Übersicht
Der Schweizer Hersteller Piega, seit 1986 in Horgen am Zürichsee ansässig, hat für seine Coax-Gen2-Serie eine Standlautsprecherbox entwickelt, die die für die Marke charakteristische koaxiale Bändchenarchitektur beibehält, jedoch in bislang ungekannten Proportionen. Mit 124 cm Höhe und 63 kg Gewicht behauptet die COAX 811 ihren Status als Flaggschiff einer komplett überarbeiteten Baureihe, die auf der High End 2022 in München vorgestellt wurde.
Ein koaxialer Bändchentreiber, der wie eine Punktschallquelle arbeitet
Das Herz der COAX 811 ist ihr C212+-Modul, ein koaxialer Schallwandler, bei dem der Bändchenhochtöner exakt im Zentrum eines quadratischen Mitteltonbändchens positioniert ist. Diese konzentrische Anordnung sorgt dafür, dass beide Elemente von demselben Punkt im Raum abstrahlen. Konkret bedeutet das: Unabhängig vom Hörplatz, von Höhe oder Entfernung, treffen Mittel- und Hochtonfrequenzen stets phasengleich am Ohr ein. Stimmen – ob gesungen oder gesprochen – behalten eine stabile und kohärente Position innerhalb der Klangbühne.
Die verwendeten Membranen sind 0,02 mm dick – nur wenige Haardicken – und wiegen nur einen Bruchteil eines Gramms. Diese Leichtigkeit ermöglicht eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit auf Transienten. Bei der 811 ist die Fläche des koaxialen Bändchens größer als bei den Modellen 411 und 611 derselben Serie. Der benötigte Hub wird dadurch reduziert, was die dynamischen Fähigkeiten des Wandlers erhöht. Der C212+ übernimmt die Wiedergabe ab 450 Hz und deckt damit den kritischen Bereich der Stimmwiedergabe ab.
Vier 220-mm-Tieftöner, davon zwei als Passivmembranen
Der Bassbereich nutzt vier 220-mm-Treiber, die vom norwegischen Hersteller SEAS nach den Vorgaben von Piega gefertigt werden. Zwei davon sind aktiv und werden vom Verstärker angetrieben. Die beiden anderen arbeiten als Passivmembranen: Sie werden durch den im Gehäuseinneren entstehenden Schalldruck in Bewegung versetzt. Dieses System ermöglicht eine untere Grenzfrequenz von 22 Hz, während der Hub der aktiven Tieftöner begrenzt bleibt. Das Ergebnis: weniger Verzerrungen bei hohen Lautstärken und eine verbesserte Belastbarkeit.
Das Gehäuse ist geschlossen, ohne Bassreflexöffnung. Das Fehlen eines Ports eliminiert Strömungsgeräusche und die zeitlichen Nachschwinger, die mit Bassreflexabstimmungen einhergehen. Der bei dieser Bauweise übliche Nachteil – ein geringerer Wirkungsgrad im Tiefbass – wird hier durch das großzügige Gehäusevolumen und den Beitrag der Passivmembranen kompensiert.
Ein Aluminiumgehäuse unter kontrollierter Spannung
Das nahtlos extrudierte Aluminiumgehäuse ist seit Langem eine Piega-Signatur. Aluminium bietet hohe Steifigkeit bei geringem Gewicht, hat aber einen Nachteil: Es kann wie eine Glocke resonieren. Um dem entgegenzuwirken, hat Piega das TIM2-System (Tension Improve Module, zweite Generation) entwickelt.
Zehn vertikale Schienen, die im Strangpressprofil integriert sind, werden durch vier horizontal angeordnete, aus massivem Aluminium gefertigte Platten zur Mitte der Säule hin gezogen, die beim Zusammenbau von Hand verspannt werden. Das Gehäuse steht damit dauerhaft unter Spannung. Der Unterschied zum TIM der ersten Generation: Das frühere System übte einen Druck nach außen aus, TIM2 hingegen eine Zugkraft nach innen. Dieser Ansatz verbessert die strukturelle Steifigkeit. Im Inneren angebrachte viskoelastische Folien absorbieren verbleibende Resonanzen.
Der Schweizer Architekt Stephan Hürlemann zeichnete die Silhouette der Säule: leicht gewölbte Schallwand, ovales Profil, das sich nach hinten verjüngt. Das Design stammt aus früheren Jahren, wirkt aber kein bisschen angestaubt.
Aufstellung und Verstärkung
Mit 4 Ohm Nennimpedanz und angegebenen 92 dB Wirkungsgrad zeigt sich die COAX 811 in puncto Verstärkerwahl unkompliziert. Piega empfiehlt eine Leistungsspanne von 20 bis 250 W. Ein eher moderater Verstärker kann sie also bereits betreiben, auch wenn Leistungsreserven helfen, ihre dynamischen Fähigkeiten bei hohen Pegeln voll auszuschöpfen.
