträchtigung und eine bessere Isolation zwischen den Quellen gewährleistet.
Die Ausgangsstufe verwendet Transistoren der neuesten Generation, die schneller sind als ihre Vorgänger, und ermöglicht so einen erweiterten Frequenzgang von Gleichspannung bis über 50 kHz (-3 dB). Diese Bandbreite, bewusst enger als bei der XR-Serie mit 100 kHz gewählt, erleichtert laut Cyrus die Kombination mit Einstiegslautsprechern, die im Ultraschallbereich mitunter weniger gut kontrolliert sind. Auf eine DC-Servoregelung am Ausgang wird verzichtet, was durch die präzise Bauteilpaarung ermöglicht wird und die Signalverarbeitung beschleunigt.
Die Digitalsektion profitiert von einer eigenen isolierten Schaltnetzteilversorgung, die jegliche potenzielle Beeinflussung der empfindlichen Analogschaltungen eliminiert. Der Wandler, der Signale bis 24 Bit/192 kHz verarbeiten kann, basiert auf den Entwicklungen des Cyrus QXR-DAC. Der Einsatz von Schottky-Dioden in der Gleichrichtung verbessert die Stabilität der Versorgung gegenüber impulsartigen Stromanforderungen, insbesondere bei fordernden dynamischen Passagen.
Konnektivität: bewusst vielseitig im kompakten Format
Die Rückseite des Classic Amp offenbart eine bemerkenswerte Anschlussdichte für ein Gehäuse dieser Größe. Vier Line-Eingänge auf Cinch ermöglichen den Anschluss traditioneller Analogquellen wie Netzwerkspieler, Tuner oder Kassettendeck. Der Phono-Eingang für Moving-Magnet-Tonabnehmer belegt die anhaltende Relevanz der Schallplatte in zeitgenössischen High-Fidelity-Systemen. Diese Phonostufe ist weit mehr als ein kosmetischer Zusatz: Sie setzt auf eine zweistufige aktive Schaltung mit passiver RIAA-Entzerrung und bietet eine Empfindlichkeit von 2,3 mV, die perfekt zu modernen MM-Systemen passt.
Die Digitalsektion stellt zwei koaxiale und zwei optische Toslink-Eingänge bereit und ermöglicht so den direkten Anschluss verschiedenster Digitalquellen: CD-Player, Spielkonsolen, TV-Decoder oder Blu-ray-Player. Das Fehlen eines USB-Eingangs, der bei den teureren i7-XR- und i9-XR-Modellen vorhanden ist, ist eine bewusste Einsparung, die die Preispositionierung des Classic Amp wahrt. Diese Einschränkung beeinträchtigt den Alltagsbetrieb kaum, da die meisten modernen Streamer über kompatible S/PDIF-Ausgänge verfügen.
Die Vorverstärkerausgänge auf Cinch erlauben die Ergänzung um eine externe Endstufe oder die Ansteuerung eines aktiven Subwoofers und machen den Classic Amp zum Vorverstärker, falls der Leistungsbedarf wächst. Die 3,5-mm-Miniklinken-Kopfhörerbuchse, kontrovers auf der Geräterückseite platziert, erschwert zwar den Zugriff, ist jedoch durch die Position des Transformators an der Vorderseite des Chassis erklärbar. Der PSX-R-Port ermöglicht den Anschluss des externen Netzteils PSX-R2 und eröffnet so einen substantiellen Upgrade-Pfad ohne Austausch des Hauptgeräts.
Die Lautsprecherklemmen akzeptieren nun dank Adapter auch Bananenstecker – eine willkommene Weiterentwicklung gegenüber früheren Generationen, die auf Kabelschuhe oder blanke Litze beschränkt waren. Der MC-Bus-Steuerbus erhält die Kompatibilität mit dem Cyrus-Ökosystem aufrecht und erlaubt das gleichzeitige Einschalten mehrerer Geräte der Marke per einfachem Druck auf die Fernbedienung.
Klangeigenschaften: britische Präzision und kontrollierte Musikalität
Die Klangsignatur des Classic Amp steht in der Cyrus-Tradition einer schnellen, detailreichen und rhythmisch mitreißenden Wiedergabe und integriert zugleich die Verfeinerungen der XR-Serie. Die Darstellung überzeugt durch Klarheit und Präzision, mit einer bemerkenswerten Fähigkeit, komplexe Instrumentaltexturen zu entwirren, ohne je in sezierende, emotionslose Analytik abzugleiten. Diese Transparenz geht nicht mit der Härte einher, die früheren Cyrus-6- oder 8-Generationen mitunter nachgesagt wurde; der Classic Amp zeigt eine neue Raffinesse im Umgang mit unterschiedlich qualitätsvollen Aufnahmen.
