Cayin C9 II
Übersicht
Der C9 II ist ein tragbarer Verstärker mit Nutube-Gen5-Technologie. Er bietet drei Klangcharakter-Modi statt zwei wie beim Vorgängermodell. Dieser Hybridverstärker aus Röhren und Transistoren liefert im symmetrischen Betrieb eine maximale Leistung von 4,1 W und verfügt über mehrere Betriebsoptionen: drei Verstärkerklassen, einstellbare Anodenspannung und doppelte, voneinander unabhängige Gegenkopplungsschleifen. Er ist mit einem modularen Akku-Tray mit Schnellverschluss und einem vollständig CNC-gefrästen Gehäuse ausgestattet, das für den mobilen Einsatz konzipiert wurde.
Die Nutube-Gen5-Technologie
Der C9 II verwendet zwei Nutube 6P1, entwickelt von Korg und Noritake Itron. Im Gegensatz zu klassischen Röhren setzt die Nutube auf eine Technologie, die den VFD-Anzeigen (Vacuum Fluorescent Display) ähnelt. Es handelt sich um eine direkt beheizte Triode, deren unter 700 mV betriebener Heizfaden Elektronen emittiert, ohne sichtbare Wärme zu erzeugen.
Das Gitter besteht aus einem feinen Gewebe, und die mit Phosphor beschichtete Anode (wie bei einem VFD) leuchtet blau-weiß, wenn Strom fließt – sichtbar durch die ovalen Fenster im Gehäuse. Diese Konstruktion ermöglicht einen sehr niedrigen Stromverbrauch: 12 mW pro Heizfaden und 1,7 mW Anodenverlustleistung, also etwa 2 % der Energie einer herkömmlichen Röhre. Die Nutube beansprucht weniger als 30 % des Volumens einer konventionellen Röhre und kann direkt auf eine hochdichte Leiterplatte montiert werden.
Für den C9 II hat Cayin eine Gen5-Schaltung entwickelt, die die Nutubes in eine dreistufige Verstärker-Topologie integriert, mit Toshiba 2SK209 JFETs als Puffer vor und nach den Röhren. Gegenüber der Gen2-Schaltung des ursprünglichen C9 bietet die Gen5-Generation einen um 5 bis 9 dB erweiterten Dynamikumfang und ein verbessertes Signal-Rausch-Verhältnis.
Drei Klangcharaktere, fünf Variationen
Der C9 II unterscheidet sich vom Originalmodell durch die Einführung eines dritten Klangcharakter-Modus. Während der C9 lediglich Röhre oder Transistor bot, stehen beim C9 II nun drei Optionen über den vorderen Wahlschalter zur Verfügung:
Der Modus Modern führt eine über mehrere Stufen erweiterte negative Gegenkopplungsschleife ein, die die gesamte harmonische Verzerrung deutlich reduziert. Das thermische Rauschen sinkt, die Klangsignatur tendiert zu einem zeitgemäßen Stil mit einem etwas transparenteren Röhrencharakter. Diese Konfiguration greift die Prinzipien der NFB-Schaltung des ursprünglichen C9 auf.
Der Modus Classic wählt einen anderen Ansatz mit einer harmonischen Verteilung, die für traditionelle Röhrenverstärker typisch ist. Das thermische Rauschen tritt stärker hervor, die Wiedergabe wirkt wärmer – in der Tradition des N8-Players. Cayin kommt damit Nutzern entgegen, die fanden, dass dem C9 mitunter jene „Röhrennote“ fehlte, die manche erwarten.
Der Halbleiter-Modus verwendet vier Toshiba 2SK209 JFETs in Klasse A in einer diskreten Schaltung. Diese Option bietet eine präzise und lineare Alternative und erlaubt den Wechsel zu einer analytischeren Signatur, ohne den Cayin-Charakter aufzugeben, der an seiner organischen, körperhaften Darstellung erkennbar ist.
Hinzu kommt eine zentrale Neuerung: die in zwei Stufen (High/Low) einstellbare Anodenspannung. Durch die Änderung der an die Anode der Röhren angelegten Spannung wird deren Arbeitspunkt beeinflusst, was die Audiolinearität verändert und Überlagerung, Spektrum, Amplitude und Verhältnis der zweiten Harmonischen justiert. Diese Funktion gilt ausschließlich für die Röhrenmodi. Das Ergebnis: vier unterschiedliche Varianten des Röhrenklangs (Modern High/Low, Classic High/Low) plus der Transistormodus – insgesamt fünf mögliche Klangfärbungen statt zwei beim C9.
