Übersicht
Ein 25 kg schwerer Regallautsprecher ist ungewöhnlich. Dieses Gewicht verrät den Ansatz von Piega: ein nahtlos aus einem Stück extrudiertes Aluminiumgehäuse, eine Dreiwege-Konstruktion, wo andere sich mit zwei Wegen begnügen, und ein koaxialer Mittel-Hochton-Wandler, der im eigenen Werk in Horgen am Zürichsee entwickelt und gefertigt wird. Die Coax 411 tritt die Nachfolge der Coax 311 an, mit vergrößertem Innenvolumen und zehn zusätzlichen Kilos auf der Waage.
Ein koaxiales Bändchen, das nicht ganz eines ist
Der C112+ von Piega verdient besondere Aufmerksamkeit. Trotz seiner Bezeichnung als „Bändchen“ handelt es sich technisch um einen planaren Magnetschallerzeuger: eine ultradünne Polymermembran mit einer flachen Aluminiumspule auf der Vorderseite, angetrieben von dahinter angeordneten Neodym-Magneten. Diese Membran ist etwa dreißigmal leichter als eine herkömmliche Kalotte und beschleunigt und verzögert mit einer Geschwindigkeit, an die konventionelle Konstruktionen kaum heranreichen.
Die Originalität liegt in der koaxialen Architektur: Der Hochtöner sitzt im Zentrum, eingerahmt vom Bändchen-Mitteltöner, der ihn symmetrisch umgibt. Beide Sektionen liegen in derselben Ebene und bilden eine quasi punktförmige Schallquelle über einen breiten Frequenzbereich von 450 Hz bis 50 kHz. Diese Anordnung eliminiert Zeitversätze zwischen Mittel- und Hochton, wie sie bei herkömmlichen Konstruktionen mit physisch getrennten Treibern auftreten. Das Klangbild gewinnt an Kohärenz und Ortungspräzision – unabhängig vom Hörwinkel.
Ein Bass, der das Format übertrifft
Die Coax 411 reicht bis 35 Hz (±3 dB hinab), eine für einen Lautsprecher dieser Größe seltene Leistung. Zum Vergleich: Mehrere direkte Konkurrenten in dieser Preisklasse enden bei etwa 42 bis 45 Hz. Verantwortlich dafür ist ein 160-mm-UHQD-Woofer, der von SEAS in Norwegen nach den Vorgaben von Piega gefertigt wird. Seine steife Aluminiummembran und das spezielle Aufhängungssystem erlauben es, das vergrößerte Innenvolumen dieser Generation voll auszuschöpfen.
Die bei 450 Hz festgelegte Übergangsfrequenz entlastet den Woofer vom Mittelton und ermöglicht ihm, sich ganz auf den Bassbereich zu konzentrieren. Diese Aufteilung erklärt teilweise die Stabilität und Kontrolle im Tiefton, bringt aber auch eine Anforderung mit sich: Der Verstärker muss in der Lage sein, eine 4-Ohm-Last souverän anzutreiben. Piega empfiehlt eine Leistung zwischen 20 und 200 Watt – ein breiter Bereich, der den ordentlichen Wirkungsgrad von 90 dB/W/m widerspiegelt.
Aluminium unter Spannung
Das nahtlos extrudierte Aluminiumgehäuse ist seit Jahrzehnten ein Markenzeichen von Piega. Durch Extrusion entsteht ein durchgehendes Profil mit dicken, homogenen Wänden, das deutlich steifer ist als eine aus MDF-Platten zusammengesetzte Konstruktion. Das Ergebnis ist fühlbar: Ein kräftiges Klopfen mit dem Finger erzeugt einen trockenen, gedämpften Klang ohne störende Resonanzen.
Das TIM2-System (Tension Improve Module 2) treibt dieses Konzept noch weiter. Unter Druck eingesetzte Frästeile aus einer speziellen Legierung halten die Gehäusewände permanent unter Spannung. Diese kontrollierte mechanische Vorspannung reduziert verbleibende Mikrovibrationen. Viscoelastische Folien ergänzen das System, indem sie das absorbieren, was die Vorspannung nicht eliminiert.
Die asymmetrische Silhouette, entworfen von Stephan Hürlemann, führt die Seitenwände nach hinten gerundet aus. Von der Seite betrachtet wirkt der Lautsprecher schlanker, als er tatsächlich ist. Die Bassreflexöffnung mündet auf der Rückseite, weshalb ein Mindestabstand zur Wand erforderlich ist (mindestens etwa zwanzig Zentimeter, um eine übermäßige Bassanhebung zu vermeiden).
Aufstellung und Kombinationen
Mit 45 cm Höhe, 21 cm Breite und 31 cm Tiefe verlangt die Coax 411 nach stabilen Ständern. Das Gewicht von 25 kg pro Lautsprecher ist nicht zu unterschätzen: Leichte oder wackelige Ständer sind tabu. Die Einstufung als Regallautsprecher mag angesichts dieser Abmessungen und dieses Gewichts paradox erscheinen, doch Piega zielt klar auf den Einsatz auf passenden Ständern ab; der Begriff „Regal“ beschreibt hier eher das kompakte Format als den tatsächlichen Standort.
Die Anschlussklemmen erlauben Bi-Wiring oder Bi-Amping dank des doppelten Anschluss-Paars. Die Impedanz von 4 Ohm und das eher lineare elektrische Verhalten ermöglichen die Kombination mit einer breiten Palette von Verstärkern – von Röhren-Vollverstärkern bis zu Transistor-Endstufen. Die Klangsignatur der Coax 411 tendiert zur Neutralität und Transparenz: Sie legt die Stärken wie Schwächen der vorgeschalteten Elektronik schonungslos offen.