Der Lautsprecher verfügt über zwei Paar Anschlussklemmen für Bi-Wiring oder Bi-Amping. Für den konventionellen Single-Wire-Betrieb liegen Brücken bei.
Das Gewicht von 63 kg pro Lautsprecher macht das Handling anspruchsvoll, aber für zwei Personen gut machbar. Einmal aufgestellt, trägt die Masse zur Stabilität bei. Die Abdeckungen werden magnetisch befestigt und schließen bündig mit dem Gehäuse ab. Piega liefert ein überdimensioniertes, magnetisches Werkzeug in Form einer Schachfigur mit, um die Gitter zu entfernen, ohne den Stoff zu beschädigen.
Technische Merkmale
Schallwandler und akustisches System
- Koaxialband C212+
- Klare und präzise Höhen und Mitten
- Größere Membranfläche als bei den Coax 411- und 611-Modellen
- Geringerer Hub für höhere Dynamik und bessere Durchzeichnung
- Frequenzabstrahlung stets in Phase für eine präzise räumliche Abbildung
- UHQD-Tieftöner und Basswiedergabe
- 2 aktive 220-mm-Tieftöner
- 2 passive 220-mm-Radiatoren
- Fertigung nach Piega-Spezifikationen durch SEAS
- Kraftvolle, präzise und dynamische Bässe
Gehäuse und Aufbau
- Stranggepresstes Aluminiumgehäuse
- Nahtlose Konstruktion für optimale Steifigkeit
- Effektive Reduzierung unerwünschter Resonanzen
- TIM2-Modul (Spannungsoptimierungsmodul 2)
- System zur Kontrolle der Gehäusespannung
- Reduziert Gehäuseresonanzen für einen reineren Klang
Elektroakustische Spezifikationen
- Typ: 3-Wege-Standlautsprecher
- Empfohlene Verstärkerleistung: 20 – 250 W
- Wirkungsgrad: 92 dB/W/m
- Nennimpedanz: 4 Ω
- Frequenzgang: 22 Hz – 50 kHz
Abmessungen und Gewicht
- Abmessungen (H × B × T): 124 × 29 × 42 cm
- Gewicht: 63 kg
Verfügbare Ausführungen
- Standardausführungen: Silber eloxiertes, gebürstetes Aluminium, Schwarz eloxiertes, gebürstetes Aluminium, Weiß lackiert
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen der COAX 811 und der COAX 711 LTD?
Die 711 LTD gehört zur vorherigen Generation. Die 811 besitzt ein voluminöseres Gehäuse für einen tieferen Bass, das neue TIM2-Modul anstelle des ursprünglichen TIM und das koaxiale Bändchen C212+ mit zusätzlichem Neodym-Magnet über dem Hochtöner. Die 711 bleibt für Liebhaber des klassischen Piega-Klangs im Programm.
Benötigt man einen leistungsstarken Verstärker, um die COAX 811 zu betreiben?
Nicht unbedingt. Der Wirkungsgrad von 92 dB/W/m erlaubt es einem 20-W-Verstärker, einen komfortablen Wohnzimmerschallpegel zu erzeugen. Ein kräftigerer Verstärker ist sinnvoll für hohe Lautstärken, große Räume oder um die dynamischen Reserven des Lautsprechers bei musiktypischen Pegelspitzen auszureizen.
Kann man die COAX 811 in der Nähe einer Rückwand aufstellen?
Piega empfiehlt einen Mindestabstand von 30 bis 40 cm zur Rückwand. Die geschlossene Bauweise und die im Gehäuse integrierte Absorption des rückwärtigen Mittel-/Tieftonanteils machen den Lautsprecher weniger anfällig für Wandreflexionen als viele Bassreflex-Standlautsprecher.
Ist der Lautsprecher mit einem Heimkino-System kompatibel?
Ja. Die COAX Center 211 aus derselben Serie setzt auf ein koaxiales C112+-Bändchen und UHQD-Tieftöner mit identischer Konstruktion, was eine tonale Kohärenz zu den 811-Standlautsprechern sicherstellt. Die Oberflächen und Farben sind in der gesamten Coax-Gen2-Serie identisch verfügbar.
Warum ist der Preis höher als bei Lautsprechern mit konventionellen Kalotten?
Die koaxialen Bändchen werden seit 1986 im Hause Piega gefertigt. Dieser proprietäre Schallwandler, kombiniert mit Schweizer Fertigung, extrudiertem Aluminiumgehäuse und der manuellen Montage mit individueller Abstimmung jedes einzelnen Lautsprechers, erklärt die entsprechende Preispositionierung.
Welche Einspielzeit ist zu erwarten?
Piega nennt keinen offiziellen Zeitraum. Da die Bändchen extrem leicht sind, erreichen sie ihr Nennverhalten sehr schnell. In der Regel genügen einige Dutzend Betriebsstunden, damit sich die Sicken der Tieftöner ausreichend einspielen.
- Öko-Beitrag im Verkaufspreis enthalten.
- Herstellerreferenz: 692486