Ein vollständig symmetrischer dreistufiger Verstärker
Cayin hat die Kopfhörerverstärker-Sektion des C9 II komplett überarbeitet. Zwar nutzen beide Generationen eine vollständig diskrete, differenzielle Vierkanal-Schaltung, doch der C9 II setzt auf eine durchgängig symmetrische Topologie mit drei Stufen:
Erste Stufe: Differenzverstärker in Source-Schaltung mit symmetrischen JFETs (LSK489 × 4 + LSJ689 × 4) für den differentiellen Eingang.
Zweite Stufe: Differentieller Spannungsverstärker in Gegentakt mit symmetrischen Bipolartransistoren (BJT) in Kollektorschaltung, verantwortlich für die Spannungsverstärkung.
Dritte Stufe: Stromverstärker in Gegentakt mit symmetrisch parallel geschalteten BJTs (Emitterfolger), der den für die Wandler benötigten Strom liefert.
Diese symmetrische Auslegung gewährleistet optimale Stereo-Trennung und eine präzise Abbildung. Eine integrierte Präzisions-Steuerlogik ermöglicht verschiedene Betriebsmodi: NFB (Negative Feedback) oder LFB (Local Feedback), Klasse A oder Klasse AB, außerdem den neu hinzugefügten Hyper-Modus – jeweils in unsymmetrischer oder symmetrischer Konfiguration.
Die Lautstärkeregelung basiert auf zwei elektronischen MUSES72320V mit 130 diskreten Stufen mittels Widerstandsleiter. Dieser Ansatz bietet höhere Präzision und Reproduzierbarkeit als herkömmliche analoge Potentiometer.
Verstärkermodi und vielseitiger Einsatz
Der C9 II bietet drei wählbare Verstärkerklassen über einen vorderen Schiebeschalter. Die Klasse A hält die Ausgangstransistoren dauerhaft leitend und eliminiert Übernahmeverzerrungen auf Kosten eines höheren Stromverbrauchs. Die Klasse AB schaltet die Transistoren bei kleinen Signalen ab, steigert die Effizienz und bewahrt dennoch eine hohe Klangqualität. Der Hyper-Modus, eine Neuerung des C9 II, erhöht die Versorgungsspannung, um mehr Leistung mit größerer Dynamikreserve bereitzustellen.
Hinzu kommt ein seitlicher NFB-Schalter (Negative Feedback). Ist er aktiviert, wird eine lokale Gegenkopplung auf die Verstärkerschaltung angewendet, was im Vergleich zum Standardmodus einen volleren Klang erzeugt. Diese Funktion lässt sich mit den anderen Einstellungen kombinieren und vervielfacht die Möglichkeiten zur Individualisierung.
Der C9 II arbeitet in zwei Eingangsmodi: LINE (klassischer Line-Eingang) und PRE-AMP (reiner Vorverstärkermodus). Im PRE-AMP-Modus, aktiviert über eine seitliche Taste in Kombination mit dem vorderen Wahlschalter, umgeht der Verstärker die interne Lautstärkeregelung und fungiert ausschließlich als Endstufe – ideal, wenn man die Lautstärke eines digitalen Audio-Players oder eines externen Vorverstärkers nutzen möchte.
Vier Frontbuchsen (zwei Eingänge, zwei Ausgänge) unterstützen 3,5 mm TRS unsymmetrisch und 4,4 mm TRRRS symmetrisch. Ein unsymmetrischer Eingang wird intern automatisch konvertiert, um von der leistungsstarken symmetrischen Verstärkung zu profitieren – ein geschätztes technisches Detail. Die 4,4-mm-Anschlüsse wurden beim C9 II zugunsten geringerer Enge um das Lautstärkerad herum beibehalten, da diese Buchse häufiger verwendet wird.
Laufzeit und modulares Batteriesystem
Der C9 II beherbergt vier zylindrische Samsung INR18650-35E Akkus mit 3400 mAh, in Reihe geschaltet und mit ±8,4 V Direktversorgung ohne DC-DC-Wandlung – ein Ansatz, der die Signalintegrität wahrt. Cayin bevorzugte 18650 gegenüber den neueren 21700-Zellen, nachdem sich zeigte, dass die ±8,4 V-Versorgung durch vier 18650-Akkus für den C9 ideal ist, und konzentrierte die Entwicklungsarbeit stattdessen auf die Optimierung des Energiemanagements.