Was diese Generation verändert
Die erste Coax-Serie, eingeführt 2017, löste die älteren „C“-Modelle von Piega ab. Diese Gen2-Generation, vorgestellt auf der High End in München 2022, bringt ein größer dimensioniertes Gehäuse, ein überarbeitetes TIM2-System und vor allem den neuen C112+-Treiber mit verstärkter Frontplatte, einem zusätzlichen Neodym-Magneten über dem Hochtöner und einer mit optimierter Beschichtung versehenen Membran für einen lineareren Frequenzgang im unteren Mitteltonbereich.
Auch die Klangphilosophie hat sich gewandelt. Die früheren Piega-Modelle galten als eher rund und warm abgestimmt. Die neue Generation verfolgt ein kontrollierteres, schnelleres und analytischeres Profil. Das ist eine bewusste Entscheidung, die nicht jedem gefallen wird: An Präzision gewinnt das Hörerlebnis, was es an Nachsicht gegenüber mittelmäßigen Aufnahmen einbüßt.
Technische Merkmale
Akustische Technologien
- Koaxialband C112+
- Neuer koaxialer Wandler, der Mittelton und Hochtöner auf einer Achse vereint
- Feiner, natürlicher und lebendiger Klang
- Präzise und kohärente Räumlichkeit
- UHQD 160 mm Tieftöner
- Speziell für Piega von SEAS entwickelter Wandler
- Perfekte Integration mit dem Koaxialband
- Dynamischer und kontrollierter Bass
Aufbau und Dämpfung
- TIM2-Spannungsoptimierungsmodul
- Kontrollierte Verspannung des Gehäuses
- Effektive Reduzierung von Vibrationen und Resonanzen
- Verbesserung der Klangreinheit
- Hochwertiges Aluminiumgehäuse
- Nahtloses stranggepresstes Aluminiumprofil
- Außergewöhnliche Steifigkeit und hochwertige Verarbeitung
- Elegantes Design von Stephan Hürlemann
Technische Daten
- Typ: 3-Wege-Regallautsprecher
- Empfohlene Verstärkerleistung: 20 – 200 W
- Wirkungsgrad: 90 dB/W/m
- Impedanz: 4 Ω
- Frequenzgang: 35 Hz – 50 kHz
- Treiber: 1 UHQD 160 mm Tieftöner, 1 Koaxialband C112+
- Gehäuse: stranggepresstes Aluminium mit TIM2-Modul
- Abmessungen (H × B × T): 45 × 21 × 31 cm
- Gewicht: 25 kg
Verfügbare Ausführungen
- Standardausführungen: gebürstetes Aluminium Silber, gebürstetes Aluminium Schwarz, Weiß lackiert
Highlights
- Hochwertige Koaxialtechnologie im kompakten Format
- Außergewöhnliche Präzision und Fülle in Mittel- und Hochton
- Bemerkenswert dynamischer Bass für einen Regallautsprecher
- Exklusive Aluminiumkonstruktion
- Zeitloses Design und Premium-Oberflächen
Häufig gestellte Fragen
Kann die Coax 411 ohne Subwoofer betrieben werden?
In Räumen unter 25–30 m² reicht die Wiedergabe bis 35 Hz für die meisten Musikprogramme aus. Ein Subwoofer bringt einen willkommenen Zugewinn für Heimkino oder Musikrichtungen mit starkem Infraschall-Anteil (Elektronik, Orgel), ist aber für klassische Musik, Jazz oder Rock nicht zwingend erforderlich.
Welche Verstärkerleistung sollte man einplanen?
Piega gibt einen Bereich von 20 bis 200 Watt an. In der Praxis reicht ein qualitativ hochwertiger Verstärker mit 50 bis 100 Watt in den meisten Fällen aus. Die 4-Ohm-Impedanz verlangt nach einem Verstärker, der ausreichend Strom liefern kann: Vergewissern Sie sich, dass Ihr Gerät diese Last problemlos unterstützt.
Werden Ständer mitgeliefert?
Nein. Ständer und Spikes werden separat verkauft. Angesichts des Gewichts von 25 kg pro Lautsprecher ist die Investition in passende, hochwertige Ständer dringend zu empfehlen.
Beeinträchtigt die Abdeckung den Klang?
Wie bei den meisten Lautsprechern verändert das Abnehmen der Abdeckung den Frequenzgang leicht, insbesondere im Hochton, wo das Metallgewebe subtile Beugungseffekte verursachen kann. Die Unterschiede bleiben gering, und die Entscheidung ist ebenso eine Frage der Optik wie der Akustik.
Welcher Abstand zur Rückwand ist empfehlenswert?
Die rückseitige Bassreflexöffnung erfordert mindestens 15 bis 20 cm Abstand. Jenseits von 30–40 cm wirkt der Bassbereich ausgewogener im Verhältnis zum restlichen Frequenzspektrum. Eine zu wandnahe Aufstellung kann die Bässe überbetont erscheinen lassen.
Kann die Coax 411 in einem Mehrkanal-Heimkino eingesetzt werden?
Ja. Piega bietet mit der Coax Center 211 einen passenden Center-Lautsprecher an, der den gleichen C112+-Treiber und identische UHQD-Woofer verwendet und so eine konsistente Klangfarbe über alle drei Frontkanäle sicherstellt.
- Öko-Beitrag im Verkaufspreis enthalten.
- Herstellerreferenz: 692585









