Michell Engineering GyroDec
Übersicht
Die GyroDec, seit 1982 von Michell Engineering entwickelt, nutzt eine dreipunktige Pendelaufhängung und ein umgekehrtes Lager mit Ölzirkulation. Dieser britische Plattenspieler, erkennbar an seinen rotierenden goldenen Gewichten, wird weiterhin in den Werkstätten in Borehamwood gefertigt und justiert – gemäß den von John Michell entwickelten Ingenieursprinzipien.
Technische Konstruktion: grundlegende Prinzipien neu denken
Die Gyrodec stellte bei ihrer Vorstellung im Januar 1982 die etablierten Konventionen im Plattenspielerbau auf den Kopf. Während die meisten Hersteller Hohlrahmen aus Holz verwenden, erkannte John Michell, dass solche Strukturen wie Gitarrenkorpusse resonieren. Er entschied sich für eine Sockelplatte aus hochdichtem Acryl – ein steifes, nicht resonierendes Material, das Klangverfärbungen minimiert.
Das pendelnd gelagerte Subchassis bildet das Herzstück dieser Konstruktion. Es hängt an drei Schraubenfedern, die in festen Federtürmen sitzen, sodass das beschwerte Aluminium-Subchassis buchstäblich schwebt. Diese Konfiguration isoliert die empfindlichen Komponenten – Lager, Teller und Tonarm – von externen Vibrationen. Die Federtürme, gekrönt von goldfarbenen Aluminiumkappen, ermöglichen eine präzise Höhen- und Waagerechteinstellung von oben, ohne Demontage. Diese einfache Justage steht im Kontrast zu konkurrierenden Systemen, die einen Zugang von unten erfordern.
Das umgekehrte Lager stellt eine wesentliche Innovation dar. Anders als bei herkömmlichen Konstruktionen, bei denen der Drehpunkt am unteren Ende der Baugruppe liegt, positioniert Michell ihn oben. Eine modifizierte Archimedes-Schraube, in die innere Lagerbohrung eingearbeitet, fördert das Öl von einem Reservoir an der Basis zur Druckkugel an der Spitze. Das Öl fließt anschließend durch einen Kanal in der Achse zurück ins Reservoir. Diese kontinuierliche Zirkulation während der Rotation sorgt für eine vollständige Schmierung aller Kontaktflächen und reduziert Reibung sowie mechanische Geräusche.
Teller und Antrieb: die Suche nach Stabilität
Der Teller der modernen Gyrodec besteht aus einem Acryl/Vinyl-Verbundmaterial, das aufgrund seiner Schwingungsdämpfungseigenschaften gewählt wurde. Dieser Impedanzanpassungs-Ansatz – die Verwendung eines akustisch dem Schallplattenvinyl ähnlichen Materials – ermöglicht eine optimale Kopplung zwischen Platte und Teller. Vibrationen passieren diese Schnittstelle ohne Reflexion und gelangen nicht zurück in den Abtastdiamanten.
Sechs massive, vergoldete Messinggewichte, die unter dem Teller befestigt sind, erhöhen das Trägheitsmoment. Diese peripheren Massen erzeugen beim Mitdrehen einen gyroskopischen Effekt, der die Drehzahl stabilisiert. Die zusätzliche Masse verbessert die Gleichlaufwerte und reduziert Wow und Flutter auf nicht wahrnehmbare Werte. Die rotierenden goldenen Gewichte sind zugleich das unverwechselbare visuelle Markenzeichen des Plattenspielers.
Der Gleichstrommotor sitzt in einem massiven Aluminiumgehäuse, das vollständig vom Hauptchassis entkoppelt ist. Zwischen Motoreinheit und Plattenspieler besteht kein physischer Kontakt; lediglich ein runder Butylgummiriemen überträgt die Rotation. Dieser Riemen umschlingt den Umfang des Tellers und verteilt die Antriebskraft gleichmäßig. Der äußerst zuverlässige Motor kann ohne Schaden im Dauerbetrieb laufen. Sein hohes Drehmoment trägt zur Geschwindigkeitsstabilität bei, insbesondere in komplexen Musikpassagen.
