SPL Crossover Mk2: vollständig analoge Aktivfilterung
Die Integration eines Subwoofers in eine vollständig analoge High-End-Kette wirft ein konkretes Problem auf: Fast alle Filter auf dem Markt erzwingen eine digitale Wandlung. Innerhalb einer analogen Kette wieder ins Digitale zu wechseln, bedeutet, einen Teil dessen zu opfern, was man bewahren wollte. SPL geht mit einem Stereo-Aktivfilter für zwei Wege den umgekehrten Weg: Es trennt die Frequenzen, ohne jemals den digitalen Bereich zu berühren, und sein Einsatzbereich reicht weit über die Bassunterstützung hinaus.
Frequenzen trennen, ohne den digitalen Weg zu nehmen
Ein Aktivfilter greift vor den Endverstärkern ein: Er teilt das Line-Signal in zwei Frequenzbänder auf und leitet jedes davon an seine Verstärkerstufe weiter. Der Crossover Mk2 ist in zwei unabhängige Sektionen gegliedert. Die Tiefpasssektion versorgt den oder die Subwoofer, die Hochpasssektion speist die Hauptlautsprecher. Jede verfügt über eine eigene Trennfrequenz, die separat zwischen 20 Hz und 3,6 kHz einstellbar ist.
Der Vorteil, alles analog zu halten, beruht auf einer einfachen Überlegung. In einem High-End-System durchläuft das Signal von Anfang bis Ende keine Wandlung. Einen Digitalfilter einzufügen bedeutet, eine Analog-Digital- und anschließend eine Digital-Analog-Wandlung hinzuzufügen, obwohl man genau diese Art von Schritt ausgeschlossen hatte. Der Crossover Mk2 verarbeitet das Signal spannungsbasiert, ohne Taktgeber und ohne Wandler, und hält die Kette durchgehend analog. Diese Lösung setzt einen Einschleifpunkt zwischen Vorverstärker und Endverstärker oder einen Vorverstärkerausgang voraus.
Die VOLTAiR-Technologie und ihre 120 Volt
Die Bezeichnung VOLTAiR steht für die gemeinsame elektronische Basis der Geräte aus SPLs Professional-Fidelity-Reihe. Das Prinzip: Die Audioschaltungen arbeiten mit einer Betriebsspannung von 120 Volt, aufgeteilt in ±60 V, während klassische Operationsverstärker mit etwa ±15 V arbeiten. Diese Spannung vervierfacht die verfügbare Reserve vor dem Clipping. SPL gibt rund 12 dB zusätzliche Dynamikreserve gegenüber einer ±15-V-Schaltung an.
Eine solche Spannung würde Standardkomponenten zerstören. SPL hat daher eigene Operationsverstärker entwickelt, die 120V SUPRA, welche diese ±60 V verkraften. Das Ergebnis zeigt sich in den Messwerten: 0,0008 % harmonische Verzerrungen am Hochpassausgang, 138 dB Dynamikbereich, Frequenzgang von 10 Hz bis 100 kHz bei -3 dB. Die Bezeichnung kann gelegentlich verwirren: Diese 120 Volt haben nichts mit der Netzspannung zu tun, sondern betreffen ausschließlich die interne Signalverarbeitung.
Achtzehn Trennfrequenzen und zwei Flankensteilheiten
Die Frequenzeinstellung erfolgt über zwei Wahlschalter. Der erste, X-FREQ, wählt einen von drei Arbeitsbereichen: 50 bis 120 Hz, 300 bis 720 Hz oder 1,5 bis 3,6 kHz. Der zweite, X-OVER, wählt einen von sechs Werten innerhalb des gewählten Bereichs. Die Kombination ergibt achtzehn Trennpunkte, die für Tiefpass und Hochpass unabhängig voneinander einstellbar sind.
Diese Werte sind gerastert und nicht stufenlos: Man wählt aus einem Raster, statt ein Potentiometer frei zu drehen. Dafür lässt sich jede Position von einer Sitzung zur nächsten exakt wiederfinden. Die Flankensteilheit kann in jeder der beiden Sektionen zwischen 12 und 24 dB pro Oktave umgeschaltet werden. Eine flache Steilheit (12 dB) lässt die beiden Wege stärker überlappen und mildert den Übergang; eine steile Flanke (24 dB) trennt den Bass deutlicher vom Rest, allerdings um den Preis einer ausgeprägteren Phasendrehung rund um den Trennpunkt.
