Übersicht
Drei Jahrzehnte Erfahrung in der Ausstattung der anspruchsvollsten Tonstudios haben PMCs Know-how bei der Auslegung von Transmissionlines geprägt. Der britische Hersteller überträgt diese Expertise auf die Prophecy9, das Flaggschiff einer Modellreihe, die Ende 2024 vorgestellt wurde. Diese dreieinhalbwegige Standbox übernimmt die klaren Gestaltungscodes und die akustischen Innovationen der gesamten Serie und bietet zugleich eine ambitioniertere Konfiguration mit zwei Tieftönern und einem dedizierten Mitteltöner.
Eine schlanke Silhouette im Dienste der Wohnraumintegration
Mit 165 mm Breite und einer Höhe von einem Meter beansprucht die Prophecy9 in etwa die gleiche Stellfläche wie ein Regallautsprecher auf Ständer. Diese für eine hochwertige Standbox ungewöhnliche Schlankheit ist das Ergebnis einer technischen Entscheidung: Zwei 125-mm-Tieftöner ersetzen einen einzelnen Treiber mit größerem Durchmesser – eine Konfiguration, die ein schmales Gehäuse erlaubt, ohne auf effektive Membranfläche zu verzichten.
Der obere Teil der Schallwand trägt eine ovale Platte mit matter Nextel-Oberfläche, in der Mittel- und Hochtöner untergebracht sind. Dieses Panel integriert skulpturierte Waveguides, die aus den professionellen Studiomonitoren der Marke stammen. Das Gehäuse steht auf einem massiven Sockel aus stranggepresstem Aluminium, dessen charakteristische Lamellen die Öffnung der Transmissionline bilden. Ein Ring aus natürlichem Kork entkoppelt diesen Sockel mechanisch vom hochverdichteten MDF-Gehäuse und trägt so zur Stabilität bei, ohne auf seitliche Stabilisierungsfüße zurückgreifen zu müssen.
Es stehen drei Ausführungen zur Wahl: natürliches Nussbaumfurnier, schwarzer Nussbaum und mediterrane Eiche. PMC setzt auf Furniere und Lacke mit geringer Umweltbelastung; die mediterrane Eiche wird beispielsweise aus kleinen Holzstücken rekonstruiert statt aus einem durchgehenden Blatt. Vollflächige Frontabdeckungen, die von verdeckten Magneten gehalten werden und mit einem strukturierten schwarzen Stoff bespannt sind, vervollständigen die zurückhaltende Optik, die sich unterschiedlichen Einrichtungsstilen anpasst.
Die ATL-Transmissionline und das LaminairX-Reflexsystem
Das Prinzip der Transmissionline besteht darin, die Rückseite des Tieftöners in einen langen, gefalteten und bedämpften Kanal zu laden, dessen akustische Länge die Resonanzfrequenz bestimmt. Im Gegensatz zu einem klassischen Bassreflex-System, bei dem die Öffnung erst ab einem bestimmten Pegel wirksam wird, sorgt die PMC-Transmissionline für eine gleichbleibend lineare Basswiedergabe unabhängig von der Hörlautstärke.
In der Prophecy9 kommt eine Line mit einer effektiven Länge von 2,57 Metern zum Einsatz, die im patentierten LaminairX-Reflexkanal mündet. Diese Weiterentwicklung des vor rund zehn Jahren eingeführten Laminair-Systems greift auf Prinzipien aus der Fahrzeug-Aerodynamik zurück: Die Lamellen des Aluminiumsockels verwandeln turbulente Luftströme in laminare Strömung, reduzieren die harmonische Verzerrung um nahezu 3 dB und eliminieren Strömungsgeräusche am Port. Der Bass gewinnt an zeitlicher Präzision und Sauberkeit – besonders hörbar bei schnellen Transienten.
Treiber und Frequenzweiche mit Profi-Herkunft
Die beiden 125-mm-Tieftöner verwenden eine Mineralmembran auf einem Druckgusskorb aus Metalllegierung. Ihre Langhub-Sicke (LTXL-Technologie) erlaubt große Auslenkungen bei gleichzeitig linearem Verhalten. Diese Treiber sind konstruktiv eng verwandt mit denen der übrigen Modelle der Prophecy-Serie – eine Wahl, die eine einheitliche Klangfarbe innerhalb der Baureihe sicherstellt.
Der 55-mm-Mitteltöner mit weicher Kalotte stammt direkt aus den PMC-Studiomonitoren. Er arbeitet in einem Frequenzbereich, der frei von Übergängen zwischen Chassis ist; die Übergabefrequenzen liegen bei 600 Hz und 3,2 kHz. Ein Waveguide namens n-Compass, dessen Profil per numerischer Simulation optimiert und anschließend durch Hörtests feinabgestimmt wurde, kontrolliert die Abstrahlung und verbessert die Ankopplung an den Hochtöner.