Zubehör und Optimierung
Die klappbare Haube aus transparentem Acryl schützt den Plattenspieler vor Staub und erlaubt zugleich den Blick auf die rotierende Mechanik. Zweiteilige Scharniere erleichtern das vollständige Abnehmen der Haube bei längeren Hörsitzungen. Die serienmäßige Plattenklemme hilft, leicht verwellte Schallplatten zu glätten und reduziert Resonanzen in der Platte. Ihr Gewicht koppelt das Vinyl fest an den Teller und bildet eine kohärente Einheit, die die Rillenverfolgung verbessert.
Der Plattenspieler akzeptiert eine breite Palette von Tonarmen dank spezifischer Montageplatten. Modelle mit unterschiedlichem Gewicht ermöglichen, die statische und dynamische Balance des Subchassis unabhängig von der Masse des gewählten Tonarms beizubehalten. Standardbohrungen nehmen Tonarme von Rega, Linn und SME ohne Modifikation auf.
Michell bietet verschiedene Upgrades an, um den Plattenspieler weiterzuentwickeln. Das Netzteil HR ersetzt vorteilhaft das Standardnetzteil und bietet bessere Regelung sowie geringeres Restgeräusch. Der schwere Teller der Orbe kann auf der Gyrodec montiert werden und bringt mehr Masse und Trägheit. Die Isobase-Basis bietet zusätzliche Isolation gegen strukturbedingte Vibrationen.
Unterschiede zur Gyro SE
Die Gyro SE (Spider Edition) behält die wesentlichen mechanischen Elemente der Gyrodec bei, ersetzt jedoch den massiven rechteckigen Sockel durch ein dreispeichiges „Spinnen“-Acrylchassis. Diese Konfiguration verringert den Platzbedarf des Plattenspielers erheblich – die Gyro SE benötigt weniger Stellfläche als eine vollständige Gyrodec. Das Fehlen einer integrierten Haube setzt die Mechanik stärker Staub aus, was häufigere Pflege oder einen optionalen Staubschutz erforderlich macht.
Beide Modelle teilen sich das gleiche Subchassis mit Federaufhängung, das umgekehrte Lager, den Teller mit peripheren Massen und den separaten Motor. Die klanglichen Leistungen sind sehr ähnlich; einige Nutzer bevorzugen sogar die Gyro SE, da ihr minimalistisches Chassis potenziell weniger zu Resonanzen neigt. Die Gyrodec bewahrt jedoch ihren Status als historisches Modell mit imposanter Präsenz und integrierter Staubschutzlösung.
Häufig gestellte Fragen
Wie häufig muss das Hauptlager gewartet werden? Das umgekehrte Lager benötigt etwa alle fünf bis sechs Jahre einen Ölwechsel. Der Vorgang umfasst das Abnehmen des Tellers, die gründliche Reinigung aller Flächen und das Auffüllen mit 2,5 bis 3 mm synthetischem 0W-40-Öl. Michell liefert detaillierte Anleitungen für diese Wartung, die der Nutzer mit Sorgfalt selbst durchführen kann.
Wie stellt man die Aufhängung korrekt ein? Die drei Federn werden durch Drehen von oben justiert, sodass Höhe und Waagerechte des Subchassis angepasst werden können. Eine Wasserwaage überprüft die exakte Horizontalität. Das Subchassis sollte bei leichtem Druck vertikal „federn“, ohne seitliches Schwingen. Diese Einstellung erfolgt am Aufstellort des Plattenspielers – im Gegensatz zu Systemen, die ein komplettes Umdrehen erfordern.