Die Bühne erstreckt sich weit über die physischen Grenzen hinaus, die die kompakten Gerätemaße vermuten lassen. Breite und Tiefe des stereophonen Abbilds können mit deutlich größeren Verstärkern konkurrieren, wenngleich die absolute Autorität im Bass naturgemäß durch die physischen Limitierungen von Versorgung und Format begrenzt ist. Schnelle Transienten werden mit einer Agilität wiedergegeben, die der Tradition der Marke alle Ehre macht, und subtile dynamische Veränderungen bleiben mit einer Treue erhalten, die die interpretatorischen Absichten der Musiker offenlegt.
Der Tieftonbereich erreicht zwar nicht die brachiale Wucht sehr leistungsstarker Verstärker, überzeugt jedoch mit vorbildlicher Artikulation und Definition. Komplexe Basslinien behalten auch in dichten Passagen ihre Lesbarkeit, während die Textur tiefer Instrumente erkennbar bleibt. Diese Kontrolle reicht bis in den Subbass hinab, wo der Classic Amp souverän die Kontrolle behält, auch wenn die absoluten Schalldruckpegel naturgemäß limitiert sind.
Der Mitteltonbereich, entscheidend für die Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, profitiert von einer klangfarblichen Neutralität ohne bevorzugte Färbungen. Stimmen behalten ihren natürlichen Charakter – vom Timbre einer Männerstimme bis zur Zartheit eines Soprans. Akustische Instrumente, besonders anspruchsvoll in Sachen Tonalität, werden mit einer Realistik wiedergegeben, die die charakteristischen Eigenschaften jedes Instruments erkennen lässt: das Bissige einer Violine, die Rundheit eines Cellos oder der Glanz einer Trompete.
Aufrüstbarkeit: der PSX-R2 als Performance-Katalysator
Das externe Netzteil PSX-R2, angeboten für 1195 Euro, ist weit mehr als nur ein optionales Zubehör. Diese Einheit, deren Grunddesign seit über drei Jahrzehnten im Cyrus-Portfolio präsent ist, integriert die Filterverbesserungen, die für das zum 30. Jubiläum der Marke aufgelegte Anniversary-System entwickelt wurden. Der 300-VA-Ringkerntransformator und die 30.000-µF-Pufferkondensatoren mit geringem ESR gewährleisten eine substanzielle sofortige Stromreserve.
Der Anschluss erfolgt über ein audiophiles XLR-Kabel; die in beiden Geräten integrierte Intelligenz passt Ein- und Ausgangsparameter automatisch an, ohne manuelles Eingreifen. Der PSX-R2 übernimmt die Versorgung der analogen Vorverstärkerstufen und der Post-Conversion-Schaltungen des DAC und entlastet damit die interne Versorgung des Classic Amp, die sich fortan exklusiv auf die Leistungsendstufe konzentrieren kann. Diese Trennung der Versorgungen eliminiert störende Wechselwirkungen zwischen den Sektionen und ist insbesondere bei hohen Stromanforderungen vorteilhaft.
Die durch den PSX-R2 erzielten Verbesserungen zeigen sich in einer deutlich erweiterten Bühne, gesteigerter Mikrodetaillierung und einer ausgeprägteren Dynamik. Der Bass gewinnt an Tiefe und Schlagkraft, das Schlagzeug erhält mehr physische Präsenz, und rhythmische Nuancen treten klarer hervor. Die Reduktion des Grundrauschens offenbart zuvor verdeckte Details – besonders bei akustischen Aufnahmen, in denen die Raumakustik förmlich spürbar wird. Diese Transformation rechtfertigt die Investition für Nutzer, die die letzten Prozentpunkte an Performance suchen, auch wenn der Classic Amp bereits für sich genommen ein bemerkenswert hohes Leistungsniveau bietet.