Dieser wiederum ist eine 27-mm-Softdome-Kalotte mit einem Diffusorgitter, das seine Abstrahlung im Hochtonbereich schrittweise bis auf 180 Grad erweitert. Dadurch vergrößert sich die Hörzone, und die Aufstellung im Raum gestaltet sich flexibler. Die hochordige Passivweiche ist auf einer Leiterplatte mit dicken Kupferbahnen und vergoldeten Durchkontaktierungen aufgebaut und verwendet Luft- und Blechkernspulen, die so angeordnet sind, dass elektromagnetische Wechselwirkungen minimiert werden.
Empfindlichkeit und Verstärkung
Mit einem Wirkungsgrad von 91,5 dB bei 1 Watt/1 Meter weicht die Prophecy9 von der PMC-Tradition ab, die üblicherweise moderatere Wirkungsgrade bevorzugt. Dieser Wert, kombiniert mit einer Nennimpedanz von 4 Ohm und einer gutmütigen Last, eröffnet vielfältige Kombinationsmöglichkeiten. Ein Verstärker mit 30 Watt Ausgangsleistung genügt für moderates Hören in einem mittelgroßen Raum. Leistungsstärkere Elektronik bis 300 Watt schöpft das dynamische Potenzial des Lautsprechers voll aus – insbesondere seine Belastbarkeit, die aus dem Studioeinsatz herrührt.
Der Frequenzgang reicht von 35 Hz bis 20 kHz (–3 dB), eine im Bassbereich weitreichende Wiedergabe, die durch die Länge der Transmissionline ermöglicht wird. Der maximale Spitzenpegel liegt bei 125 dB – eine Reserve, die die unverfälschte Wiedergabe orchestraler Ausbrüche oder Filmsoundtracks ohne Kompression erlaubt.
Integration in Stereo- und Mehrkanal-Systeme
Die Prophecy9 teilt ihre Klangsignatur mit den übrigen Modellen der Serie: dem Kompaktlautsprecher Prophecy1, den Standlautsprechern Prophecy5 und Prophecy7 sowie dem Center-Speaker ProphecyC. Diese Kohärenz erleichtert den Aufbau eines mehrkanaligen Heimkino-Systems, bei dem die Klangfarben von Box zu Box konsistent bleiben. Im Stereobetrieb zeigt sich die Prophecy9 dank der frontseitigen Öffnung des LaminairX-Sockels aufstellungsfreundlich und tolerant gegenüber relativ wandnaher Positionierung.
PMC liefert zu jedem Lautsprecher ein Paar Spikes und einen Satz Parkettschoner. Die Verpackung aus recycelbarem Karton ersetzt die übliche Styropor-Polsterung – ein ökologischer Ansatz, der auf die gesamte Serie ausgeweitet wurde. Die Garantie beträgt zwanzig Jahre, vorausgesetzt, das Produkt wird innerhalb von zehn Tagen nach dem Kauf registriert.
Dokumentationen
Englisch
Technische Daten
Akustische Eigenschaften
- Frequenzgang: 35 Hz – 20 kHz (-3 dB)
- Empfindlichkeit: 91,5 dB SPL bei 1 W in 1 m
- Impedanz: 4 Ω
- Effektive ATL™-Länge: 2,57 m
Treiberbestückung
- Tieftöner: 2 x PMC 12,7 cm / 125 mm LTXL mit Mineralmembran und Druckgusskorb
- Mitteltöner: PMC 5,1 cm / 55 mm Präzisions-Softdome
- Hochtöner: PMC 2,5 cm / 27 mm Softdome
- Übergangsfrequenzen: 0,6 kHz und 3,2 kHz
Verstärkung
- Empfohlene Verstärkerleistung: 30 – 300 W
Anschlüsse
- Eingangsklemmen: ein Paar 4-mm-Anschlussterminals, satiniert vernickelt
Abmessungen und Gewicht
- Höhe: 1030 mm (+ 20 mm mit Spikes)
- Breite: 165 mm
- Tiefe: 360 mm (+ 23 mm Klemmen und + 10 mm Frontgitter)
- Gewicht: 28,1 kg pro Lautsprecher
Häufig gestellte Fragen
Welcher Abstand zur Rückwand wird empfohlen?
Da der LaminairX-Port nach vorne statt nach hinten austritt, verträgt die Prophecy9 eine deutlich wandnähere Aufstellung als die meisten Lautsprecher mit rückwärtigem Bassreflex. Ein Abstand von 20 bis 30 cm ist in der Regel ausreichend und kann je nach Raumakustik und gewünschter Klangauslegung feinjustiert werden.
Ist die Prophecy9 für kleine Räume geeignet?
Ihr linearer Frequenzgang bei geringen Pegeln und die schmale Bauform erlauben den Einsatz in Räumen ab etwa 15 m², sofern frühe Reflexionen unter Kontrolle gebracht werden. In sehr kompakten Räumen kann die Prophecy7 mit einem einzelnen Tieftöner eine besser proportionierte Alternative darstellen.
Welche Lautsprecherkabel sind zu bevorzugen?
Die geringe Impedanz von 4 Ohm spricht für Kabel mit ausreichendem Querschnitt – typischerweise 2,5 mm² oder mehr –, um ohmsche Verluste zu minimieren. Die Qualität des Leitermaterials ist wichtiger als exotische Konstruktionsmerkmale.
- Öko-Beitrag im Verkaufspreis enthalten.