Ein bei 20 Hz fest eingestellter Subsonic-Filter ergänzt das Ganze. Er befreit beide Wege von unhörbaren Frequenzen unterhalb dieser Schwelle, sodass der Verstärker keine Leistung für störende Infraschallanteile aufwenden muss und die Lautsprecher entlastet werden.
Den Bass mit den Hauptlautsprechern abstimmen
Damit Subwoofer und Hauptlautsprecher zusammenarbeiten, müssen ihre Signale phasengleich am Ohr eintreffen. Der Crossover Mk2 bietet eine stufenlose Phaseneinstellung über 360°. Ein Dreifachschalter legt die Drehrichtung fest: im einen Fall von 0° bis 180°, im anderen von 0° bis -180°; das Potentiometer stellt anschließend den exakten Wert ein. Dritte Position: aus, wodurch die Phasenschaltung vollständig aus dem Signalweg verschwindet.
Der Basspegel lässt sich über ein Alps-RK27-Potentiometer von -10 bis +10 dB einstellen. Diese Einstellung dient in erster Linie dazu, den Subwoofer an die Lautsprecher anzupassen, kann jedoch ebenso genutzt werden, um eine bassarme Aufnahme voller wirken zu lassen.
Der Tiefpassausgang arbeitet mono oder stereo. Im Monobetrieb summiert der Filter beide Kanäle und versorgt einen einzelnen Subwoofer; im Stereobetrieb steuert er zwei separate Subwoofer an, einen pro Kanal. Und wenn die Hauptlautsprecher lieber im Vollbereich laufen sollen, lässt sich der Hochpass deaktivieren und gibt den Hauptwegen das gesamte Spektrum zurück.
Die Verbesserungen des Mk2 gegenüber der Originalversion
Die erste Version des SPL-Filters war auf den Bereich von 50 bis 120 Hz mit sechs Positionen und einer fest auf 24 dB pro Oktave eingestellten Tiefpassflanke beschränkt. Ihr Einsatz war auf die Anbindung eines Subwoofers an Breitbandlautsprecher begrenzt. Der Mk2 erweitert die Trennfrequenz bis auf 3,6 kHz und erhöht die Anzahl der Frequenzen von sechs auf achtzehn.
Dieser erweiterte Bereich verändert die Bestimmung des Crossover Mk2. Bis 3,6 kHz hinaufzugehen ermöglicht die Trennung von Bass und Mittel-Hochton und somit eine Bi-Amping-Konfiguration von Lautsprechern, nicht nur die Ergänzung eines bestehenden Systems um einen Subwoofer. Beide Flankensteilheiten lassen sich nun pro Sektion umschalten, und die Phaseneinstellung erhält ihren Dreifachschalter. Der Mk2 verzichtet hingegen auf die zwei mechanischen VU-Meter der Originalversion: Die Entscheidung fällt zugunsten eines größeren Einstellbereichs statt einer visuellen Pegelanzeige.
Symmetrische Anschlüsse und deutsche Fertigung
Jeder Ein- und Ausgang ist in zwei Formaten vorhanden: symmetrisch über XLR und unsymmetrisch über RCA, jeweils vergoldet. Ein Wahlschalter wählt den aktiven Eingang, XLR oder RCA, während die Ausgänge das Signal gleichzeitig über beide Anschlüsse ausgeben. Dadurch sind unabhängig von der übrigen Installation keine Adapter erforderlich. Die symmetrische Verbindung bietet eine Gleichtaktunterdrückung von 82 dB, was bei langen Kabelwegen oder in elektrisch belasteten Umgebungen hilfreich ist.
Der AMP-CTL-Anschluss ermöglicht eine 12-V-Triggersteuerung. Er versetzt bis zu vier kompatible Geräte gleichzeitig mit dem Crossover Mk2 in den Standby-Modus oder weckt sie auf; der Filter selbst kann von einem SPL-Vorverstärker wie dem Director Mk2, dem Elector oder dem Phonitor x gesteuert werden. Im Standby liegt der Stromverbrauch unter 0,3 W.