Kann man mit diesem Plattenspieler beliebige Tonabnehmer verwenden? Die Gyrodec kommt sowohl mit Tonabnehmern mit beweglicher Spule (MC) als auch mit beweglichem Magnet (MM) zurecht – die Wahl hängt vom montierten Tonarm und dem verwendeten Phonovorverstärker ab. Die mitgelieferte Plattenklemme verbessert die Kopplung unabhängig vom Tonabnehmer. Die tonale Neutralität des Plattenspielers lässt die Eigencharakteristik jedes Tonabnehmers ohne zusätzliche Färbung zur Geltung kommen.
Sind die goldenen Gewichte nur dekorativ? Diese sechs vergoldeten Messinggewichte erfüllen eine wesentliche technische Funktion. An der Peripherie des Tellers positioniert, erhöhen sie dessen Trägheitsmoment deutlich. Diese zusätzliche Masse stabilisiert die Rotation und reduziert durch Rillenmodulation verursachte Momentanschwankungen der Geschwindigkeit. Ihre Rotation erzeugt außerdem den charakteristischen, hypnotischen visuellen Effekt der Gyrodec.
Erfordert der Plattenspieler häufige Nachjustierungen? Ist die Gyrodec einmal korrekt installiert und eingestellt, arbeitet sie über Jahre ohne Eingriff. Die anfänglichen Justagen von Aufhängung und Waagerechte bleiben stabil. Lediglich die Lagerwartung etwa alle fünf Jahre sowie der gelegentliche Riemenwechsel zählen zur regelmäßigen Pflege. Diese langfristige Zuverlässigkeit zeichnet Michells Ingenieurskunst seit vier Jahrzehnten aus.
Technische Daten
Aufhängungssystem und Subchassis
- 3-Punkt-Aufhängung mit festen Türmen zur Einstellung der Federhöhe
- Ausgelagertes, beschwertes Pendel-Subchassis, steif und dicht, absorbiert Vibrationen und trägt Lager, Teller und Tonarm
Lager und Teller
- Umgekehrtes Lager mit Ölzirkulation für vollständige Schmierung während der Rotation
- Reduziert Geräusche und Vibrationen für präzises Abtasten
- Impedanzangepasster Teller mit massivem Messinggewicht
- Material vinylähnlich, dämpft Vibrationen und bleibt neutral
- Verbessert die Stabilität und begrenzt Wow und Flutter
- Bringt mehr Masse und Trägheit
Motorisierung
- Autonomer Motorblock, getrennt vom Laufwerk
- Antrieb ausschließlich über Riemen zur Vermeidung von Vibrationen und Geräuschen
Chassis und Entkopplung
- Basis aus hochdichtem Acryl: steif und nicht resonant
- Füße aus Aluminium mit geringer Kontaktfläche zur Reduzierung der Vibrationsübertragung
Zubehör
- Scharnierhaube aus Acryl zum Schutz des Laufwerks, leicht abnehmbar
- Plattenpuck im Lieferumfang, um verzogene Vinyls zu glätten und Resonanzen zu reduzieren
Abmessungen und Gewicht
- Gewicht: 14 kg
- Abmessungen: 53 × 41 × 19 cm (B × T × H)
- Mit geöffneter Haube: 53 × 49 × 55 cm (B × T × H)
Highlights
- Historische Referenz von Michell, bewährtes Design seit 1980
- Beschwertes Pendel-Subchassis für Isolation und Steifigkeit
- Umgekehrtes, ölgeschmiertes Lager für geräuscharmen Lauf
- Impedanzangepasster Teller mit Messinggewicht für Stabilität
- Autonomer Motor und Riemenantrieb für null übertragene Vibrationen
- Haube und Plattenpuck inklusive für Schutz und Vinyl-Optimierung
Basiskonfiguration
- Plattenspieler wird ohne Tonarm und Tonabnehmer geliefert
- Vorbohrungen für Rega / Linn / SME Tonarme
- Haube und Klemmpuck im Lieferumfang
- Öko-Beitrag im Verkaufspreis enthalten.