Das Akku-Tray lässt sich nun über einen Schnellverriegelungsmechanismus auf beiden Seiten lösen – deutlich praktischer als die Inbusschrauben des C9. Anfangs ist etwas Kraft erforderlich, doch das System wird nach einigen Betätigungen leichtgängiger. Haftende Gummiaufkleber liegen zum Schutz der Kontaktflächen bei. Das Tray kann außerdem als eigenständiges 18650-Ladegerät dienen – praktisch für Nutzer mit Ersatzakkus.
Das Laden erfolgt über USB Type-C mit QC3.0- und PD2.0-Kompatibilität (9 V–2 A), die Vollladezeit ist auf 3,5 Stunden reduziert – deutlich schneller als beim ursprünglichen C9. Rückseitige LED-Anzeigen zeigen den Ladezustand an. Die Laufzeit variiert je nach Modus und gewähltem Ausgang erheblich. Im Halbleitermodus Klasse AB über unsymmetrischen Ausgang sind etwa 17,5 Stunden möglich; im röhrenbasierten Modern-Hyper-Modus über symmetrischen Ausgang sinkt sie auf rund 8 Stunden – die stromintensivste Konfiguration. Für lange Hörsitzungen empfiehlt sich ein zusätzliches Akku-Tray.
Cayin rät davon ab, den C9 II während des Ladens zu verwenden – nicht aus technischer Unmöglichkeit, sondern um Masseschleifen zu vermeiden, wenn Verstärker und Quelle mit demselben Ladegerät versorgt werden. Falls die Nutzung dennoch erforderlich ist, sollten getrennte Netzteile verwendet werden. Das Gerät schaltet sich nach vollständiger Ladung bei 100 % automatisch ab – ein Schutzmechanismus, der in den Akkus integriert ist.
Häufige Fragen
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen dem C9 II und dem ursprünglichen C9?
Der C9 II bringt mehrere wesentliche Neuerungen: drei Klangcharakter-Modi statt zwei (Modern, Classic und Halbleiter), eine einstellbare Anodenspannung High/Low mit fünf Klangvarianten statt zwei, einen zusätzlichen Hyper-Modus, einen NFB-Schalter sowie eine Nutube-Gen5-Schaltung mit 5 bis 9 dB größerem Dynamikumfang. Das Gehäuse besteht vollständig aus Aluminium (beim C9 war die Rückseite aus Glas), das Batteriesystem verfügt über einen Schnellverschluss, und das Schnellladen reduziert die Ladezeit auf 3,5 Stunden.
Wie funktioniert die Nutube-Technologie und worin unterscheidet sie sich von klassischen Röhren?
Die Nutube nutzt die Technologie von Vakuum-Fluoreszenzanzeigen statt der traditionellen Röhrenfertigung. Sie verbraucht nur 2 % der Energie einer konventionellen Röhre (12 mW pro Triode für den Heizfaden), benötigt weniger als 30 % des Volumens und erzeugt sehr wenig Wärme. Trotz der anderen Bauweise arbeitet sie wie eine echte direkt geheizte Triode mit Anode, Gitter und Heizfaden und erzeugt die für Röhren typischen Harmonischen. Das sichtbare Leuchten stammt vom Phosphor auf der Anode, ähnlich wie bei VFD-Displays.
Kann man den C9 II mit allen Arten von Kopfhörern und In-Ears verwenden?
Der C9 II eignet sich dank unsymmetrischer (bis zu 1,2 W an 16 Ω) und symmetrischer Ausgänge (bis zu 4,1 W an 16 Ω) sowie des High/Low-Gain-Schalters für eine breite Palette von Wandlern. Empfindliche In-Ears ebenso wie wenig effiziente Planar-Kopfhörer kommen auf ihre Kosten, wobei letztere vom symmetrischen Ausgang stärker profitieren. Hochohmige Kopfhörer (300 Ω) erhalten 320 mW symmetrisch und 80 mW unsymmetrisch. Bei sehr empfindlichen In-Ears kann ein leichtes Rauschen hörbar sein.
Welche Akkulaufzeit ist je nach Modus zu erwarten?
Die Laufzeit liegt je nach Modus und Ausgang zwischen 8 und 17,5 Stunden. Im Halbleitermodus Klasse AB über den unsymmetrischen Ausgang sind etwa 17,5 Stunden möglich, während im röhrenbasierten Modern-Hyper-Modus über den symmetrischen Ausgang etwa 8 Stunden erreicht werden. Die Röhrenmodi verbrauchen mehr als die Transistormodi, und Klasse A mehr als Klasse AB. Ein zusätzliches Akku-Tray ermöglicht unterbrechungsfreies Hören, und das USB-C-Schnellladen bringt das Gerät in 3,5 Stunden wieder auf 100 %.