Bei der Fertigung montiert SPL den Crossover Mk2 in seinem deutschen Werk in Niederkrüchten. Die empfindlichen Komponenten werden in Durchsteckmontage auf der Leiterplatte verlötet statt oberflächenmontiert, eine Wahl, die Spielraum lässt, jedes Bauteil nach Gehör auszuwählen. Das Netzteil ist linear aufgebaut und verfügt über einen geschirmten Ringkerntransformator. Das Gehäuse misst 278 × 100 × 300 mm bei 4,6 kg und ist in Schwarz, Rot oder Silber erhältlich.
Dokumentationen
Englisch
Technische Daten
Allgemeine Beschreibung
- Analoge aktive 2-Wege-Stereo-Frequenzweiche
- Zweite Generation der SPL Crossover
- Entwickelt für die Integration von Subwoofern und Mehrverstärkersystemen
- Proprietäre SPL VOLTAiR 120-V-Technologie
- Herstellung: Deutschland
Highlights
- Hochwertige analoge Filterung ohne digitale Wandlung
- Unabhängige Trennfrequenzen für die Low-Pass- und High-Pass-Sektionen
- 18 wählbare Trennfrequenzen
- Umschaltbare Filtersteilheit: 12 oder 24 dB / Oktave
- Tiefpassfilter (Low Cut) bei 20 Hz
- Variabler Phasenregler über 360°
- Low-Pass-Betrieb in Mono oder Stereo
- High-Pass-Filter deaktivierbar
- Subwoofer-Pegelregelung von -10 bis +10 dB
- Symmetrische XLR- und unsymmetrische RCA-Ein- und Ausgänge
- RCA- und XLR-Ausgänge gleichzeitig aktiv
- 12-V-Trigger-Steuerung (AMP CTL)
Trennfrequenzen
- Unabhängige Einstellung für Low Pass und High Pass
- 18 verfügbare Frequenzen:
- 50 / 60 / 70 / 85 / 100 / 120 Hz
- 300 / 360 / 420 / 510 / 600 / 720 Hz
- 1,5 / 1,8 / 2,1 / 2,6 / 3 / 3,6 kHz
- 3-Positionen-X-FREQ-Bereichswahlschalter
- 6-Positionen-X-OVER-Wahlschalter
Einstellungen
- Filtersteilheit:
- 12 dB / Oktave
- 24 dB / Oktave
- Tiefpassfilter (Low Cut): 20 Hz
- Phaseneinstellung:
- Variabel von 0° bis 180°
- Variabel von 0° bis -180°
- Phasenschaltung deaktivierbar
- Low-Pass-Ausgang:
- Mono
- Stereo
- High-Pass-Filter aktivierbar oder deaktivierbar
- Basspegelregelung: -10 dB bis +10 dB
Audioleistung
- Maximaler Eingangs- / Ausgangsverstärkungsfaktor: 32,5 dB
- Frequenzgang (-3 dB): 10 Hz – 100 kHz
- Harmonische Verzerrung:
- 0,0008 % (0 dBu, 1 kHz, High Pass)
- 0,0009 % (0 dBu, 30 Hz, Low Pass)
- Übersprechen (1 kHz): -70 dB
- Signal-Rausch-Abstand (A-bewertet):
- -106 dBu (High Pass)
- -105 dBu (Low Pass)
- Dynamikbereich:
- 138 dB (High Pass)
- 137 dB (Low Pass)
- Gleichtaktunterdrückung (XLR): 82 dB
- Ausgangsimpedanz: 75 Ω
Anschlüsse
- Eingänge:
- 1 symmetrisches XLR-Paar
- 1 unsymmetrisches RCA-Paar
- Ausgänge:
- High Pass XLR
- High Pass RCA
- Low Pass XLR
- Low Pass RCA
- XLR- / RCA-Eingangswahlschalter
- AMP CTL In Trigger-Eingang (12 V)
- AMP CTL Out Trigger-Ausgang (12 V)
Stromversorgung
- Lineares Netzteil mit geschirmtem Ringkerntransformator
- Analoge Spannung: ±60 V
- Versorgung für Relais und LED: +12 V
- Netzspannung:
- 230 V AC / 50 Hz
- 115 V AC / 60 Hz
- Sicherung 230 V: T 0,5 A
- Sicherung 115 V: T 1 A
- Maximale Leistungsaufnahme: 50 VA
- Leistungsaufnahme im Standby: < 0,3 W
Abmessungen und Gewicht
- Abmessungen (B × H × T): 278 × 100 × 300 mm
- Nettogewicht: 4,6 kg
- Gewicht mit Verpackung: 5,85 kg
Häufig gestellte Fragen
Wo wird der Crossover Mk2 in einer Anlage eingesetzt?