Technische Daten
Audio-Leistungen
- Ausgangsleistung (2 Kanäle in Betrieb):
- 112 W bei 4 Ω
- 91 W bei 6 Ω
- 70 W bei 8 Ω
- Gesamte harmonische Verzerrung + Rauschen (THD+N) (1 kHz, 2/3 Leistung) 6 Ω: < 0,002 %
- Eingangsempfindlichkeit (91 W / 6 Ω): 225 mV
- Eingangsimpedanz: 28 kΩ
- Maximales Eingangssignal: 2,5 V
- Frequenzgang (-3 dB): < 0,5 Hz, > 50 kHz
- Signal-Rausch-Verhältnis (ungewichtet): > 100 dB
Phono-Stufe
- Eingangsempfindlichkeit (91 W / 6 Ω): 2,3 mV
- Eingangsimpedanz: 47 kΩ
- Maximale Eingangsspannung (1 kHz): 25 mV
- Verstärkung der Phono-Stufe (1 kHz): 80 dB
- RIAA-Toleranz: < 0,5 dB
Anschlüsse
- 4 analoge Line-Eingänge
- 1 Phono-Eingang für Moving-Magnet (MM) Plattenspieler
- 2 digitale Koaxial-Eingänge (RCA)
- 2 digitale optische Eingänge (Toslink)
- Unsymmetrische Vorverstärkerausgänge
- Kopfhörerausgang (3,5 mm Mini-Klinke)
- Anschluss für PSX-R-Stromversorgung
- Port für Firmware-Updates
Physikalische Eigenschaften
- Gehäuse aus gegossenem Aluminium
- Stromverbrauch:
- Im Standby: < 0,5 W
- Maximal: 500 W
- Abmessungen (H × B × T): 75 × 215 × 365 mm
- Gewicht: 6,7 kg
Häufig gestellte Fragen
Ist der Classic Amp mit schwer anzutreibenden Lautsprechern kompatibel?
Mit 112 Watt an 4 Ohm und 70 Watt an 8 Ohm verfügt der Classic Amp über ausreichende Reserven für die meisten Heimanwendungen. Sein Class-AB-Design und seine Fähigkeit zu hohem Impulsstrom ermöglichen den souveränen Umgang mit reaktiven Lasten. Lautsprecher mit besonders hohem Strombedarf oder mit einer Empfindlichkeit unter 85 dB könnten jedoch von einem noch leistungsstärkeren Verstärker profitieren, um hohe Hörpegel zu erreichen.
Worin unterscheidet sich der Classic Amp von den früheren Cyrus 6 und 8?
Der Classic Amp ersetzt die Serien 6 und 8 und vereint beide in einem einzigen Modell. Über die leicht höhere Leistung hinaus (91 W gegenüber 40 W beim 6 und 70 W beim 8) profitiert der Classic von vollständig neu entwickelten Schaltungen, die von der XR-Serie inspiriert sind. Bauteilqualität, Schaltungstopologie und gemessene Performance übertreffen die älteren Generationen deutlich, mit einem Signal-Rausch-Verhältnis von über 100 dB und einem Klirrfaktor unter 0,002 %.
Kann man einen Computer direkt an den Classic Amp anschließen?
Das Fehlen eines USB-Eingangs verhindert eine direkte Verbindung auf diesem Weg. Es gibt jedoch mehrere Lösungen: die optische Ausgabe des Computers nutzen (falls vorhanden), einen externen USB-zu-S/PDIF-Wandler einsetzen oder über einen Netzwerk-Streamer gehen, der als Schnittstelle zwischen Computer und Verstärker dient. Die Cyrus-Modelle i7-XR und i9-XR verfügen über einen nativen USB-Eingang für Anwender, die diese Konnektivität bevorzugen.
Ist der integrierte DAC so gut wie ein externer dedizierter Wandler?
Der 24-Bit/192-kHz-Wandler des Classic Amp, abgeleitet aus den QXR-Entwicklungen, bietet respektable Leistungen, die die meisten Nutzer zufriedenstellen werden. Seine Hauptbeschränkung liegt im fehlenden DSD-Support und im fehlenden MQA-Decoding. Ein hochwertiger externer DAC kann hörbare Verbesserungen bringen, doch der integrierte Wandler ist eine absolut taugliche Lösung für den Einstieg, insbesondere bei Streaming-Diensten, die auf 16 Bit/44,1 kHz begrenzt sind.
- Öko-Beitrag von 1,67 € im Verkaufspreis enthalten.
- GTIN / EAN : 5060020434525