Lassen sich die Akkus austauschen und können andere 18650-Zellen verwendet werden?
Das Batteriesystem ist vollständig modular. Das Tray wird über seitliche Druckverriegelungen gelöst, sodass die vier mitgelieferten Samsung INR18650-35E Zellen leicht austauschbar sind. Andere leistungsstarke 18650-Akkumarken können verwendet werden; einige Nutzer berichten von subtilen Klangunterschieden je nach gewählten Zellen. Das Tray kann auch als eigenständiges 18650-Ladegerät dienen. Ein zweites Tray mit einem Satz Ersatzakkus verhindert Hörpausen – eines lädt, während das andere den Verstärker versorgt.
Technische Daten
Architektur und Technologie
- Nutube 6P1 ×2: kompakt, energieeffizient, warmer und satter Klang
- Einstellbare Anodenspannung: High / Low zur Anpassung von Timbre und Linearität
- Doppelte, unabhängige Gegenkopplungsschleife:
- Modern (M): detailliert und dynamisch
- Classic (C): warm und musikalisch
- Diskreter Halbleiteraufbau: 4 Toshiba 2SK209 JFET
- Symmetrischer Verstärker: präzise Stereoabbildung, optimale Kanaltrennung
- Modi: Gegenkopplung, Klasse A/AB, Hyper, unsymmetrisch, symmetrisch
Anschlüsse
- Eingänge
- 3,5 mm TRS (unsymmetrisch)
- 4,4 mm TRRRS (symmetrisch)
- Ausgänge
- 3,5 mm TRS (unsymmetrisch)
- 4,4 mm TRRRS (symmetrisch)
- Unsymmetrischer Eingang wird intern gewandelt, um von der leistungsstarken symmetrischen Verstärkung zu profitieren
Komponenten
- Differenzverstärker am Eingang: LSK489 × 4 + LSJ689 JFET × 4
- Elektronische Lautstärkeregelung: MUSES72320V × 2
- Halbleiter-Timbre: 4 × Toshiba 2SK209 JFET für leistungsstarken Konstantstrom
- Unabhängige negative Gegenkopplungsschaltungen zur Feinabstimmung des Röhren-Timbres
Aufbau und Design
- CNC-gefrästes Gehäuse: hochwertige Metalloberfläche, mit VFD-Fenstern zur Sicht auf die Nutubes
- Vergoldeter Potentiometerknopf mit PVD-Beschichtung, CNC-Spiegelpolitur
- Optimierte Kühlung: Graphen-Wärmeplatten und Aluminiumkühlkörper für gleichmäßige Wärmeverteilung
Abmessungen und Gewicht
- Abmessungen: 165 × 88,5 × 30 mm
- Gewicht: 650 g (± 5 g)
Hauptmerkmale
- Nutube Gen5-Schaltung: Doppeltube mit Classic-, Modern- oder Halbleiter-Timbres
- Vollsymmetrischer 3-stufiger Kopfhörerverstärker
- Schnellwechsel-Akkuschlitten: direkte ±8,4 V Versorgung, ohne DC-Wandlung
- Design: industriell, elegant und funktional
- Universelle Kompatibilität: alle Kopfhörer und tragbaren Analog-Anwendungen
Stromversorgung und Laufzeit
- Integrierter Akku: 4 × Samsung INR18650-35E (3400 mAh)
- Laden: USB Type-C (QC3.0 / PD2.0 9 V-2 A)
- Laufzeit je nach Modus und Ausgang
| Modus / Ausgang | 3,5 mm unsymmetrisch | 4,4 mm symmetrisch |
|---|---|---|
| Halbleiter Klasse AB | ca. 17,5 h | ca. 13,5 h |
| Halbleiter Klasse A | ca. 15 h | ca. 10,5 h |
| Halbleiter Hyper | ca. 14,7 h | ca. 10,2 h |
| Röhre Modern Klasse AB | ca. 12,5 h | ca. 9,5 h |
| Röhre Modern Klasse A | ca. 11,5 h | ca. 8,2 h |
| Röhre Modern Hyper | ca. 11,2 h | ca. 8 h |
- Modularer Akkuschlitten: abnehmbar, robust und schnell austauschbar, funktioniert auch als eigenständiges 18650-Ladegerät
- Öko-Beitrag im Verkaufspreis enthalten.
- Herstellerreferenz: CAYC9II
- GTIN / EAN : 6957914912049