Er wird auf Line-Pegel zwischen Vorverstärker und Endstufen angeschlossen. Daher benötigt man auf der einen Seite einen Vorverstärkerausgang und auf der anderen Seite separate Endstufen oder einen Einschleifpunkt an einer Vorverstärker-/Endstufenkombination. Ein Vollverstärker ohne Vorverstärkerausgang und Endstufeneingang ermöglicht kein Zwischenschalten.
Eignet es sich nur für den Anschluss eines Subwoofers oder auch für die Bi-Amping-Verkabelung von Lautsprechern?
Beides. Solange die Trennfrequenz im verfügbaren Bereich bis 3,6 kHz liegt, kann er den Bass vom Mittel-Hochtonbereich eines Lautsprechers trennen und zwei separate Verstärker versorgen. Das unterscheidet ihn von einem einfachen Subwoofer-Filter: Er ermöglicht auch eine Zwei-Wege-Trennung höher im Frequenzspektrum.
Fehlt es den achtzehn festen Frequenzen gegenüber einem digitalen Filter nicht an Feinheit?
Ein digitaler Filter erlaubt theoretisch jeden beliebigen Wert auf das Hz genau, während der Crossover Mk2 ein Raster aus achtzehn Punkten vorgibt. In der Praxis bleibt der Abstand zwischen zwei benachbarten Werten gering, und die gerasterten Positionen lassen sich von einer Sitzung zur nächsten identisch wiederfinden. Der Kompromiss liegt zwischen der absoluten Präzision des Digitalen und einem zu 100 % analogen Signalweg.
Sollte man eine Flankensteilheit von 12 oder 24 dB pro Oktave wählen?
Das hängt von der gewünschten Überlappung zwischen den Wegen ab. Eine Flankensteilheit von 12 dB lässt die beiden Lautsprecher über einen größeren Bereich überlappen, was den Übergang weicher macht und einen etwas versetzten Subwoofer verzeiht. Eine Flankensteilheit von 24 dB trennt die einzelnen Wege deutlicher, erfordert jedoch eine präzisere Phasenabstimmung rund um die Trennfrequenz. Gehör und Messung im Raum entscheiden von Fall zu Fall.
Funktioniert der 12-V-Trigger mit einem Vorverstärker einer anderen Marke?
Ja. Der AMP CTL-Eingang und -Ausgang entsprechen dem 12-V-Trigger-Standard, der bei den meisten Herstellern verbreitet ist. Ein SPL-Vorverstärker aus der Produktreihe wird direkt daran angeschlossen, aber jedes Gerät mit einem 12-V-Trigger-Ausgang kann den Standby-Modus des Filters steuern und umgekehrt.
Kann man zwei Subwoofer in Stereo ansteuern?
Ja, über den umschaltbaren Stereo-Tiefpassausgang: Der Filter hält den linken und rechten Kanal getrennt und versorgt je einen Subwoofer pro Kanal. In der Mono-Position summiert er beide Kanäle auf einen einzelnen Subwoofer, was in den meisten Räumen ausreicht, da tiefe Bässe kaum ortbar sind.
Korrigiert die Basspegelregelung die Raumakustik?
Er wirkt auf den Gesamtpegel des Subwoofers von -10 bis +10 dB, um ihn mit den Lautsprechern abzustimmen oder eine bassarme Aufnahme zu verstärken. Er ersetzt keine akustische Behandlung: Raumresonanzen und durch die Aufstellung bedingte Einbrüche erfordern andere Mittel, wie Paneele oder einen speziellen Korrekturprozessor.
- Öko-Beitrag im Verkaufspreis enthalten.
- Herstellerreferenz: LCRO2430
- GTIN / EAN : 4260149320315







